Freitag, 29. März 2019

Freiwillige mit Angst vor Schlangen für psychologische Studie gesucht

Vielen Menschen wird beim Anblick einer leibhaftigen Schlange vielleicht ein bisschen mulmig werden. Es gibt aber auch Zeitgenossen, die tatsächlich in einen schlimmen Angstzustand verfallen, wenn ihnen eines der geschuppten Reptilien über den Weg kriecht. Um den psychologischen Mechanismen auf den Grund zu gehen, die hinter der Schlangenangst und Angsterkrankungen im Allgemeinen stehen, suchen zwei Psychologinnen der Saar-Uni Freiwillige, die an Schlangenangst leiden. Die Probanden schauen sich Videos von Schlangen an und werden im Rahmen eines Annäherungstests auch mit einer echten Schlange konfrontiert. Die Kornnatter der Psychologinnen ist allerdings ein höchst harmloses Exemplar. Denn Isolde, so ihr Name, ist ungiftig.

Isolde ziert sich ein wenig. Die rund einen Meter lange Kornnatter will zum Fototermin erst nicht aus ihrer Höhle in der Plastikkiste herauskommen, in die sie sich verkrochen hat. Nachdem Roxanne Sopp sie schließlich herausgeholt hat, windet sie sich immer wieder um den Arm der Psychologin, um in ihrer Weste Unterschlupf zu finden.

Dabei hat Isolde eine wichtige Aufgabe, natürlich ohne es zu wissen: Die ungiftige Kornnatter soll dabei helfen, die Angst vor Schlangen, die viele Menschen plagt, besser zu verstehen. Ähnlich wie Spinnenphobiker beim Anblick eines Achtbeiners in der Zimmerecke zu Salzsäulen erstarren oder panisch schreiend aus dem Raum rennen, leiden Menschen mit Schlangenangst unter der Anwesenheit der Kriechtiere.

„Schlangenangst ist zwar seltener als Spinnenangst, weil es eben weniger Schlangen als Spinnen bei uns gibt“, erklärt Sarah Schäfer. „Aber sie ist schon eine recht häufige spezifische Phobie“, so die Psychologin weiter, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Roxanne Sopp dieser Angst auf den Grund gehen möchte. Zirca 1,2 Prozent der Bevölkerung leiden unter einer spezifischen Phobie vor Schlangen, etwa 35 Prozent haben zwar keine klinische relevante Phobie, jedoch Angst vor Schlangen. Zudem handelt es sich wie bei der Spinnenangst um eine, psychologisch betrachtet, einfache Angst. „Da Angststörungen alle recht ähnlich funktionieren, erhoffen wir uns durch das Experiment Aufschlüsse auch über die Funktionsweise komplexerer Ängste wie zum Beispiel der Agoraphobie“, umgangssprachlich der Angst vor Menschenmengen, erläutert Sarah Schäfer.

Für das Experiment schauen sich die schlangenängstlichen Freiwilligen verschiedene kurze Videos von Schlangen an. Ihre Angst vor einer realen Schlange wird vor und nach den Videos mit Kornnatter Isolde in einem Annährungstest erfasst. Außerdem messen die Psychologinnen im Speichel der Probanden das körpereigene Stresshormon Cortisol, das in vielen Studien einen Einfluss sowohl auf das Er- als auch Verlernen von Angst gezeigt hat. Weitere Studien konnten zeigen, dass auch der vorausgehende Nachtschlaf einen Einfluss auf den Therapieerfolg haben kann. Deswegen untersuchen die Psychologinnen mit einem tragbaren Messgerät auch den Schlaf der Probanden. In ihrer Studie sollen die Einflüsse von Cortisol und Schlaf erstmals gemeinsam untersucht werden.

Die Freiwilligen sollten zwischen 18 und 40 Jahre alt sein, nicht an einer psychologischen Erkrankung (außer natürlich einer spezifischen Phobie vor Schlangen) leiden sowie keine chronischen körperlichen Erkrankungen aufweisen oder dauerhaft Medikamente einnehmen. Der zeitliche Aufwand beläuft sich – neben der ambulanten Erfassung des Schlafs durch eine Art Fitnessuhr – auf rund sechs Stunden insgesamt, die sich auf vier Termine an der Universität verteilen. Die Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung von 45 Euro.

Bei der Studie handelt es sich explizit nicht um eine Therapie der Schlangenangst, sondern um psychologische Grundlagenforschung. Wer über die Teilnahme an der Studie hinaus Interesse oder Bedarf an einer Therapie seiner Angststörung hat, kann sich gerne an die psychotherapeutische Universitätsambulanz wenden, die von Professorin Tanja Michael geleitet wird, an deren Lehrstuhl Tanja Schäfer und Roxanne Sopp forschen.

 

Weitere Informationen:

Wer Interesse an der Teilnahme an der Studie hat, kann sich unter Angabe seiner Telefonnummer an folgende E-Mail-Adresse wenden: snakestudy.uds(at)gmail.com.

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