Montag, 26. November 2018

Sonderforschungsbereich zur Signalübertragung in Zellen geht mit 11 Millionen Euro in die dritte Förderperiode

Calcium-Ionen gehören zu den wichtigsten Signalmolekülen im menschlichen Körper. Sie sind von zentraler Bedeutung für den Empfang, die Umwandlung und die Weitergabe von Informationen innerhalb einer Zelle und für die Funktion ganzer Organe. Seit 2011 untersuchen Wissenschaftler verschiedener Homburger Institute die Wirkung und die Bedeutung dieser Signale im Sonderforschungsbereich (SFB) 894 „Ca2+-Signale: Molekulare Mechanismen und Integrative Funktionen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Nun hat die DFG die Förderung für weitere vier Jahre zugesagt. Damit fließen bis Ende 2022 elf Millionen Euro ins Saarland. Sprecher des SFB ist Jens Rettig, Professor für Physiologie an der Saar-Universität.

In dem SFB, der 2011 erstmals von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligt wurde, betreiben die Wissenschaftler Grundlagenforschung. „Diese ist essentiell, um die Auswirkungen der Calcium-Signale auf die Funktion des Gehirns, des Herzens, der sensorischen Systeme und des Immunsystems zu untersuchen“, sagt Jens Rettig. „Perspektivisch sollen die im SFB 894 erarbeiteten Erkenntnisse dazu dienen, Erkrankungen dieser Organe wie zum Beispiel Parkinson und Alzheimer besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu eröffnen“, erklärt der Physiologe. Laut Votum der nationalen und internationalen Experten bei der Vor-Ort Begutachtung hat der SFB diese Intention auf herausragende Weise umgesetzt und versammelt mit den beteiligten Wissenschaftlern eine weltweit einzigartige Expertise. Biologen, Mediziner, Biochemiker, Pharmakologen, Biophysiker und Anatomen arbeiten in insgesamt 21 Projekten im Sonderforschungsbereich zusammen. Dafür erhielt der SFB Bestnoten in nahezu allen Bereichen. „Unter anderem wurde die hervorragende Berufungspolitik und die Unterstützung der Spitzenforschung durch die Universitätsleitung gelobt”, freut sich SFB-Sprecher Jens Rettig über eines der vielen herausragend beurteilten Kriterien.

In der zurückliegenden Förderperiode wurden bemerkenswerte Fortschritte im Verständnis der Calcium-Signale erzielt. Der Physiologe Dieter Bruns konnte einen Regelmechanismus identifizieren, der die Transmitterausschüttung im Gehirn reguliert und somit die plastischen Eigenschaften unseres Gedächtnisses stark beeinflusst. Den Einfluss von Calcium-Signalen auf die Fruchtbarkeit und den Ovulationszyklus weiblicher Mäuse hat der Pharmakologe Ulrich Boehm untersucht. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt konnten der Pharmakologe Veit Flockerzi und der Physiologe Jens Rettig ein Protein identifizieren, welches die Wiederaufnahme von Teilen der Zellmembran in Calcium-abhängiger Weise steuert.

Bereits die Ergebnisse der ersten Phase waren vielversprechend: So wurde in einem Teilprojekt um den Molekularbiologen Professor Richard Zimmermann zum Beispiel eine Strategie entwickelt, um bei einem neuen Therapieansatz für Prostatakarzinompatienten Resistenzen zu überwinden und möglicherweise auch die Zellmigration, also die Wanderung von Krebszellen, zu unterdrücken. Wie Schmerzempfinden und die Wahrnehmung von Gerüchen auf genetischer Ebene zusammenhängen, hat der Physiologe Professor Frank Zufall in einem weiteren Teilprojekt mit Kollegen aus Großbritannien und Frankreich herausgefunden.

Universitätspräsident Manfred Schmitt zeigt sich angesichts der nun bewilligten dritten Förderperiode höchst erfreut: „Die Kolleginnen und Kollegen des SFB 894 haben damit auf herausragende Weise unterstrichen, dass die Universität des Saarlandes zu den besten Standorten für lebenswissenschaftliche Grundlagenforschung in Deutschland gehört. Einen Sonderforschungsbereich über die von der DFG zugelassene maximale Laufzeit von zwölf Jahren zu halten, ist eine großartige Leistung von Jens Rettig und allen hieran beteiligten Kolleginnen und Kollegen.“ 

Die Fördersumme für die kommenden vier Jahre wird elf Millionen Euro betragen. Seit 2011 sind damit rund 30 Millionen Euro für den Sonderforschungsbereich ins Saarland geflossen.

 

Hintergrund:

Folgende Fachrichtungen der Saar-Uni arbeiten am Sonderforschungsbereich mit:
- Anatomie und Zellbiologie (zwei Teilprojekte)
- Physiologie (fünf Teilprojekte, ein Plattformprojekt)
- Medizinische Biochemie und Molekularbiologie (3,5 Teilprojekte, ein Plattformprojekt)
- Klinische und Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie (3,5 Teilprojekte, ein Plattformprojekt)
- Biophysik (3,5 Teilprojekte)
- Innere Medizin (0,5 Teilprojekte)

 

Kontakt:

Prof. Dr. Jens Rettig
Tel.: (06841) 1626485
E-Mail: jrettig(at)uks.eu 
http://sfb894.uni-saarland.de/start/