24.05.2018

Die Ringvorlesungen der Saar-Universität in der 22. Kalenderwoche

Im Sommersemester bietet die Universität des Saarlandes wieder öffentliche Vortragsreihen an. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

1. Literaturwissenschaftliche Ringvorlesung:
Montag, 28. Mai, 19 Uhr: „Schnauze“ – Peter Rühmkorf, Walther von der Vogelweide und der Geist von 68

(Professor Dr. Wolfgang Haubrichs, Germanistische Mediävistik)
 
„Jetzt will ich meine scharfe Klinge auch mal nutzen. / Wo ich sonst Klinken putzte, ein paar Federn stutzen“ – So übertrug Peter Rühmkorf in den „Jahren, die ihr kennt“, in den 68ern ein durchaus scharftoniges, an den Fürsten Leopold von Österreich gerichtetes Spruchlied des Sängers Walther von der Vogelweide (ca. 1170 bis nach 1228), den er bewundernd „des Reiches genialste Schandschnauze“ nannte. Mitten in einer tiefen zehnjährigen Schaffenskrise sucht Rühmkorf, schon einer der profiliertesten Autoren der Zeit, nach einer neuen Sprache, die zugleich poetisch und politisch aktuell ist: Dies zuerst mit einer Sammlung freier, frecher, sexuell ungehemmter, politisch unkorrekter populärer Poesie, betitelt „Über das Volksvermögen“ (1967); dann aber in der übersetzenden, interpretierenden, subversiven Auseinandersetzung mit Walther und Klopstock. Das Buch „Walther von der Vogelweide, Klopstock und ich“ (1975) wurde ein gewaltiger Erfolg: Es gab einen Vorabdruck in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, 20.000 erstverkaufte Buchexemplare, 40 Rezensionen, es wurde Spitzenreiter der SWF-Bestenliste … „Diese Übertragungen haben Schmiss, haben flotte Saloppheit und aggressive Chuzpe, sie haben den Walther-Drive …“ (Peter Wapnewski). Wie viel dabei vom ‚Geist von 68‘?

Veranstaltungsort: Filmhaus, Mainzer Straße 8, 66111 Saarbrücken
Kontakt: Professor Dr. Sikander Singh, E-Mail: s.singh@sulb.uni-saarland.de, http://literaturarchiv.uni-saarland.de/de/ringvorlesung/


2. Ringvorlesung zur Fußballkultur:
Montag, 28 Mai, 16 Uhr: „Fußballkultur - von der Renaissance bis heute“

(Prof. Dr. Wolfgang Behringer, Frühe Neuzeit)

Der Saarbrücker Kulturhistoriker Wolfgang Behringer hat die Geschichte des Fußballs vom ersten Auftauchen in den Quellen bis heute erforscht. In seinem Vortrag wird er darüber berichten, dass Fußball seit Jahrhunderten gespielt wird. Fußball-Hochburgen ab dem Spätmittelalter waren England, Italien und Frankreich, während in Deutschland die Fußballtradition eher jung ist.

Veranstaltungsort: Campus B3 1, Hörsaal III
Kontakt: Jörn Wüstenberg, Tel.: 0681 302-2203, E-Mail: joern.wuestenberg@uni-saarland.de
https://www.uni-saarland.de/einrichtung/optionalbereich/aktuelles.html


3. Ringvorlesung über „Europäische Traumkulturen“:
Dienstag, 29. Mai, 18 Uhr: „Literatur und Wissen. Träume der Moderne bei Kafka und Proust“

(Dr. Peter Brandes, Ruhr-Universität Bochum)

Veranstaltungsort: Campus B3 1, Hörsaal II
Kontakt: Prof. Dr. phil. Janett Reinstädler, Romanistik, Tel.: 0681 302-3514 (-2335),
E-Mail: reinstaedler@mx.uni-saarland.de
www.traumkulturen.de


4. Ringvorlesung „Bunte Einheit im Klassenzimmer“
Dienstag, 29. Mai, 18 Uhr: „Wege zur Mehrsprachigkeit im Grenzraum“

(Prof. Dr. Claudia Polzin-Haumann, Romanistik; Prof. Dr. Julia Knopf, Didaktik Deutsch Primarstufe; Anne Funk, Staatskanzlei)

Die Lage des Saarlands in der Großregion SaarLorLux stellt besondere Anforderungen unter anderem an die Lehreraus- und -weiterbildung. Im Institut für Sprachen und Mehrsprachigkeit der Saar-Uni werden Forschungs- und Praxisprojekte für die didaktische Arbeit in diesem mehrsprachigen Raum entwickelt, die ebenso (bildungs-)politischen Zielen des Saarlandes gerecht werden. Der Vortrag liefert neben Einblicken in die aktuellen bildungspolitischen Aktivitäten des Saarlandes auch Ausblicke auf eine nachhaltige Weiterentwicklung der (grenzüberschreitenden) Lehreraus- und -weiterbildung. Nach der Vorlesung besteht Gelegenheit, sich mit den Referentinnen auszutauschen und sich eingehend über die verschiedenen Teilprojekte zu informieren.

