20.09.2019

Sind Gleichheit und Freiheit globale Menschenrechte? Tagung zum Universalismus von 1769 bis 1989

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren der Leitspruch der Französichen Revolution. Doch diese als universal angesehenen Menschenrechte wurden schon in den Feldzügen Napoleons und später in den Kolonialstaaten als Herrschaftsinstrument missbraucht. Eine internationale Tagung an der Universität des Saarlandes am 25. und 26. September nimmt daher nicht das Jahr 1789, sondern das Geburtsjahr Napoleons als Ausgangspunkt, um die Epoche des Universalismus bis zum Jahr 1989 zu betrachten. Auf Einladung von Romanistik-Professor Markus Messling diskutieren unter anderem der tunesische Soziologe Mohamed Kerrou mit Tammy Ho Lai-Ming, Präsidentin des Hongkonger PEN, und Leyla Dakhli, Historikerin am Centre Marc Bloch in Berlin.

Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama betrachtete in seinem 1992 erschienenen Buch „Das Ende der Geschichte“ den Fall der Berliner Mauer als Abschluss einer Epoche, nach der sich weltweit liberale Demokratien durchsetzen würden und Kommunismus und Faschismus ein Ende bereiteten. „30 Jahre nach dem Mauerfall entpuppt sich diese Annahme als Illusion, denn schon 1989 gab es die gewaltsame Niederschlagung des Protests am Tiananmen-Platz in Peking und aktuell ist auch in der arabischen Welt die Hoffnung auf einen politischen Wandel nach dem bei uns sogenannten ‚Arabischen Frühling‘ verblasst“, erläutert Markus Messling, Romanistik-Professor der Saar-Universität. „Den westlichen Universalismus, die Vorstellung, die Menschheit durch europäische Ideale bündeln zu können, hat der Westen selbst zerstört, indem er diese Ideale weitgehend nur für sich selbst beansprucht hat.“

Bei der internationalen Tagung in Saarbrücken wird daher nicht die europäische Sicht auf den Universalismus im Mittelpunkt stehen, sondern es geht vor allem um den „Blick von außen“, etwa aus früheren Kolonialstaaten wie Tunesien oder Hongkong, das derzeit für seine Freiheit kämpft. „Wenn die Menschheit heute aufgrund des Kolonialismus nicht mehr von einem europäischen Zentrum gedacht werden kann, dann stellt sich die Frage, was vom Erbe des Universalismus bleibt“, erklärt Markus Messling.

Zu der Tagung kommen zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland, darunter Mohamed Kerrou von der Université de Tunis, Emmanuel Droit vom Institut de Science Politique in Strasburg und Avi Lifschitz von der University of Oxford. Die Tagung, die von Romanistik-Professor Markus Messling gemeinsam mit dem Institut Français Saarbrücken organisiert wurde, findet in der Villa Europa (Kohlweg 7, Saarbrücken) statt. Sie steht im Kontext des europäischen Forschungspreises ERC Consolidator Grant, den Markus Messling im vergangenen Jahr, damals noch als Professor der Humboldt-Universität, erhalten hat. Sein mit zwei Millionen Euro dotiertes ERC-Forschungsvorhaben widmet sich dem Thema  „Minor Universality. Narrative World Productions After Western Universalism“. Markus Messling wird dabei eingebettet in ein internationales Forschungsnetz hinaus schwerpunktmäßig mit Institutionen in Mexiko, Tunesien und Hong Kong zusammenarbeiten, deren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Teil schon bei der aktuellen Tagung mitwirken.

Weitere Informationen und Programm der Tagung „1769/1989: Die Epoche des Universalismus“: www.uni-saarland.de/lehrstuhl/messling


Pressefoto unter: www.uni-saarland.de/pressefotos


Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Markus Messling
Lehrstuhl für Romanische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation
Tel.: 0681 302-3354
Mail: markus.messling(at)uni-saarland.de