Mittwoch, 10. Januar 2018

Die Ringvorlesungen der Saar-Universität in der dritten Kalenderwoche

Im neuen Jahr werden die öffentlichen Vortragsreihen der Universität des Saarlandes fortgesetzt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

1. Saarbrücker literaturwissenschaftliche Ringvorlesung im Filmhaus (Mainzer Straße 8):
Kommentare, Kämpfe, Kontroversen. Karl Marx zum 200. Geburtstag

Montag, 15. Januar, 18.30 Uhr: Film: „It’s a free world“

(UK/I/D/ES/PL 2007). Regie: Ken Loach. Drehbuch: Paul Laverty. Laufzeit: 96 Min.

Angie ist in einer Agentur angestellt, die osteuropäische Arbeiter nach London vermittelt und sie brutal ausbeutet. Sie wird selbst Opfer dieses Systems, wird sexuell belästigt und entlassen. Aber Angie ist taff und steigt selbst ein ins Geschäft mit sogenannten Gastarbeitern aus Osteuropa. Bald übernimmt auch sie das übliche Geschäftsgebaren. Zusammen mit ihrer Freundin Rose verschafft sie illegalen Einwanderern zwar Jobs, aber auch nur ungeschützte, prekäre, schlecht bezahlte – und diese auch nur tageweise. Mehr und mehr gerät Angie zwischen die Fronten aus Wirtschaftsbossen, Menschenhändlern und aufbegehrenden Arbeitern. Und zwischen ihren eigenen moralischen Ansprüchen und ihrem persönlichem Erfolg tut sich ein tiefer Graben auf. Auch in ihrer freien Unternehmerwelt gibt es bald keine Verantwortlichkeiten mehr, sondern nur noch die angeblichen Sachzwänge.

Der Gewinner der Goldenen Palme in Cannes erzählt moderne Schicksale in ihrer ganzen Härte. Am Beispiel ausländischer Arbeiter macht er deutlich: Kapitalistische Ausbeutung und politischer beziehungsweise gesellschaftlicher Zeitgeist sind keine spezifisch britischen Phänomene, sie treten global auf und verstärken sich gegenseitig. Der Film von Ken Loach will neben dem sichtbaren Skandal der Ausbeutung vor allem seine konventionellen Grundlagen zeigen und damit offenlegen, dass rücksichtsloses Unternehmertum vielfach das ist, worauf die Marktgesellschaft aufgebaut ist. Und dass der Wettbewerb einer „marktkonformen Wirtschaft“ Ausbeutung geradezu zwangsläufig hervorruft – inklusiv ihrer dazu passenden menschlichen Ausbeuterprototypen.

Alle Termine finden Sie unter: http://literaturarchiv.uni-saarland.de/ringvorlesung

Kontakt:
Professor Dr. Sikander Singh, E-Mail: s.singh@sulb.uni-saarland.de


2. Vortragsreihe über den Zufall im Filmhaus (Mainzer Str. 8):
Purer Zufall!

Mittwoch, 17. Januar, 18.30 Uhr: „Die Erfindung des Zufalls – Ein europäischer Sonderweg“

(Prof. Dr. Wolfgang Behringer, Historisches Institut, Universität des Saarlandes)

Auf das Unglück folgt die Suche nach den Schuldigen. Dieses heute noch weltweit verbreitete Muster der Personalisierung von Unglück kennen wir aus eigener Erfahrung. Aber vor einigen Jahrhunderten begann ein europäischer Sonderweg im „Management of Misfortune“: die Erfindung des Zufalls. Der Vortrag möchte zeigen, wie wir von Sündenbockreaktionen zur Versicherungswirtschaft gekommen sind.

Link zum Programm: www.uni-saarland.de/zufall2017


3. Vortragsreihe im Landesamt für Zentrale Dienste (Hardenbergstr. 6):

Die Reformation und die Kirchen an der Saar 1517-2017

Donnerstag, 18. Januar, 19 Uhr: Vom „Kulturkampf“ an der Saar bis zum „Burgfrieden“ (1870–1918)

(Prof. Dr. Olaf Blaschke, Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

Veranstaltungsort ist seit Januar das Landesamt für Zentrale Dienste, Hardenbergstr. 6, 66119 Saarbrücken (Sitzungssaal).

Alle Vorträge finden Sie hier.

