Freitag, 23. November 2018

Hochkarätige Nachwuchswissenschaftlerin erforscht intelligenten Dialog mit Computern

Am 22. November wurden die Sofja Kovalevskaja-Preise der Alexander von Humboldt-Stiftung vergeben. Eine der fünf Preisträgerinnen und Preisträger ist die Serbin Milica Gašić, die ab dem kommenden Jahr in Saarbrücken am Lehrstuhl für Sprach- und Signalverarbeitung von Professor Dietrich Klakow zu Gast sein wird. Mit den 1,65 Millionen Euro Preisgeld sucht die junge Wissenschaftlerin der renommierten britischen Universität Cambridge nach Möglichkeiten, wie der Dialog zwischen Mensch und Computer intuitiver und empathischer werden kann.

 

„Siri, wie heißt der neueste Superhit von Helene Fischer gleich nochmal?“ oder „Siri, wie heißt der neueste ‚Superhit‘ von Helene Fischer gleich nochmal?“ Menschliche Leser dieses Satzes können die beiden Bedeutungsvarianten bei genauem Hinsehen an der Zeichensetzung erkennen: Der erste Satz ist ernst gemeint und könnte von einem eingefleischten Fan der Schlagersängerin stammen. Der zweite Satz hat einen ironischen Unterton und könnte so von einem Zeitgenossen gesprochen werden, der die Sangeskünste der Sängerin nicht sonderlich hoch schätzt.
Dialogsysteme wie Siri, Alexa und Co. können heute zwar schon ziemlich sicher die sachlich richtige Antwort auf beide Fragen geben. Die Ironie und die Stimmung des menschlichen Gegenübers jedoch erkennen sie überhaupt nicht. Damit dies in Zukunft möglich wird, untersucht die Computerwissenschaftlerin Milica Gašić, wie Siri und Co. intelligenter werden können, um auch komplexere Dialoge mit ihren menschlichen Benutzern zu führen.

Das Dilemma im Mensch-Maschine-Dialog bringt sie auf folgenden Nenner: „Wir Menschen können ein ganzes Buch lesen und dann in wenigen Worten den Inhalt zusammenfassen. Aber wir können nicht in wenigen Sekunden das Buch nach einem Wort durchsuchen, das nur einmal darin auftaucht. Ein Computer hingegen kann diese große Textmenge sehr schnell nach diesem Wort durchsuchen. Allerdings kann er schlecht zusammenfassen, was in dem Buch vorkommt.“

Anleihen dafür, wie der Dialog zwischen Mensch und Computer natürlicher ablaufen kann, wie diese Eigenheiten von Mensch und Maschine zusammenpassen, sucht die Wissenschaftlerin bei der Art Künstlicher Intelligenz (KI), die vor einiger Zeit für Furore sorgte, als sie den menschlichen Weltmeister des Brettspiels „Go“ geschlagen hat. „Ein Dialog ist viel schwieriger als ‚Go‘“, erläutert Milica Gašić, „aber auch ein Dialog lässt sich als ein Spiel auffassen, bei dem es darum geht, die richtige Strategie zum Erfolg zu finden.“ Die „Go“-KI hat zum Lernen der Strategie gegen eine Kopie ihrer selbst gespielt, viele Millionen Mal. Im Duell gegen den menschlichen Spieler hat sie dann auf ihr erlerntes, statistisches Wissen zurückgegriffen.

Für einen Dialog kann ein Computer aber nicht so einfach gegen sich selbst trainieren – hier sind echte menschliche Trainingspartner gefragt. Und selbstverständlich halten die keine viele Millionen Trainingsgespräche hintereinander durch. Dafür, dass die KI auch schon aus deutlich kleineren Trainingseinheiten lernen kann, ein zielführendes Gespräch zu führen, hat Milica Gašić mit ihrer bisherigen Forschung die Grundlagen gelegt. „Was wir nun brauchen, sind ausgefeiltere Feedback-Mechanismen“, sagt sie. „Nur so kann der Computer lernen, richtig zu reagieren.“

Wie diese Frage zu lösen sein kann, untersucht Milica Gašić in den kommenden fünf Jahren an der Universität des Saarlandes mit dem Preisgeld aus dem Sofja Kovalevskaja-Preis. Am Ende wissen Siri, Alexa und Co. hoffentlich, ob sie es mit einem Schlager-Fan zu tun haben oder eher mit jemandem, der Helene Fischer nicht so sehr zugetan ist.

 

Über den Sofja Kovalevskaja-Preis (Quelle: Webseite der Alexander von Humboldt-Stiftung):

Der Sofja Kovalevskaja-Preis ist einer der höchst dotierten deutschen Wissenschaftspreise in Deutschland: Fünf Jahre lang können sie ein eigenes Forschungsprojekt an einem Institut ihrer Wahl in Deutschland durchführen und eigene Arbeitsgruppen aufbauen. Die Preissumme beträgt bis zu 1,65 Millionen Euro pro Preisträger. Ziel ist es, international umworbene Forschertalente bereits zu Beginn einer vielversprechenden Karriere in Kooperationen mit Wissenschaftlern in Deutschland einzubinden. Benannt wurde der Preis nach der 1850 geborenen russischen Mathematikerin Sofja Kovalevskaja. Sie wurde 1874 an der Universität Göttingen mit einer Dissertation „Zur Theorie der Partiellen Differentialgleichungen“ promoviert und erhielt 1889 eine ordentliche Professur für Mathematik an der Universität in Stockholm.

 

Kontakt:

Dr. Milica Gašić
E-Mail: milicagasic(at)gmail.com 

Prof. Dr. Dietrich Klakow
Tel.: (0681) 30258122
E-Mail: dietrich.klakow(at)lsv.uni-saarland.de 

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