8. Regionalforum Saar - 30.01.2018

Prof. Dr.-Ing. Michael Pohl

Titel: Kathodische Spannungsrisskorrosion: Was habe ich damit zu tun?

Abstract: Schäden durch kathodische Spannungsrisskorrosion sind allgegenwärtig. Dabei nehmen hochfeste Bauteile Wasserstoff auf, der schon bei geringster Korrosion durch die kathodische Teilreaktion in ausreichendem Maße atomar entsteht. Im Metallgitter reichert sich der kleine Unhold systemimmanent ausgerechnet in den Bauteilgebieten an, wo das Metallgitter ohnehin unter höchster Spannung steht und ihn in den expandierten Zwischengitterplätzen zum Verweilen einlädt. Wird bei gegebener Spannung (Eigen- und Betriebsspannungen) die Kohäsion der Metallatome durch genügend eingelagerte Wasserstoffatome geschwächt, kommt es zur spontanen Werkstofftrennung, oft mit katastrophalen Folgen.

Wegen der für die Wasserstoffanreicherung diffusionsbedingt erforderlichen Zeit spricht man von "verzögerter Rissbildung", die Minuten, aber auch Monate dauern kann. Bemerkenswert ist, dass bereits geringe anodische Korrosion, häufig kaum als Rostbildung sichtbar, imstande ist, die für diese wasserstoffinduzierte Rissbildung erforderliche Wasserstoffmenge zu produzieren.Setzt die Korrosion erst nach längerem Bauteilleben ein, kann dies eine weitere Verzögerung des Schadenszeitpunktes bedeuten.

Es werden Schadensbeispiele aus verschiedenen Bereichen der Technik und des privaten Lebens z. T. mit katastrophalen Folgen gezeigt.

Lebenslauf: Prof. Dr.-Ing. Michael Pohl studierte Eisenhüttenkunde an der RWTH Aachen. Nach Abschluss des Studiums als Dipl.-Ing. war er von 1970 bis 1985 wissenschaftlicher Mitarbeiter und stellvertretender Leiter am Gemeinschaftslabor für Elektronenmikroskopie. 1977 wurde er über Elektronenmikroskopische Untersuchungen zum Ausscheidungsverhalten unstabilisierter vollaustenitischer CrNi-Stähle im Temperaturbereich von 500 bis 800°C zum Dr.-Ing. promoviert. Im Jahr 1985 wechselte Pohl an die Ruhr-Universität Bochum und war dort am Institut für Werkstoffe bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2011 Lehrstuhlinhaber für Werkstoffprüfung. Außerdem gehörte er 14 Jahre dem Senat an, zwischenzeitlich als dessen Vorsitzender. Herr Prof. Pohl ist in zahlreichen Fachverbänden rund um Materialforschung und –prüfung sowie Fachzeitschriften, Seminaren und Tagungen, im Besonderen im Bereich Werkstoffprüfung, aktiv. Er ist mehrfach mit nationalen und internationalen Ehrungen ausgezeichnet worden.

Dr.-Ing. Sylvia Hartmann

Titel: Schadensanalyse im Alltag eines Industrieunternehmens

Abstract: Bei dem Wort „Schadensanalyse“ erinnert man sich vielleicht an Schäden, die dramatische Folgen hatten, wie z.B. das ICE-Unglück von Eschede 1998. Mittels Schadensanalyse konnte die Ursache geklärt werden. Eine extrem wichtige Voraussetzung, um zu verhindern, dass sich solche schrecklichen Ereignisse wiederholen. Aber wenn wir uns genau umsehen, finden wir „Schadensanalyse“ überall in unserem Umfeld, ob in der Autowerkstatt oder im Haushalt und natürlich insbesondere in unserem Berufsalltag. Die Schadensanalyse hilft uns, die Ursache von Problemen, Fehlern und Ausfällen zu verstehen, sie zu beheben und diese zukünftig zu vermeiden. Sie kann auch präventiv im Bereich der Produktentwicklung eingesetzt werden. So trägt sie in kleinen Schritten zur stetigen Verbesserung von Produkten und Prozessen im industriellen Tagesgeschäft bei. Wo und wie dieses Verfahren im Arbeitsalltag eingesetzt wird und worauf man als Auftraggeber einer solchen achten muss, wird anhand von Beispielen erläutert. 

Lebenslauf: Dr.-Ing. Sylvia Hartmann studierte Werkstoffwissenschaften an der Universität des Saarlandes und promovierte 1994 mit summa cum laude zum Thema „Thermoelastische Eigenspannungen in weißem Gusseisen“. Als Postdoktorandin am Lehrstuhl für „Thermodynamik und Strukturforschung“ der Universität des Saarlandes und am „Fraunhofer Institut für zerstörungsfreie Prüfverfahren“ beschäftigte sie sich mit der theoretischen und experimentellen Bestimmung von Eigenspannungen mit Hilfe zerstörungsfreier Prüfmethoden. Als Forschungsstipendiatin der „Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)“ am Lehrstuhl „Funktionswerkstoffe“ arbeitete sie auf dem Gebiet der Gradientenwerkstoffe. 1998 wechselte sie zur Eberspächer Exhaust Technology GmbH & Co.KG und ist dort heute für die global agierende Abteilung Technische Analyse verantwortlich.

Ihr heutiges Arbeitsgebiet umfasst u.a. das Hochtemperatur- und Korrosionsverhalten nichtrostender Stähle, den Einsatz neuer Materialien in der Abgastechnik sowie die Schadensanalytik. In den letzten Jahren betreute sie über 30 Diplom- und Bachelorthesen, stellte auf verschiedenen nationalen und internationalen Tagungen wesentliche Themen ihres Arbeitsgebietes vor und hat erfolgreich 2 Patente eingereicht. Zusammen mit führenden Herstellern und Zulieferern der Automobilindustrie ist sie im Verband der Automobilindustrie e.V. (VDA) aktiv. Im Bereich Oberflächentechnik leitet sie aktuell die Arbeitsgruppe „Korrosion abgasberührter Oberflächen“. 

Seit Januar 2017 hat sie den Vorsitz des DGM Regionalforums Saar inne.

 

 

Kontakt: 

organisation(at)regionalforum-saar.de
Tel. +49 681 302 70515

Organisation: 

Dr.-Ing. Sylvia Hartmann (Vorsitzende),
Prof. Dr. mont. Christian Motz,
Prof. Dr.-Ing. Frank Mücklich,
Dr.-Ing. Domnin Gelmedin,
Martin Wagner,
Dipl.-Ing. Sebastian Slawik

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