Kontakt:
Prof. Dr. Gabriele B. Clemens
E-Mail: kommission@landesarchiv.saarland.de oder d.kurz@mx.uni-saarland.de
Tel.: 0681 501-1938 oder 0681 302-2339


4. Vortragsreihe auf dem Unicampus (Gebäude A2 2, 2. OG, Raum 2.02):
Der westliche Balkan – Geschichte, Politik, Kultur, Sprachen, Recht

Donnerstag, 18. Januar, 14.15 bis 16 Uhr: Kroatien als der 28. EU-Mitgliedsstaat  – Perspektiven und Entwicklung nach dem EU-Beitritt

(Prof. Dr. Tatjana Josipovic, Zagreb)

Die Republik Kroatien ist seit dem 1.7.2013 ein Mitgliedsstaat der Europäischen Union. Dem Beitritt sind langjährige anspruchsvolle Verhandlungen vorausgegangen, in denen die kroatische Wirtschafts- und Rechtsordnung an die europäischen Standards angeglichen wurde; der Prozess der Europäisierung wird bis heute fortgeführt. Zahlreiche andere Reformen, verbunden mit der Einführung der Marktwirtschaft und der Privatisierung, sowie die Justizreform und die Herstellung eines Sozialstaates wurden eingeleitet. Diese umfassenden Reformen, die Kroatien vor neue Herausforderungen stellen, haben eine Reihe neuer Fragen in Hinblick auf deren Umsetzung aufgeworfen, insbesondere, wie die verschiedenen Reformziele harmonisiert und koordiniert werden können. Der Vortrag wird die Besonderheiten der kroatischen Beitrittsverhandlungen und die Entwicklung der kroatischen Rechts- und Wirtschaftsordnung nach dem EU-Beitritt behandeln.

Kontakt und Information:
Dr. Ekaterina Klüh, International Office, Tel. 0681 302-71106, e.klueh@univw.uni-saarland.de
Mareike Fröhlich, Europa-Institut, Tel. 0681 302-6664, m.froehlich@europainstitut.de
Anne Rennig, Europa-Kolleg CEUS, Tel. 0681 302-4041, ceus(at)uni-saarland.de


5. Vortragsreihe des Europa-Kollegs CEUS an der Uni (Geb. A2 2, 2. OG, Hörsaal 2.02):

Europa-Diskurs(e) – Internationale Europaforschung zu Gast an der Universität des Saarlandes“

Donnerstag, 18. Januar, 16 bis 18 Uhr: „In Vielfalt geeint? Vom Wandel der Parteienlandschaften in Europa“

(Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix, Université Paris-Sorbonne, Deutschlandstudien)

Mit der renommierten französischen Historikerin und Politikwissenschaftlerin Hélène Miard-Delacroix ist am Donnerstag, 18. Januar, eine ausgewiesene Expertin der deutschen Geschichte und der deutsch-französischen Beziehungen an der Universität des Saarlandes zu Gast. In ihrem Vortrag „In Vielfalt geeint? Vom Wandel der Parteienlandschaften in Europa“ widmet sie sich den autoritären Tendenzen, die in einigen Ländern Europas nicht zu übersehen seien; in anderen – wie auch in Deutschland – habe sich der Populismus als politische Kraft etabliert. Ist der Wandel der Parteienlandschaften in Europa nur eine Herausforderung oder vielleicht eine echte Gefahr für die Demokratie als Wertesystem? Ist Europa wirklich „in Vielfalt geeint“ und kann diesen antidemokratischen Kräften standhalten? Ausgehend vom deutsch-französischen Vergleich werden einige Behauptungen zu den neuesten Entwicklungen in Europa diskutiert.

Hélène Miard-Delacroix ist Professorin für deutsche Zeitgeschichte und Kultur an der Université Paris-Sorbonne. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande und des „Ordre des Palmes académiques“. 2017 erhielt sie den Internationalen Forschungspreis der Max-Weber-Stiftung beim Historischen Kolleg. 2016/17 hatte sie die Alfred-Grosser-Gastprofessur an der Goethe-Universität Frankfurt inne. Sie ist in zahlreichen Gremien deutscher und französischer Stiftungen und wissenschaftlicher Einrichtungen vertreten, unter anderem als Vorsitzende des Internationalen Beirats der Willy-Brandt-Stiftung und als Vizepräsidentin des wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Zeitgeschichte in München. Seit 2016 ist sie Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Historikerkomitees. Zusammen mit dem Saarbrücker Historiker Dietmar Hüser, Mitglied des CEUS-Direktoriums und Leiter des Frankreichzentrums, und dem Luxemburger Professor Andreas Fickers leitet sie ein trinationales Doktorandenkolleg.

Kontakt und Information:
Anne Rennig
Geschäftsführung des Europa-Kollegs CEUS
Tel. 0681-302 4041, E-Mail: ceus@uni-saarland.de
www.uni-saarland.de/ceus