Montag, 24. Juni 2019

Vortrag: "Die Narrenfigur im postmodernen Roman"

Literaturwissenschaftliche Ringvorlesung "Narren, Clowns, Spaßmacher", um 19 Uhr im Rathausfestsaal

Die Saarbrücker literaturwissenschaftliche Ringvorlesung „Narren, Clowns, Spaßmacher“ lädt Besucherinnen und Besucher in diesem Sommersemester dazu ein, den Darstellungen und Wandlungen des Närrischen und Clownesken in der Literatur vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu folgen. Die öffentlichen Vorträge finden immer montags um 19 Uhr im Festsaal des Rathauses Sankt Johann statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.


24. Juni 2019
Vortrag: Die Narrenfigur im postmodernen Roman (Umberto Eco „Baudolino“, Thomas Pynchon „Vineland“, Daniel Kehlmann „Tyll“)
Referent: Dr. Hermann Gätje (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)


Auch wenn die Definition der Postmoderne umstritten und unscharf ist, herrscht weitgehend Übereinstimmung, dass Ironie, Spiel und Maskerade konstituierende Merkmale der durch sie inspirierten Literatur sind. Diese Eigenschaften legen eine Affinität zur Figur des Clowns und Spaßmachers nahe. Die Vorlesung will entsprechende strukturelle Beziehungen am Beispiel dreier ausgewiesen postmoderner Romane, in denen literarische Narren- beziehungsweise Schelmenfiguren eine exponierte Rolle spielen, exemplarisch untersuchen und herausarbeiten. Während Ecos „Baudolino“ (2000) und Kehlmanns „Tyll“ (2017) ihre Helden vor dem Hintergrund des ebenfalls für die Epoche charakteristischen historischen Romans gestalten, nimmt Pynchon in „Vineland“ (1990) mit den skurrilen Späßen seines Protagonisten, des Althippies Zoyd Wheeler, die Jahre unter dem Präsidenten Ronald Reagan in den USA aufs Korn.


Bei der Ringvorlesung stellen die Referentinnen und Referenten der Universität des Saarlandes in insgesamt 13 Vorträgen unterschiedliche Narren-Typen und -Traditionen verschiedener literarischer Epochen, Kulturräume und Genres vor – von Narren in der höfischen Kultur des Mittelalters über Spaßmacher in der deutschsprachigen Lyrik bis hin zu närrischen Figuren in Moderne und Gegenwart, etwa bei Daniel Kehlmann oder Michael Köhlmeier. Neben Till Eulenspiegel werden der Harlekin in Komödien des französischen Aufklärers Pierre Carlet de Marivaux, die Helden des spanischen Schelmenromans, die Spaßmacher des Wiener Volkstheaters und die in ihr negatives Gegenteil verkehrten Horror-Clowns beleuchtet. Personen, die „um Christi willen“ als Narren auftreten und in der russischen Tradition eine besondere Rolle spielen, werden ebenso betrachtet wie die Entwicklung der Figur bei Joseph von Eichendorff oder Heinrich Heine. Nicht zuletzt untersuchen Vorträge komisch-provozierende Perspektiven auf die Shoah sowie eine Operette, die im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück entstanden ist.

Detailliertes Programm: https://literaturarchiv.uni-saarland.de/ringvorlesung/

Veranstalter der Saarbrücker literaturwissenschaftlichen Ringvorlesungen sind Dr. Katharina Meiser und Professor Sikander Singh von der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit Christel Drawer, Abteilungsleiterin für Film und Wissenschaft im Kulturamt der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Die Vorträge dauern in der Regel eine Stunde. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.

Kontakt:
Dr. Katharina Meiser
Fachrichtung Germanistik, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-4511
E-Mail: k.meiser@mx.uni-saarland.de

Professor Dr. Sikander Singh
Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-3327
E-Mail: s.singh@sulb.uni-saarland.de