Montag, 01. Juli 2019

Vortrag: „'Nicht wird er froh seines Lebens, der Spaßmacher.' Von Narren und Spaßmachern in der deutschsprachigen Lyrik"

Literaturwissenschaftliche Ringvorlesung "Narren, Clowns, Spaßmacher", um 19 Uhr im Rathausfestsaal

Die Saarbrücker literaturwissenschaftliche Ringvorlesung „Narren, Clowns, Spaßmacher“ lädt Besucherinnen und Besucher in diesem Sommersemester dazu ein, den Darstellungen und Wandlungen des Närrischen und Clownesken in der Literatur vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu folgen. Die öffentlichen Vorträge finden immer montags um 19 Uhr im Festsaal des Rathauses Sankt Johann statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

1. Juli 2019
„Nicht wird er froh seines Lebens, der Spaßmacher.“ Von Narren und Spaßmachern in der deutschsprachigen Lyrik
Dr. Stephanie Blum (Neuere deutsche Philologie und Literaturwissenschaft)


Nicht nur in dramatischen und erzählenden Texten, sondern auch in der Lyrik tauchen immer wieder Narren, Clowns und Spaßmacher auf. Im Gedicht werden diese einerseits konkret als Personen oder Handelnde beschrieben, andererseits werden sie auf metaphorischer Ebene zu Symbolen und Sinnbildern einer bestimmten Haltung zur Welt. Sie verkörpern beispielsweise die Lächerlichkeit des menschlichen Daseins, das Subversive des gesellschaftlichen Außenseitertums oder die Tragik der Maske und des Nicht-ernst-genommen-Werdens. Spaßmacher in der Lyrik treten also nicht zwangsläufig nur in ‚komischen‘ Gedichten auf.

Nicht selten dienen Figurationen des Narren oder Clowns auch als Mittel der poetologischen Selbstreflexion, wenn das Narrentum zur Verortung des Ichs und seines lyrischen Sprechens genutzt wird. Hier bieten das Spiel, die Akrobatik und die Musikalität der Spaßmacher vielfältige Anknüpfungspunkte, die auf das dichterische Selbstverständnis übertragen werden können – häufig mit einem selbstironischen Gestus.
Der Vortrag widmet sich Spaßmachern in der deutschsprachigen Lyrik und präsentiert exemplarische Gedichtinterpretationen, etwa zu Texten von Robert Gernhardt und Peter Rühmkorf. Darüber hinaus soll auch ein Blick auf die lyrische Tradition erfolgen.


Bei der Ringvorlesung stellen die Referentinnen und Referenten der Universität des Saarlandes in insgesamt 13 Vorträgen unterschiedliche Narren-Typen und -Traditionen verschiedener literarischer Epochen, Kulturräume und Genres vor – von Narren in der höfischen Kultur des Mittelalters über Spaßmacher in der deutschsprachigen Lyrik bis hin zu närrischen Figuren in Moderne und Gegenwart, etwa bei Daniel Kehlmann oder Michael Köhlmeier. Neben Till Eulenspiegel werden der Harlekin in Komödien des französischen Aufklärers Pierre Carlet de Marivaux, die Helden des spanischen Schelmenromans, die Spaßmacher des Wiener Volkstheaters und die in ihr negatives Gegenteil verkehrten Horror-Clowns beleuchtet. Personen, die „um Christi willen“ als Narren auftreten und in der russischen Tradition eine besondere Rolle spielen, werden ebenso betrachtet wie die Entwicklung der Figur bei Joseph von Eichendorff oder Heinrich Heine. Nicht zuletzt untersuchen Vorträge komisch-provozierende Perspektiven auf die Shoah sowie eine Operette, die im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück entstanden ist.

Detailliertes Programm: https://literaturarchiv.uni-saarland.de/ringvorlesung/

Veranstalter der Saarbrücker literaturwissenschaftlichen Ringvorlesungen sind Dr. Katharina Meiser und Professor Sikander Singh von der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit Christel Drawer, Abteilungsleiterin für Film und Wissenschaft im Kulturamt der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Die Vorträge dauern in der Regel eine Stunde. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.

Kontakt:
Dr. Katharina Meiser
Fachrichtung Germanistik, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-4511
E-Mail: k.meiser@mx.uni-saarland.de

Professor Dr. Sikander Singh
Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-3327
E-Mail: s.singh@sulb.uni-saarland.de