Montag, 20. Mai 2019

Vortrag: „'Lachen trotz Tod und Teufel' mit einer Operette im Frauen-KZ Ravensbrück"

Literaturwissenschaftliche Ringvorlesung "Narren, Clowns, Spaßmacher", um 19 Uhr im Rathausfestsaal

Die Saarbrücker literaturwissenschaftliche Ringvorlesung „Narren, Clowns, Spaßmacher“ lädt Besucherinnen und Besucher in diesem Sommersemester dazu ein, den Darstellungen und Wandlungen des Närrischen und Clownesken in der Literatur vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu folgen. Die öffentlichen Vorträge finden immer montags um 19 Uhr im Festsaal des Rathauses Sankt Johann statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

20. Mai 2019
Vortrag: „Lachen trotz Tod und Teufel“ mit einer Operette im Frauen-KZ Ravensbrück
Referentin: Professorin Dr. Mechthild Gilzmer (Romanische Kulturwissenschaft)


Mit der im KZ-Lager Ravensbrück entstandenen Operette „Le Verfügbar aux Enfers“, die von der französischen Ethnologin und Widerstandskämpferin Germaine Tillion 1944 aufgezeichnet wurde, haben wir es mit einem in vielerlei Hinsicht einzigartigen künstlerischen Werk und historischen Zeugnis zu tun. Es handelt sich um eine Mischung aus kabarettistischer Revue und griechischer Tragödie, mit zahlreichen intertextuellen und intermedialen Bezügen. Der rote Faden besteht in der wissenschaftlichen Erforschung der Häftlinge durch einen Naturforscher, der clowneske Züge trägt. In einer Reihe von formal sehr unterschiedlichen Szenen werden die verschiedenen Aspekte des Lagerlebens, die Voraussetzungen, Bedingungen und Umstände der Internierung in insgesamt drei Akten entfaltet, denen ein lyrischer Prolog vorangeht. Bereits in diesem Prolog entfaltet sich die Doppelbödigkeit von der die Operette ihre Wirkung bezieht: Der Gegensatz zwischen vorgegeben naiver Beobachterposition einerseits und äußerst brutaler Realität andererseits. Der mit dem Titel evozierte Bezug zur Operette „Orpheus in der Unterwelt“ verweist auf die dem Werk eigene karnevaleske Strategie in der „Schickliches“ mit „Unschicklichem“ verknüpft wird.


Bei der Ringvorlesung stellen die Referentinnen und Referenten der Universität des Saarlandes in insgesamt 13 Vorträgen unterschiedliche Narren-Typen und -Traditionen verschiedener literarischer Epochen, Kulturräume und Genres vor – von Narren in der höfischen Kultur des Mittelalters über Spaßmacher in der deutschsprachigen Lyrik bis hin zu närrischen Figuren in Moderne und Gegenwart, etwa bei Daniel Kehlmann oder Michael Köhlmeier. Neben Till Eulenspiegel werden der Harlekin in Komödien des französischen Aufklärers Pierre Carlet de Marivaux, die Helden des spanischen Schelmenromans, die Spaßmacher des Wiener Volkstheaters und die in ihr negatives Gegenteil verkehrten Horror-Clowns beleuchtet. Personen, die „um Christi willen“ als Narren auftreten und in der russischen Tradition eine besondere Rolle spielen, werden ebenso betrachtet wie die Entwicklung der Figur bei Joseph von Eichendorff oder Heinrich Heine. Nicht zuletzt untersuchen Vorträge komisch-provozierende Perspektiven auf die Shoah sowie eine Operette, die im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück entstanden ist.

Detailliertes Programm: https://literaturarchiv.uni-saarland.de/ringvorlesung/

Veranstalter der Saarbrücker literaturwissenschaftlichen Ringvorlesungen sind Dr. Katharina Meiser und Professor Sikander Singh von der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit Christel Drawer, Abteilungsleiterin für Film und Wissenschaft im Kulturamt der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Die Vorträge dauern in der Regel eine Stunde. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.

Kontakt:
Dr. Katharina Meiser
Fachrichtung Germanistik, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-4511
E-Mail: k.meiser@mx.uni-saarland.de

Professor Dr. Sikander Singh
Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-3327
E-Mail: s.singh@sulb.uni-saarland.de