08.05.2012

Vortrag zu Schillers „Wallenstein“ und: Filme aus Kuba im Kino achteinhalb


Am 14. Mai wendet sich die Saar-Uni mit der Ringvorlesung „Klassiker-Neu-Lektüren“ wieder an die interessierte Öffentlichkeit. Vom 11. bis 14. Mai zeigt die Fachrichtung Romanistik in Zusammenarbeit mit dem Kino achteinhalb Neues aus der kubanischen Filmszene (Original mit englischem Untertitel); am 14. Mai wird der Regisseur Ian Padrón anwesend sein.


Wie sich Meilensteine der Weltliteratur aus heutiger Sicht darstellen, beleuchten Wissenschaftler bei der literaturwissenschaftlichen Ringvorlesung „Klassiker-Neu-Lektüren“ (jeweils montags um 19.00 Uhr im Saarbrücker Rathausfestsaal).
Hier der nächste Termin.

Montag, 14. Mai, 19 Uhr, Saarbrücker Rathausfestsaal:
Dr. Manfred Leber: „Mentalitätsgeschichtliche Zeitenwende:
Zur Bedeutung von Schillers Wallenstein als historischem Drama“

Der Vortrag stellt einen neuen Ansatz dar, Wallenstein als historisches Drama zu verstehen: Mit einer in sich schlüssigen fiktionalen Darstellung, wie sich die letzten Lebenstage des legendären Feldherrn des Dreißigjährigen Kriegs zugetragen haben könnten, gestaltet Friedrich Schiller in seinem Hauptwerk „Wallenstein“ gleichzeitig eine mentalitätsgeschichtliche Zeitenwende. In der dichterisch dramatischen Zuspitzung der historischen Ereignisse wird ein historischer Moment plastisch greifbar, in dem die Ethik personenbezogener absoluter Treue, wie sie die mittelalterliche Lehensgesellschaft entwickelte, ideologisch noch nachwirkt, während die entstehende moderne Welt temporär begrenzter Zweckbündnisse die alte Treue-Ethik bereits nachhaltig unterminiert und zum fatalen Täuschungsinstrument der Machtkämpfe werden lässt. Entsprechend den Titeln der einzelnen Teile der Trilogie lässt sich dieser historische Umbruch auf verschiedenen Ebenen in schichtspezifischen Varianten nachvollziehen: von der Basis der unteren Dienstgrade in „Wallensteins Lager“ über die obere Mittelschicht der hohen Offiziere in „Die Piccolomini“ bis zur Heeresspitze in „Wallensteins Tod“. Hervorzuheben ist, dass die Person Wallenstein und ihr Schicksal, gleichwohl sie mit einer spektakulären Singularität beeindrucken, in Relation zu gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen zu sehen sind. Dabei kann den Konflikten und dem Handeln des Helden ebenso wie dem Verhalten seiner Soldaten auf verschiedenen Ebenen der Heereshierarchie eine paradigmatische Bedeutung zugesprochen werden: für die Entstehung eines elementaren Prinzips der Moderne, wie es frappanterweise erst in der heutigen Arbeitswelt seinen vorläufigen End- und Gipfelpunkt gefunden hat.

Prof. Ralf Bogner und Dr. Manfred Leber veranstalten die Reihe in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Saarbrücken und dem Optionalbereich der Philosophischen Fakultäten.

Kontakt:
Dr. Manfred Leber
Tel.: 06897 728640
E-Mail: m.leber(at)mx.uni-saarland.de

Weitere Infos unter:www.uni-saarland.de/rv-literatur
 

11. bis 14. Mai:
Kuba im Kino achteinhalb (Nauwieserstraße 19, 66111 Saarbrücken)

Parallel zum großen Festival „Cuba im Film“ in Frankfurt zeigt die Fachrichtung Romanistik (Lehrstuhl Prof. Janett Reinstädler) in Zusammenarbeit mit dem Kino achteinhalb vom 11. bis 14. Mai Neues aus der kubanischen Filmszene.
Die Filme werden im spanischen Original mit englischem Untertitel gezeigt.


Den Auftakt bildet am Freitag, 11. Mai, um 20 Uhr eine Kurzfilmschau des cinestischen Nachwuchses der großen Filmhochschulen Kubas (Escuela internacional de cine und ICAIC).
Am Samstag, 12. Mai (20 Uhr), wird mit Extravíos ein Film von Alejandro Gil Alvarez gezeigt, der nachdenklich, aber auch mit Humor von der Begegnung zwischen einem Schriftsteller und einer Prostituierten, ihren Träumen und ihrem Kampf mit den alltäglichen Problemen im Havanna des período especial erzählt.

Die folgenden Tage sind dem Regisseur Ian Padrón gewidmet, der mit Eso que anda – Los Van Van der ultimativen kubanischen Salsa-Band ein dokumentarisches Epos gewidmet hat: Sonntag, 13. Mai, 20 Uhr: Eso que anda – Los Van Van.

Am Montag, 14 Mai, (20 Uhr) wird Ian Padrón persönlich anwesend sein. Er wird seinen ersten Spielfilm, Habanastation (2011), vorstellen und im Anschluss mit Interessenten diskutieren. Die Geschichte der Freundschaft zwischen einem ‚neureichen’ kubanischen Jungen mit einem Kind aus einem der prekären Viertel Havannas war der große kubanische Publikumserfolg des letzten Jahres.

Kontakt:
Prof. Dr. Janett Reinstädler
Tel.: 0681 302-3514
E-Mail: reinstaedler(at)mx.uni-saarland.de