Samstag, 22. Oktober 2016

Deux ans entre l'école et l'amphithéâtre: Im Saarland können Gymnasiasten mit dem Juniorstudium parallel zum Abi schon Uni-Luft schnuppern

Saarbrücker Zeitung

Von Carolyn Gläsener, 18, Schiffweiler

Für Jana Weis fallen dienstags die letzten beiden Schulstunden aus. Anstatt im Unterricht zu sitzen, macht sich die 17-jährige Schülerin des Deutsch-Französischen Gymnasiums in Saarbrücken auf den Weg zur Universität des Saarlandes, um an einer Vorlesung in Materialwissenschaft und Werkstofftechnik teilzunehmen. Schule und Studieren gleichzeitig? Was anfangs vielleicht befremdlich klingen mag, ist seit 2002 an der Universität des Saarlandes möglich: Das sogenannte Juniorstudium ermöglicht neugierigen und motivierten Schülern mit sehr guten Noten in allen Fächern parallel zur Klassenstufe 11 und/oder 12 ein- bis zweimal wöchentlich an einer Veranstaltung der Universität teilzunehmen. Dies ist mittlerweile in insgesamt 25 verschiedenen Studiengängen möglich. Dazu zählen nicht nur Jura, Anglistik und Informatik, sondern auch Philosophie, Germanistik sowie Kunst- und Kulturwissenschaft.

Wer es sich zutraut und sich etwas beweisen möchte, hat sogar die Möglichkeit, Klausuren mitzuschreiben – ganz ohne Risiko: Während ein Durchfallen ohne weitere Konsequenzen bleibt, kann man sich nach bestandener Prüfung die erbrachte Studienleistung, die sogenannten Credit Points, anrechnen lassen. „Natürlich ist es ein bisschen mehr Stress, besonders dann, wenn man die Klausuren mitschreiben will“, meint Jana. „Aber es bringt einem wirklich viel.“

Wer als Juniorstudent über die gesamten zwei Jahre hinweg die Klausuren erfolgreich absolviert und den Studiengang auch nach dem Abitur an der Universität in Saarbrücken weiter studieren möchte, kann so bis zu zwei Semester einsparen. Doch selbst wenn man sich nach dem Schulabschluss für etwas anderes entscheidet, hat man während der Zeit als Juniorstudent zahlreiche Vorteile: Man erhält nicht nur einen Studentenausweis, mit dem man im Saarland kostenlos Bus und Bahn fahren kann, sondern auch Zugang zu universitären Bibliotheken und Sprachzentren sowie dem Hochschulsport.

Im Vordergrund steht jedoch die Erfahrung, eigenverantwortliches und selbstständiges Arbeiten sowie organisatorische Fähigkeiten zu erlernen und einen ersten Einblick in das Leben als Student zu erhalten. „Man kann überall mal reingucken, sich ein bisschen orientieren“, sagt Jana. „Es gibt überhaupt keinen Druck.“ Während des Juniorstudiums genießen die Schule und das anstehende Abitur jedoch stets die höchste Priorität. So muss der Stoff, den man aufgrund einer Vorlesung während des Unterrichts verpasst, selbstständig nachgearbeitet werden. Um sicherzustellen, dass der Balanceakt zwischen Schule und Universität gelingt, findet zwischen beiden Einrichtungen ein reger Austausch statt. Da das Juniorstudium freiwillig ist, kann es jederzeit beliebig reduziert oder abgebrochen werden, falls es Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit beider Aktivitäten gibt.

Auch wenn es ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Fleiß verlangt, kann man durch das Juniorstudium optimal herausfinden, welcher Studiengang zu einem passt – oder auch nicht. „Alles in allem kann ich das Juniorstudium nur empfehlen“, meint Jana. „Besonders wenn man noch nicht so genau weiß, was man später machen will.“

Quelle: Saarbrücker Zeitung