Dienstag, 02. April 2019

Im Kampf gegen Alzheimer: Saarbrücker Bioinformatiker forscht ein Jahr an US-Top-Universität Stanford

Professor Andreas Keller vom Zentrum für Bioinformatik an der Saar-Uni leitet für ein Jahr ein Forschungsprojekt an der US-amerikanischen Eliteuniversität Stanford im Silicon Valley. Ziel ist, auf Einzelzellebene besser zu verstehen, wie Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson im menschlichen Körper entstehen. Dadurch sollen solche Volkskrankheiten früher erkannt und neue Therapien gefunden werden. Der Aufenthalt wird von der Schaller-Nikolich Stiftung in Heidelberg mit einer Millionen US-Dollar finanziert.

In Deutschland leben gegenwärtig fast 1,6 Millionen Demenzkranke; die meisten unter ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Fast alle Betroffenen (98 Prozent) sind über 65 Jahre alt. Laut Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. wird sich die Krankenzahl weiter erhöhen, wenn kein Durchbruch in Therapie und Prävention gelingt. Genau daran arbeitet Professor Andreas Keller, bisher an der Universität des Saarlandes am Zentrum für Bioinformatik und ab April an der renommierten US-amerikanischen „Stanford University“ mitten im Silicon Valley.

In Stanford wird Keller am Wu Tsai Neurosciences Institute eine eigene Forschungsgruppe leiten. Dort wird er unter anderem mit Professor Tony Wyss-Coray zusammenarbeiten. Der gebürtige Schweizer ist einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Altersforschung. Im Blut junger Menschen sucht er nach Wirkstoffen, die sie langsamer altern lassen. Die aussichtsreichsten Blutproben will Wyss-Coray zur Grundlage von neuen Medikamenten gegen Alzheimer machen. Wyss-Coray vertritt die These, dass „single-cell RNA sequencing“, das Entschlüsseln molekularen Vorgänge in einzelnen Zellen, immer wichtiger wird, um das Altern zu verstehen und neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson zu bekämpfen. Dabei setzt er auch auf Bioinformatik. „Diese Disziplin wird bei der Aufbereitung und Auswertung der hunderttausenden Profile von Einzelzellen eine wichtige Rolle spielen und wir sind froh über zusätzliche Kompetenz auf diesem Gebiet“, erklärt Professor Tony Wyss-Coray.

Der Ansatz von Kellers Arbeitsgruppe besteht darin, im Blut vorkommende Moleküle, so genannte Biomarker, zu nutzen, um Demenzkrankheiten möglichst früh zu erkennen.  „Gut geeignet dafür sind beispielsweise genetische Schalter wie microRNAs“, sagt Keller, „das sind kurze Abschnitte spezifischer Moleküle, die bei der Steuerung der Gene und der Produktion von Proteinen eine wichtige Rolle spielen.“ Dass er deren Geheimnisse in Zusammenhang mit der Entstehung von neurodegenerativen Krankheiten nun womöglich als Saarbrücker Informatik-Professor in Stanford knackt, ist für ihn kein Widerspruch: „Es ist wichtig, international vernetzt zu sein, gerade mit Top-Universitäten wie Stanford. Das Wissen, das ich hier sammele, kommt auch der Universität des Saarlandes zu Gute. „Außerdem erwarte ich, in Stanford von den neuesten Erkenntnissen auf dem Gebiet der Demenzforschung zu profitieren und Einblicke zu erhalten, wie Wissenschaft erfolgreich an einer solchen Top-Universität vorangetrieben wird“, erklärt Professor Keller.

Der Aufenthalt seiner Arbeitsgruppe wird von der Schaller-Nikolich Stiftung in Heidelberg mit einer Millionen US-Dollar finanziert. „Wir unterstützen damit ausgewiesene Forscher aus Deutschland darin, ihre Forschung an einer der renommiertesten Universitäten der Welt weiterführen zu können“, erklärt Karoly Nikolich, Vorsitzender und Mit-Namensgeber der Stiftung. 

 

Weitere Informationen:

Zentrum für Bioinformatik in Saarbrücken
https://www.zbi.uni-saarland.de/

Wu Tsai Neurosciences Institute
https://neuroscience.stanford.edu/

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Andreas Keller
Lehrstuhl für Klinische Bioinformatik
Tel. 0681 302 68611
Mail: andreas.keller(at)ccb.uni-saarland.de