Mittwoch, 15. März 2017

Neugründung eines Helmholtz-Zentrums für IT-Sicherheit

Saarbrücker Zeitung

IT-Sicherheit ist ein Zukunftsthema. Wer hier in der Forschung die Nase vorn hat, ist gut dran. Mit der Neugründung eines Helmholtz-Zentrums für IT-Sicherheit gelingt dem Saarland nun genau das.
Von Johannes Schleuning


Saarbrücken. Michael Backes strahlte gestern übers ganze Gesicht. „Ich glaube, wir haben den Jackpot geknackt“, sagte der 39-jährige Informatiker. Der „Jackpot“, das ist die geplante Neugründung eines Helmholtz-Zentrums für IT-Sicherheit, die er ins Land geholt hat. Es wäre das 19. Helmholtz-Zentrum in Deutschland. Und es wäre nicht irgendeine Forschungsstätte. „Es wäre ein Zentrum von Weltrang“, sagte Backes.

Die nach dem deutschen Universalgelehrten Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz (1821 bis 1894) benannte Forschungsgesellschaft, die gänzlich aus staatlichen Mitteln finanziert wird und über einen Jahresetat von mehr als vier Milliarden Euro verfügt, genießt in der Tat Weltruf. Drei Wissenschaftler der Helmholtz-Gemeinschaft haben den Nobelpreis erhalten. Wenn ein Forschungszentrum dieser Gemeinschaft Fuß fassen will im Saarland, einem Bundesland, zu dessen Wesenszügen längst ein permanentes Ringen ums Nicht-abgehängt-werden gehört, dann ist das in der Tat ein „Jackpot“, wie es Backes nennt. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) drückte sich anders, aber nicht weniger euphorisch aus: „Man sollte das Wort ja nicht zu oft in den Mund nehmen, aber das ist ein großer Tag für unser Land.“ Zwar steht die formelle Zusage der Helmholtz-Gesellschaft für die Neugründung im Saarland noch aus, wie diese gegenüber unserer Zeitung bestätigte. Dass die Nachricht vom „Jackpot“ gestern dennoch bereits offiziell von der Ministerpräsidentin verkündet wurde, dürfte der Euphorie, dem Glück – und sicher auch der Landtagswahl in anderthalb Wochen geschuldet sein.

Drei Tage vor Weihnachten war es, als der Präsident der Helmholtz-Gesellschaft Otmar Wiestler bei Michael Backes anrief, um ihn als Leiter eines neuen Helmholtz-Zentrums für IT-Sicherheit zu gewinnen. Dass Wiestlers Wahl auf den Saarländer fiel, dürfte angesichts von dessen Werdegang wenig überraschen. Seit 2006 ist Backes Professor für Informationssicherheit und Kryptographie an der Saar-Uni, seit 2011 Direktor des Kompetenzzentrums für IT-Sicherheit (Cispa) auf dem Campus. 2009 wurde er vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston zu einem der weltweit besten 35 Forscher gewählt. Ein Jahr später ernannte ihn die Zeitschrift „Capital“ zum besten Forscher Deutschlands unter 40. Doch Backes erwies sich im Gespräch mit dem Helmholtz-Präsidenten nicht nur als guter Forscher, sondern offenbar auch als forscher Verhandler. Er bestand nach eigenen Angaben darauf, dass das neue Zentrum im Saarland angesiedelt werden müsse. Als die Helmholtz-Gesellschaft und schließlich auch die Bundesregierung zustimmten, da konnte sich Backes gut nachvollziehbar nicht nur wie über einen „Sechser im Lotto“ freuen, sondern mehr noch: wie über einen „Jackpot“.

Das Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit, dessen endgültiger Name noch nicht feststehe, wie Backes gestern erklärte, soll mittelfristig gut 500 Wissenschaftler beschäftigen und jährlich über rund 50 Millionen Euro verfügen können. Nach der Gründung noch vor Jahresende werde es zunächst eine Übergangsfinanzierung allein aus Gelder der Helmholtz-Gesellschaft geben. Ab dem Jahr 2020 greife dann die reguläre Förderung, das heißt: 90 Prozent des Etats steuert das Bundesforschungsministerium, zehn Prozent das Land bei. Für das klamme Saarland, das auch die benötigten Gebäude schaffen will, werde die Finanzierung zwar eine „Herausforderung“, wie die Ministerpräsidentin gestern erklärte. Aber das Land verstehe diese Ausgaben als „Leitinvestition“. Denn zu erwarten sei, das betonte auch Backes gestern, dass im Umfeld des neuen Helmholtz-Zentrums weitere Arbeitsplätze im Forschungsbetrieb sowie Startup-Unternehmen entstünden.

Eben diese Hoffnung keimte gestern auch gleich auf dem Saarbrücker Campus auf. „Die IT-Sicherheitsexperten am Cispa haben sich in den vergangenen Jahren durch ihre vielfältigen Forschungsergebnisse national und international einen exzellenten Ruf erarbeitet“, sagte Uni-Präsident Manfred Schmidt der SZ. „Wir freuen uns daher sehr, dass der hiesige Schwerpunkt für Cybersicherheit nunmehr noch weiter ausgebaut und hiermit auch das Informatik-Umfeld an der Universität des Saarlandes gestärkt wird.“ Man muss dazu wissen: Der Informatik-Bereich der Saar-Uni wird von der Bundesregierung im Rahmen der Exzellenz-Initiative gefördert – und gerade wird heftig an einem Antrag auf Verlängerung gefeilt.

Zusätzlich zu den rund 140 Cispa-Mitarbeitern auf dem Campus, denen eine Übernahme ins neue Helmholtz-Zentrum angeboten werden soll, werde Backes in den nächsten Jahren weltweit bis zu 350 neue Wissenschaftler werben. Die sollen dann unter anderem erforschen, wie die Sicherheit autonomer Systeme (selbstfahrende Autos oder Drohnen) gewährleistet werden kann, wie man Cyberangriffe besser erkennen und den Datenschutz optimieren kann. Themen, denen sich Backes mit seinen Mitarbeitern des Cispa auch schon in den vergangenen sechs Jahren zugewandt hatte. Allerdings eröffnete die jeweils befristete Förderung mit Bundesmitteln kaum langfristige Perspektiven, wie aus Backes Umfeld verlautet. Mit dem neuen Helmholtz-Zentrum wird das anders sein. Und nicht nur das. Auch Etat und Mitarbeiterzahl haben neue Qualität. Ein „Jackpot“ eben. „Es wäre ein Zentrum von Weltrang.“

Quelle: Saarbrücker Zeitung