Veranstaltungsort: Günter-Hotz-Hörsaal (Campus E2 2)
Kontakt: Dr. Mareike Kelkel, Koordinatorin Verbund der Lernwerkstätten
Tel.: 0681 302-713 92, E-Mail: mareike.kelkel@uni-saarland.de


5. Ringvorlesung „Erinnerung und Aufbruch. Das europäische Kulturerbe im Saarland nach 1945“
Mittwoch, 30. Mai, 18 Uhr: „Die Kettelersiedlung. Katholische Sozialpolitik und ihre städtebaulichen Auswirkungen im Saarland nach 1945“

(Dr. Ingeborg Besch, Universität des Saarlandes, Kunstgeschichte)

Die erste Kettelersiedlung im Saarland entstand ab 1948 in Hühnerfeld. Vergleichbar mit der enormen Wohnraumnot im ausgehenden 19. Jahrhundert herrschte vielerorts im Saarland nach dem zweiten Weltkrieg ein Wohnungsnotstand. Pastor Theis in Sulzbach/Hühnerfeld griff die Ideen des Mainzer Bischofs Wilhelm Emmanuel Maria Freiherr von Ketteler (1811 – 1877) auf. Im Zentrum seines Engagements stand die „soziale Frage“, die nur gelöst werden könne, wenn Menschen im Zusammenleben ihre Belange in eigener Verantwortung regeln. Pfarrer Theis gründete den ersten „Ketteler-Verein“, es sollten über 60 weitere im Saarland folgen. Nach einem System von finanzieller Aufwendung und Arbeitsstunden wurde durch die Gemeinschaft von Arbeitern und Handwerkern für je eine Familie ein Haus nach dem anderen erbaut – von der Steinherstellung bis zur Dachdeckung. Daher haben Kettelersiedlungen nicht den Ruf des sozialen Wohnungsbaus, sondern den der Eigeninitiative.
Der Vortrag stellt die Entwicklung von den Vorgängersiedlungen und Baugenossenschaften zum System der Ketteler dar; er erläutert die Form der Häuser und Siedlungen und zeigt, was bis heute daraus geworden ist.

Veranstaltungsort: Pingusson-Bau, Hohenzollernstraße 60/Keplerstraße 21, 66117 Saarbrücken
Kontakt: Salvatore Pisani, Institut für Kunstgeschichte, Tel. 0681 302-3317, E-Mail: s.pisani@mx.uni-saarland.de


6. Ringvorlesung über Fantastik:
Mittwoch, 30. Mai, 18.30 Uhr: Vortrag zum Thema „Der fantastische Film: Sideshow Saarland?– Zwischen Crémant, Schwenker und fliegenden Haien“

(Germaine Paulus, PopRat Saarland)

Der fantastische Film ist als Genre bemerkenswert breit aufgestellt und lebt unter anderem davon, lustvoll an seinen eigenen Grenzen zu nagen und diese auf unerwartete Weise zu überschreiten – und ist in dieser Hinsicht dem Saarland nicht unähnlich. Das Saarland ist für einiges bekannt. Ein Mekka des fantastischen Films zu sein, gehört nicht wirklich dazu. Dennoch ist vieles hier verwurzelt, das seine Fühler bis in internationale Gefilde ausstreckt: Kleine, wilde Festivals und Magazine, die das Genre zelebrieren. Der Vortrag beleuchtet die Aktivitäten in der Region und stellt das Angebot vor, das von musikalisch untermaltem Arthouse über skurrile Kuration bis hin zu gefeierten Underdogs und Hollywood-Animation reicht.

Veranstaltungsort: Filmhaus, Mainzer Str. 8, 66111 Saarbrücken
Kontakt: Prof. Dr. Astrid M. Fellner und Svetlana Seibel, Tel.: 0681 302-2770,
E-Mail: amerikanistik@mx.uni-saarland.de, www.amerikanistik.uni-saarland.de/