Donnerstag, 01. März 2018

„Texte und Kontexte: Theobald Hocks Schönes Blumenfeldt (1601)“

Arbeitsgespräch über den frühbarocken saarländischen Dichter Theobald Hock

Die Literaturwissenschaftler Professor Ralf Bogner und Professor Sikander Singh veranstalten am 1. und 2. März im Saarbrücker Hotel „Leidinger“ (Mainzer Straße 10) ein wissenschaftliches Arbeitsgespräch zum frühbarocken saarländischen Schriftsteller Theobald Hock. Insbesondere geht es um den Band „Schönes Blumenfeldt“ (1601) mit 92 Gedichten.

Das literarische Schaffen des 1573 in der Ortschaft Limbach bei Homburg/Saar geborenen und vor 1624 in Böhmen (?) oder im Elsass (?) verstorbenen Dichters Theobald Hock umfasst 92 Gedichte, die im Jahr 1601 in der Sammlung Schönes Blumenfeldt im Druck erschienen sind. Es ist nicht nur die einzige von Hock veröffentlichte Gedichtsammlung, sondern zugleich ein singuläres Zeugnis literarischen Gestaltungswillens in deutscher Sprache im Übergang von Späthumanismus zum Barock, im Spannungsfeld des spätmittelalterlichen Meistersangs, der neulateinischen Dichtung und italienischer Einflüsse.

Seitdem die Literaturgeschichtsschreibung den Dichter und sein Werk in der Folge eines 1845 erschienenen Aufsatzes von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wiederentdeckt hat, ist seine wechselvolle Lebensgeschichte zwar in großen Zügen erforscht worden, sein Werk hat jedoch im Hinblick auf Einzelinterpretationen und Analysen nur geringe Beachtung gefunden. Vornehmlich wurden seine Gedichte als Dokument einer literarhistorischen Schwellenzeit gewertet, die den prägenden sprach-, stil- und verskünstlerischen Positionen, die Martin Opitz formulierte, voranging und die deshalb an der weiteren Entwicklung der deutschen Lyrik des 17. Jahrhunderts keinen Anteil hatte. Insbesondere sind autopoetische Aussagen im Schönen Blumenfeldt im Hinblick auf Opitz‘ Buch von der Deutschen Poeterey gelesen worden.

Das Arbeitsgespräch möchte vor diesem Hintergrund die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem frühen saarländischen Schriftsteller fördern und zu einer Neubewertung der Werke Theobald Hocks beitragen. Dabei soll der Autor und Mensch Theobald Hock und sein Werk aus verschiedenen Blickrichtungen neu  betrachtet werden, um neue Forschungsergebnisse zu erzielen und zugleich weitere Arbeiten anzuregen. Die Veranstalter haben eine Reihe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gewonnen, die zum Arbeitsgespräch in Saarbrücken in verschiedener Weise beitragen möchten, insbesondere durch eine Reihe von thematisch breit ausdifferenzierten Vorträgen.

Unerlässlich ist es zuerst einmal, die neuesten Erkenntnisse über die Quellenüberlieferung zu Hock zu sammeln und auszuwerten. Vor allem über Archivalien zu Hock im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als rosenbergischer Beamter und Bürger von Krumau wird Václav Bok referieren. Sikander Singh wird ein bislang nicht bekanntes Exemplar von Hocks Schönem Blumenfeldt detailliert beschreiben und neue Erkenntnisse zum Drucker und Druckort des Werkes vorstellen. In den weiteren Beiträgen soll dann Hocks herausragende literarische Leistung im Mittelpunkt stehen, die in ihrer Zeit singuläre Lyriksammlung Schönes Blumenfeldt. Dabei wird sich zeigen, dass diese Gedichte sowohl in ihrer Gesamtheit und in ihrer Gesamtkomposition als auch in thematischen Gruppen und einzeln für sich genommen noch eine große Zahl an außerordentlichen interessanten Forschungsfeldern eröffnen. Eckehard Czucka wird sich mit der Beziehung zwischen dem Titel der Lyriksammlung und ihren einzelnen Texten befassen. Marlen Wagner wird exemplarisch am Beispiel des 27. Liedes des Schönen Blumenfeldts die metrische Gestaltung, die Vanitas-Thematik sowie Bezüge zum reformatorischen Agitationslied in den Blick nehmen. Ralf Bogner wird ein einzelnes, wichtiges Thema der Gedichtsammlung, die Beziehung zwischen Mensch und Tier, genau analysieren. Besonders wenig erforscht sind bislang auch die literarhistorischen Kontexte des Schönen Blumenfeldts. Hierzu wird Frédérique Renno einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Hocks Gedichte in den Zusammenhang der Liedlyrik seiner Zeit stellt. Hermann Gätje wird die Frage nach dem poetologischen Gehalt der Sammlung diskutieren. Stephanie Blum untersucht poetologische Abgrenzungen bei Theobald Hock.

Als Moderator und Diskussionsleiter wird Franz-Josef Holznagel als einer der besten Kenner der Lyrik des 16. Jahrhundert, vor allem auf dem Gebiet der literarischen Rückbezüge zur mittelalterlichen Lyrik und der Metrik- und Mediengeschichte, an dem Arbeitsgespräch teilnehmen.

Die Veranstalter möchten das Arbeitsgespräch als eine Form des wissenschaftlichen Austauschs sehen, in dem neben den Vorträgen und der Auseinandersetzung mit deren Thesen viel Raum für intensive Diskussion gegeben wird. Deswegen wird es einen relativ lockeren Zeitplan und viele Gespräche im Plenum geben.
Finanziell gefördert wird das Arbeitsgespräch vom Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes. Veranstaltungsort ist das Hotel Leidinger, Mainzer Straße 10, 66111 Saarbrücken.

Kontakt:
Professor Dr. Sikander Singh
Archivleiter Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass | Universität des Saarlandes
Tel.: +49(0)681 302-3327
http://literaturarchiv.uni-saarland.de