Donnerstag, 12. Juli 2018

Controlling Award Bosch Homburg für herausragende Abschlussarbeiten verliehen

Das Exzellenznetzwerk Controlling Talents hat zwei herausragende Abschlussarbeiten im Bereich Controlling an der Universität des Saarlandes mit dem von der Robert Bosch GmbH Homburg gestifteten Controlling Award ausgezeichnet: Marius Wittke erhielt den ersten, mit 1.500 Euro dotierten Preis für seine Masterarbeit „Verhaltensorientierte Realoptionsbewertung von Projekten“. Philipp Jung wurde mit dem zweiten Preis in Höhe von 1.000 Euro für seine Bachelorarbeit „Open Innovation zur Modifikation des Target-Costing-Ansatzes bei Radikalinnovationen“ ausgezeichnet.
 
Die Nobelpreise für Wirtschaftswissenschaften 2002 an Daniel Kahneman und 2017 an Richard Thaler verdeutlichen, dass verhaltensorientierte Ansätze in der Betriebswirtschaftslehre längst etabliert sind. Umso mehr erstaunt, dass diese Durchdringung im praxisrelevanten Bereich des Projektmanagements nicht im gleichen Maße vorhanden ist. Zwar werden durchaus Ansätze diskutiert, die generell zum Scheitern von Projekten oder dem Verfehlen von Projektzielen führen und dafür Steuerungsmaßnahmen vorgeschlagen. Bei der Bewertung von Handlungsflexibilitäten im Projektablauf dominiert aber die „Realoptionsbewertung“. Sie basiert auf den Annahmen klassischer Entscheidungstheorie und geht von rationalem Entscheidungsverhalten und einer unverzerrten, nur durch „reine“ Zukunftsunsicherheit geprägten Informationsgrundlage von Entscheidungen aus. Empirisch sind jedoch verhaltensorientierte Verzerrungen gesichert. Daher könnten Handlungsflexibilitäten in klassischer Realoptionsbewertung überbewertet sein, so dass an nicht erfolgreichen Projekten irrational länger festgehalten und die Handlungsflexibilität durch einen Projektabbruch gerade nicht genutzt wird. Das Projektmanagement hat daher solche Verhaltenswirkungen zu antizipieren, um passend steuern zu können. Marius Wittke nimmt sich diesem Gebiet methodenfokussiert auf hervorragende Weise an. Dabei integriert er nicht nur individuelle Verhaltenswirkungen, sondern auch Gruppeneffekte in seine Analyse und liefert so einen innovativen und gleichsam praxisrelevanten Beitrag zum Projektmanagement, der zahlreiche Projektanomalien der Praxis erklärt und mögliche Maßnahmen zum Gegensteuern aufzeigt.

Philipp Jung entwickelt in seiner prämierten Bachelorarbeit einen modifizierten Target-Costing-Ansatz (Zielkostenrechnung), der speziell bei der Entwicklung von Radikalinnovationen zum Einsatz kommen kann. Innovatoren soll eine Möglichkeit geboten werden, die Vorteile des Target Costing auch bei der Entwicklung von Radikalinnovationen nutzen zu können, um besser vor Konkurrenten mit imitierenden Produkten geschützt zu sein. Bisher wurde die Anwendung des Target Costing bei Radikalinnovationen vor allem aufgrund fehlender marktbezogener Zielpreise und fehlender Präferenzstabilität abgelehnt. Diesen Problemen wird mit „Open Innovation“ begegnet, womit unter anderem eine konsequente Öffnung des Innovationsprozesses, eine Ausrichtung des Produktentwicklungsprozesses an den zukünftigen und aktuellen Bedürfnissen sowie Trends der Konsumenten und die Einbindung externen Wissens gemeint ist. Durch kollektive Ideenbewertung, die Anwendung einer modifizierten Lead-User-Methode sowie die durchgehende Einbindung von Open Innovation Communities wird der Orientierung des Target Costing an den Kundenpräferenzen umfassend Rechnung getragen. Die Zielpreisbestimmung erfolgt marktorientiert durch das vor allem bei Radikalinnovationen zur Preiserhebung geeignete Price Sensitivity Meter. Ergänzt wird der Ansatz durch eine fortlaufende Kontrollmöglichkeit und Risikoberücksichtigung, welche motivationsschädliche Anpassungen des Zielpreises einerseits und die Gefahr eines zu hoch angesetzten Zielpreises andererseits mit einer Zielkostenreserve abwägt. Die notwendige Präferenzstabilisierung erfolgt unter Einbindung von Open Innovation Communities mit mentalen Simulationen und virtuellen Prototypen, die als Toolkit ausgestaltet sein können. Philipp Jung überzeugte die Jury durch die Zusammenführung bestehender Modellkonzeptionen zu einem neuen Anwendungskontext und durch sein problemorientiertes sowie stringentes Vorgehen.  

Informationen zum Exzellenznetzwerk Controlling Talents unter:
http://www.controlling.uni-saarland.de/talents   
 
Kontakt:
Universität des Saarlandes, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Controlling
Prof. Dr. Alexander Baumeister
Tel.: 0681 302-2110
Internet: www.controlling.uni-saarland.de