West-Nil-Virus

Zusammenfassung:
Das West-Nil-Virus wird von Stechmücken überwiegend saisonal in der warmen Jahreszeit übertragen – vorwiegend in den USA, Afrika, dem südöstlichen Mittelmeerraum, West-Asien und Australien. Die Infektion verläuft zu 80 Prozent asymptomatisch, ansonsten treten grippeähnliche Symptome auf. Ein schwerer Krankheitsverlauf mit möglichen neurologischen Folgeschäden oder letalem Ausgang kommt statistisch bei 1 von 150 Infektionen vor, ist jedoch bei jungen, immunkompetenten Sportlern eher von untergeordneter Bedeutung. Eine kausale Therapie oder Impfungen existieren nicht, daher ist der Mückenschutz und eine zurückhaltende „return to play“-Entscheidung zu beachten.
Erreger:
Das West-Nil-Virus ist ein RNA-Virus aus der Gattung der Flaviviren (hierzu zählen auch die Erreger des Gelbfiebers, Dengue und FSME).
Ausbreitung:
Ursprünglich kam das Virus in Afrika, Teilen des südöstlichen Mittelmeerraumes, im mittleren Osten, West-Asien und Australien vor. In Dürre- und Hitzeperioden kann es zu einer sprunghaft vermehrten Ausbreitung kommen, da durch die fehlende Spülung in der Kanalisation und in Flussbetten vermehrt stehende Gewässer entstehen, z. B. in Form von Pfützen, die von Stechmücken als Brutgewässer genutzt werden.
1999 wurde das West-Nil-Virus in die USA importiert und breitet sich seitdem rasant aus – mittlerweile ist das Virus auf dem amerikanischen Kontinent von Kanada bis Venezuela etabliert. Saisonal treten im Sommer seit dem Import in die USA landesweit regelmäßig kleinere, aber auch größere Ausbrüche auf (2012 mit dem bisherigen Negativrekord von 286 Todesfällen).
Vom südöstlichen Mittelmeerraum breitet sich das Virus in den letzten Jahren zunehmend auch Richtung Mitteleuropa bis nach Österreich aus. Allerdings handelt es sich innerhalb der EU bei West-Nil-Infektion weiterhin um Einzelfälle: 2014 wurden 74 autochthone Fälle in der EU registriert, 136 Fälle stammten aus unmittelbar angrenzenden Nachbarländern (die meisten aus Serbien).
Übertragung:
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Stechmücken - am häufigsten der Gattung Culex, die auch in Deutschland vorkommt (aber auch andere Gattungen wie Aedes oder Mansonia können das West-Nil-Virus auf den Menschen übertragen). Diese nehmen das Virus über infizierte Vögel auf. Das Virus zirkuliert anschließend einige Tage im Blut der Mücken und kann durch eine Ausbreitung in die Speicheldrüsen schließlich bei einem Stich auf den Menschen oder andere Tiere übertragen werden. Ebenso ist eine Übertragung durch Kontakt mit dem Blut von infizierten Tieren möglich. In Einzelfällen wurde eine Infektion durch Organ- oder Bluttransfusionen verzeichnet. Eine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung wurde bislang nicht dokumentiert.
Krankheitsverlauf:  
Eine Infektion mit dem West-Nil-Virus verläuft zu rund 80 Prozent asymptomatisch. 20 Prozent der Betroffenen entwickeln nach einer Inkubationszeit von 3 bis 14 Tagen das plötzlich einsetzende, aber relativ milde verlaufende West-Nil-Fieber. Die Symptome beinhalten Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Lymphknotenschwellungen. Bei etwa der Hälfte dieser Patienten tritt zudem ein stammbetontes makulopapulöses Exanthem auf. Die Beschwerden bestehen für etwa 3 bis 6 Tage.
Geschätzt 1 von 150 Betroffenen entwickelt einen schweren, neuroinvasiven Krankheitsverlauf - z. B. in Form einer West-Nil-Enzephalitis oder West-Nil-Poliomyelitis. Die Symptome umfassen sehr hohes Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Bewusstseinsstörungen, Lähmungen, epileptische Anfälle sowie Seh- und Hörstörungen. Ein Rückgang der Symptome ist nach einigen Wochen zu erwarten. Zu ca. 50 Prozent bleiben jedoch neurologische Spätfolgen wie Lähmungen oder Sehstörungen zurück, 15 bis 40 Prozent der schweren Krankheitsverläufe enden tödlich.  Diese schwere Form kann generell in jeder Altersklasse auftreten. Menschen über 50 Jahre oder Immunsupprimierte haben jedoch ein erhöhtes Risiko, diesen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln.
Diagnostik:
Da eine Infektion mit dem West-Nil-Virus vielen anderen Erkrankungen (Influenza, Dengue, Chikungunya, Gelbfieber, Malaria, FSME) ähneln kann, ist eine definitive Diagnose nur laborchemisch möglich. Mittels ELISA-Test erfolgt ein Nachweis von Antikörpern aus dem Blut oder Liquor. Durch eine Kreuzreaktivität mit ähnlichen Flaviviren (Erreger von FSME oder Gelbfieber) kommt es jedoch häufig zu falsch positiven Tests. In diesen Fällen erfolgt ein Bestätigungstest - entweder durch einen PCR-Test oder eine Virusisolation mittels Zellkultur.  
Therapie:
Eine spezifische Therapie oder Impfungen existieren nicht. Die Behandlung erfolgt supportiv in Form von fiebersenkenden Mitteln, ausreichender Flüssigkeitssubstitution, Prävention von Sekundärinfektionen und bei schweren Verläufen ggf. intensivmedizinischen Maßnahmen.  
Prävention:
Die einzige Präventionsmöglichkeit von Infektionen ist ein ausgeprägter Mückenschutz in Endemiegebieten: Tragen langer Kleidung, Moskitonetze, Verwendung von Repellents. Für Leistungssportler sollte nach Ausbruch einer Infektion auf eine ausreichende körperliche Schonung und hinreichendes Auskurieren bei der „return to play“-Entscheidung geachtet werden.