Mittwoch, 16. Juli 2014

Professor Ernst Eduard Boesch verstorben

Die Universität des Saarlandes trauert um ihren ältesten Professor und Begründer des Psychologischen Instituts Professor Ernst Eduard Boesch. Er ist am 12. Juli im Alter von 97 Jahren verstorben. Boesch gilt als Begründer der „Symbolischen Handlungstheorie“.

Ernst Eduard Boesch wurde am 26. Dezember 1916 in St. Gallen geboren. Nach seinem Studium in Genf und der Tätigkeit als Schulpsychologe im Schweizer Kanton St. Gallen wurde Professor Boesch 1951 auf den neuen – und bis 1969 einzigen – psychologischen Lehrstuhl der Universität des Saarlandes berufen. 1955 akzeptierte er – ermutigt durch den damaligen Rektor Professor Joseph-François Angelloz – ein Angebot der Unesco und leitete von 1955 bis 1958 das „International Institute for Child Study“ in Bangkok. Als der Senat der Universität des Saarlandes 1962 das „Institut für Entwicklungshilfe“ gründete (die spätere „Sozialpsychologische Forschungsstelle für Entwicklungsplanung“), wurde ihm aufgrund seiner Erfahrung auch dessen Leitung übertragen. Daraus resultierte weitgehend die kulturpsychologische Ausrichtung der damaligen Saarbrücker Psychologie. So fand die „Saarbruecken School of Cultural Psychology“ dann auch international Beachtung. Als einer der Pioniere dieser psychologischen Richtung erhielt Professor Boesch Auszeichnungen wie die Ehrendoktorwürde der Universitäten Bern und Srinakharinwirot (Bangkok), einen königlichen Verdienstorden Thailands, den Saarländischen Verdienstorden sowie eine Reihe von Ehrenmitgliedschaften in wissenschaftlichen Vereinigungen.

Boesch gilt als Begründer der „Symbolischen Handlungstheorie“ – einer Theorie, die seiner kulturellen und psychoanalytischen Erfahrung entstammt, aber auch Alltagserfahrungen ausgiebig berücksichtigt. Sie beeinflusste die Kulturpsychologie, Kunstpsychologie und Psychotherapie. Auch auf die Entwicklung der Umweltpsychologie beziehungsweise Ökologischen Psychologie im deutschsprachigen Raum hatte Boeschs Werk einen erheblichen Einfluss.
Die 2007 von Walter J. Lonner und Susanna A. Hayes publizierte Boesch-Biographie „Discovering cultural psychology: A profile and selected readings of Ernest E. Boesch“ würdigt und dokumentiert wesentliche Teile seines Oeuvres.

Seine wichtigsten Monographien sind „Psychopathologie des Alltags – zur Ökopsychologie des Handelns und seiner Störungen“ (1976), „Kultur und Handlung“ (1980), „Das Magische und das Schöne“ (1983), „Symbolic action theory and cultural psychology“ (1991), „Sehnsucht – auf der Suche nach Glück und Sinn“ (1998), „Das lauernde Chaos. Mythen und Fiktionen im Alltag“ (2000) und „Von Kunst bis Terror. Über den Zwiespalt in der Kultur“ (2005). Daneben existieren eine Reihe nicht veröffentlichter Privatdrucke, literarische Schriften und über 100 Einzelbeiträge zu Büchern und Zeitschriften. Im Laufe seines Saarbrücker Wirkens erhielt Boesch, der 1969/70 auch Dekan der Philosophischen Fakultät war, ein Lehrstuhlangebot aus Brüssel und Rufe an die Universitäten Mannheim, Bochum, Genf und Basel. Trotzdem blieb er der Universität des Saarlandes stets treu und leitete noch über seine Emeritierung 1982 hinaus bis 1987 die „Sozialpsychologische Forschungsstelle für Entwicklungsplanung“.

Ein Foto von Professor Dr. Dr. h.c. mult. Ernst Eduard Boesch finden Sie unter www.uni-saarland.de/pressefotos. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.

Weitere Informationen erteilt:
Dr. Wolfgang Müller
Archiv der Universität des Saarlandes
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E-Mail: w.mueller(at)univw.uni-saarland.de