Mensch-Tier-Beziehungen in den frankophonen Kulturen, Literaturen und Medien

Sektionsleitung: Jun.-Prof. Dr. Christoph Vatter (Saabrücken), Mag. Dr. Doris Eibl (Innsbruck), MMag. DDr. Julia Pröll (Innsbruck)

Sektionsbeschreibung

L'identité de l'homme comme celle de l'animal s'éclairent de leur mutuelle confrontation. (Dominique Lestel, L'animalité)

"Deux mammifères devant un crustacé." Diese Szene aus Michel Houellebecqs Roman Plateforme, die Besucher eines Fischrestaurants beschreibt und auf ironische Weise die Gleichartigkeit und Gleichrangigkeit von Menschen und Tieren nahelegt, erscheint symptomatisch für eine seit den 1990er Jahren zunehmende transdisziplinäre wissenschaftliche Beschäftigung mit Mensch-Tier-Beziehungen. Ausgehend von den interdisziplinären Human-Animal-Studies angloamerikanischer Provenienz (cf. Shapiro 2008), zeigt sich in den letzten fünfzehn Jahren auch in Europa ein verstärktes Interesse an dieser Thematik, die gerade auch von den Kultur- und Geisteswissenschaften rezipiert wird (cf. z.B. Spannring/Schachinger/Kompatscher/Boucabeille 2015). Den frankophonen Raum betreffend sind dabei neben dem von Anne Simon initiierten Forschungsprojekt Animots (http://animots.hypotheses. org/) vor allem die dem Thema "Humain/Animal (Part 1 & 2)" gewidmeten Nummern der Contemporary French and Francophone Studies aus dem Jahr 2012 (16,4+5) zu erwähnen, die Beiträge des Twentieth- Twenty-First Century French and Francophone Studies International Colloquium versammeln, das 2011 in San Francisco abgehalten wurde.

Da die Impulse für dieses Forschungsfeld, wie der Blick auf den aktuellen Diskussionsstand gezeigt hat, nach wie vor aus dem angloamerikanischen Raum ausgehen und außerdem das Schwergewicht bisheriger Studien eher auf der Darstellung von Tieren in der Literatur zu liegen scheint, möchte die vorgeschlagene Sektion gerade Mensch-Tier-Beziehungen aus inter-disziplinärer, frankoromanistischer Perspektive in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen.

Neben einer Bestandsaufnahme des Diskurses über Mensch-Tier-Beziehungen in den frankophonen Kulturen sollen auch philosophische Traditionslinien verfolgt werden. Dazu gehört beispielsweise Gilles Deleuzes' Konzept eines devenir animal ebenso wie Franz-Olivier Giesberts Manifeste pour les animaux (2014). Diese Diskurse werden auch in Medien und Literatur aufgegriffen, wie beispielsweise neuere Romane (Marie Darrieussecq Truismes (1996), Alain Mabanckou Mémoires de porc-épic (2007) und Wajdi Mouawad Anima (2014)) zeigen. Der Fokus soll dabei nicht auf einer ethisch motivierten Frage nach 'Tierrechten', etc. im Sinne der Critical Animal Studies liegen, sondern vielmehr die vielfältigen Thematisierungen und Darstellungsweisen der nach wie vor stark anthropozentrisch geprägten Beziehungen zwischen Menschen und Tieren in den frankophonen Kulturen diskutieren.

Die Sektionsarbeit könnte sich an folgenden Achsen orientieren:

Mensch-Tier-Beziehungen in Literatur und Medien:

− Thematische Ausformungen von Mensch-Tier-Beziehungen (auch aus einer diachronen Perspektive)
− Tiere als menschliche Protagonisten, Menschen als Tiere und 'Bestien'
− Gattungsspezifische Aspekte der Darstellung von Mensch-Tier-Beziehungen (vor allem auch unter Einbeziehung populärkultureller Formen)
− Analyse der Gründe und Bedingungen, die zur Grenzziehung zwischen Menschen und Tieren sowie zur Verschiebung dieser Grenzen führen; Analyse der zur Ziehung dieser Grenzen bzw. zu deren Verschiebung eingesetzten (ästhetischen) Mittel
− Literatur als Experimentierfeld zur Verschiebung der Grenzen zwischen 'Mensch' und 'Tier'
− Tier(isches) als poetologisches Paradigma bzw. Prinzip einer minoritären Ästhetik; ästhetische Strategien in 'Tier-Texten'
− ...

Mensch-Tier-Beziehungen in gesellschaftlichen und medialen Diskursen:

− Kulturspezifische Ausprägungen der Debatte um den Umgang mit Tieren und den Umgang mit Mensch-Tier-Beziehungen
− Wechselseitige 'Kontaminationen' von Menschen- und Tierbildern, Vermenschlichung von Tieren und vice versa
− Positionen wie Vegetarismus oder Veganismus und ihre (verändernde) Wirkung auf gesellschaftliche Perspektiven auf Ernährung und Gesundheit in den frankophonen Kulturen
− Rezeption der Critical Animal Studies in Frankreich, kreative Adaptionsformen oder Neuorientierungen
− ...

 

Eine detaillierte Sektionsbeschreibung inklusive Vorträge finden Sie hier. (Stand: 22.09.16)

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Aktuelles


 

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