Montag, 15. Juli 2019

Vortrag: "Figurationen des Närrischen zwischen Romantik und Realismus"

Literaturwissenschaftliche Ringvorlesung "Narren, Clowns, Spaßmacher", um 19 Uhr im Rathausfestsaal

Die Saarbrücker literaturwissenschaftliche Ringvorlesung „Narren, Clowns, Spaßmacher“ lädt Besucherinnen und Besucher in diesem Sommersemester dazu ein, den Darstellungen und Wandlungen des Närrischen und Clownesken in der Literatur vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu folgen. Die öffentlichen Vorträge finden immer montags um 19 Uhr im Festsaal des Rathauses Sankt Johann statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

15. Juli 2019
Vortrag: "Figurationen des Närrischen zwischen Romantik und Realismus (Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine, Adalbert Stifter)"
Referent: Professor Dr. Sikander Singh (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)


Die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts, die sich im Spannungsfeld romantischer und realistischer Kunstanschauung entwickelte, hat eine Vielzahl von Narren bzw. närrischen Figuren hervorgebracht. Während die Figur des Taugenichts zu einem weit über seine Epoche wirkungsmächtigen  Sinnbild für die Kultur- und Zivilisationskritik sowie die antibürgerlich-eskapistischen Tendenzen der Werke des schlesischen Freiherrn Joseph von Eichendorff (1788 bis 1857) gelesen werden kann, rekurrieren die politischen Dichtungen und Schriften Heinrich Heines (1797 bis 1856) auf die Tradition der Hofnarren: Die Aufgabe des Schriftstellers ist – in der Nachfolge seiner mittelalterlichen Vorbilder – nicht die Unterhaltung oder Belustigung des (Lese-)Publikums sondern dessen Provokation und Irritation. Adalbert Stifter (1805 bis 1868) blickt demgegenüber auf das Menschenbild des deutschen Idealismus und befragt in der Figur des Narren das Verhältnis des modernen Individuums zu historisch-kulturellen Traditionen und Wertvorstellungen.

Der Vortrag untersucht die Entwicklung des Narren zwischen Romantik und Realismus, eröffnet Interpretationszugänge zu einzelnen Werken und leistet zugleich einen Beitrag zum Verständnis der Figur und ihrer Funktion in der beginnenden Moderne.


Bei der Ringvorlesung stellen die Referentinnen und Referenten der Universität des Saarlandes in insgesamt 13 Vorträgen unterschiedliche Narren-Typen und -Traditionen verschiedener literarischer Epochen, Kulturräume und Genres vor – von Narren in der höfischen Kultur des Mittelalters über Spaßmacher in der deutschsprachigen Lyrik bis hin zu närrischen Figuren in Moderne und Gegenwart, etwa bei Daniel Kehlmann oder Michael Köhlmeier. Neben Till Eulenspiegel werden der Harlekin in Komödien des französischen Aufklärers Pierre Carlet de Marivaux, die Helden des spanischen Schelmenromans, die Spaßmacher des Wiener Volkstheaters und die in ihr negatives Gegenteil verkehrten Horror-Clowns beleuchtet. Personen, die „um Christi willen“ als Narren auftreten und in der russischen Tradition eine besondere Rolle spielen, werden ebenso betrachtet wie die Entwicklung der Figur bei Joseph von Eichendorff oder Heinrich Heine. Nicht zuletzt untersuchen Vorträge komisch-provozierende Perspektiven auf die Shoah sowie eine Operette, die im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück entstanden ist.

Detailliertes Programm: https://literaturarchiv.uni-saarland.de/ringvorlesung/

Veranstalter der Saarbrücker literaturwissenschaftlichen Ringvorlesungen sind Dr. Katharina Meiser und Professor Sikander Singh von der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit Christel Drawer, Abteilungsleiterin für Film und Wissenschaft im Kulturamt der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Die Vorträge dauern in der Regel eine Stunde. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.

Kontakt:
Dr. Katharina Meiser
Fachrichtung Germanistik, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-4511
E-Mail: k.meiser@mx.uni-saarland.de

Professor Dr. Sikander Singh
Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302-3327
E-Mail: s.singh@sulb.uni-saarland.de