Montag, 17. Juni 2019

Vortrag: „'Am End weiß keiner nix': Spaßmacher des Wiener Volkstheaters zwischen Komik und Philosophie"

Literaturwissenschaftliche Ringvorlesung "Narren, Clowns, Spaßmacher", um 19 Uhr im Rathausfestsaal

Die Saarbrücker literaturwissenschaftliche Ringvorlesung „Narren, Clowns, Spaßmacher“ lädt Besucherinnen und Besucher in diesem Sommersemester dazu ein, den Darstellungen und Wandlungen des Närrischen und Clownesken in der Literatur vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu folgen. Die öffentlichen Vorträge finden immer montags um 19 Uhr im Festsaal des Rathauses Sankt Johann statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

17. Juni 2019
Vortrag: „'Am End weiß keiner nix': Spaßmacher des Wiener Volkstheaters zwischen Komik und Philosophie"
Referent: Professor Dr. Sascha Kiefer (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)


Wegen ihrer „Zotenhaftigkeit“ sollte die ‚lustige Person‘ im Zeitalter der Aufklärung von der Bühne verbannt werden – auch in Wien, wo sie besonders beliebt war. Überlebt haben Hanswurst & Co. um den Preis geschickter Anpassung: Aus drastischen Störenfrieden mit einer Vorliebe für Fäkal- und Sexualkomik wurden bürgerlich gezähmte Spaßmacher.

In die Reihe dieser reformierten Hanswursts gehören der bald auch im Puppentheater populäre Kasperl genauso wie der Papageno aus der „Zauberflöte“ oder der von Adolf Bäuerle geprägte Parapluiemacher Staberl. Ihren Höhepunkt erreicht die Sublimierung des Hanswurst schließlich bei Ferdinand Raimund: In dessen letztem Stück „Der Verschwender“ legt der Diener und Tischler Valentin geradezu philosophische Qualitäten an den Tag, wie etwa im berühmten „Hobellied“.
Der Vortrag verdeutlicht diesen Entwicklungsprozess der Wiener ‚lustigen Person‘ an anschaulichen Beispielen.


Bei der Ringvorlesung stellen die Referentinnen und Referenten der Universität des Saarlandes in insgesamt 13 Vorträgen unterschiedliche Narren-Typen und -Traditionen verschiedener literarischer Epochen, Kulturräume und Genres vor – von Narren in der höfischen Kultur des Mittelalters über Spaßmacher in der deutschsprachigen Lyrik bis hin zu närrischen Figuren in Moderne und Gegenwart, etwa bei Daniel Kehlmann oder Michael Köhlmeier. Neben Till Eulenspiegel werden der Harlekin in Komödien des französischen Aufklärers Pierre Carlet de Marivaux, die Helden des spanischen Schelmenromans, die Spaßmacher des Wiener Volkstheaters und die in ihr negatives Gegenteil verkehrten Horror-Clowns beleuchtet. Personen, die „um Christi willen“ als Narren auftreten und in der russischen Tradition eine besondere Rolle spielen, werden ebenso betrachtet wie die Entwicklung der Figur bei Joseph von Eichendorff oder Heinrich Heine. Nicht zuletzt untersuchen Vorträge komisch-provozierende Perspektiven auf die Shoah sowie eine Operette, die im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück entstanden ist.

Detailliertes Programm: https://literaturarchiv.uni-saarland.de/ringvorlesung/

Veranstalter der Saarbrücker literaturwissenschaftlichen Ringvorlesungen sind Dr. Katharina Meiser und Professor Sikander Singh von der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit Christel Drawer, Abteilungsleiterin für Film und Wissenschaft im Kulturamt der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Die Vorträge dauern in der Regel eine Stunde. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.

Kontakt:
Dr. Katharina Meiser
Fachrichtung Germanistik, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-4511
E-Mail: k.meiser@mx.uni-saarland.de

Professor Dr. Sikander Singh
Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-3327
E-Mail: s.singh@sulb.uni-saarland.de