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30.03.2021

Neues EU-Projekt vermittelt Psychologen Know-how für die Freiwilligenarbeit im Klimaschutz 

Wie können Psychologie-Studierende ihre Kompetenzen für die Arbeit im Klimaschutz einbringen? Und wie können Klimaschutz-Gruppen von psychologischer Expertise bei ihrer Arbeit profitieren? Das von Forschern des Lehrstuhls für Arbeits- und Organisationspsychologie der Saar-Uni eingeworbene Projekt „Psyclic“ soll hierzu ein digitales Bildungstool entwickeln und in die Praxis umsetzen. Das Projekt startet im April 2021 und wird von der EU für zwei Jahre mit 300.000 Euro gefördert.

Steigende Meeresspiegel, aussterbende Tierarten, Verluste in der Landwirtschaft aufgrund von Dürren – so divers die Auswirkungen des Klimawandels sind, so eindeutig ist der Konsens unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, dass die Erderwärmung durch die vom Menschen emittierten Treibhausgase verursacht wird. Im Jahr 2020 gingen weltweit 7.6 Millionen Protestierende auf die Straße und setzten sich im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung für politische Reformen und einen klimaneutraleren Lebensstil ein. Zudem haben sich viele kleinere „Graswurzelbewegungen“, wie zum Beispiel die „Psychologists for Future“ gebildet, die – getragen durch Freiwilligenarbeit – versuchen, ihre Expertise zum Schutz des Klimas einzusetzen. Für viele Aktivisten ist das soziale Engagement allerdings eine immense Doppelbelastung, wenn neben der eigentlichen beruflichen Tätigkeit auch der Einsatz für den Klimaschutz gefordert ist. 

Die zentrale Verantwortung des Menschen für den Klimawandel legt nahe, von der Psychologie als Disziplin einen entscheidenden Beitrag zur Unterstützung dieser neu entstandenen Gruppen zu erwarten. Zudem sollte sie dazu beitragen, den erforderlichen Wandel des kollektiven Verhaltens voranzutreiben. An europäischen Universitäten werden bislang jedoch nur wenige Lehrveranstaltungen im Schnittgebiet zwischen Psychologie und Klimawandel angeboten. Bislang gänzlich unbeachtet ist hierbei die Arbeits- und Organisationspsychologie: Gerade, wenn sich immer mehr Menschen in Klimaschutz-Gruppen engagieren, müssen entsprechende Organisationsstrukturen und -entwicklungsmaßnahmen geschaffen werden. Hier könnte die Lehre in der Psychologie Abhilfe schaffen – sofern sie sich für die Themen des Klimawandels öffnet. „Prinzipiell bietet die Arbeits- und Organisationspsychologie genügend Anknüpfungspunkte für Psychologiestudierende, um eine aktive Rolle in der Organisationsentwicklung von Klimaschutzbewegungen einzunehmen“, erläutert Nida Bajwa, promovierter Organisationspsychologe im Team von Professor Cornelius König, 

Nida Bajwa hat das Projekt „Psyclic“ (Psychology and Climate Change – Digital Education) zusammen mit Partnern aus den Niederlanden, Spanien und Litauen initiiert, und möchte ein solches Lehrangebot in digitaler Form bereitstellen. Psychologiestudierende sollen in Form eines digitalen Kurses Inhalte und Methoden der Psychologie im Zusammenhang mit dem Klimawandel kennenlernen, um anschließend ihr Wissen praktisch anzuwenden. In Form von Projektarbeiten sollen die beruflichen Kompetenzen geschult werden, die für die Arbeit mit Gruppen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Bereich des Klimaschutzes wichtig sind. Zuletzt soll die Arbeit an realen Problemen dieser Initiativen enger mit der universitären Lehre verzahnt werden, um Lösungen sowohl für Organisationsentwicklungsmaßen als auch für einen stressfreien Umgang mit der Doppelbelastung durch die Freiwilligenarbeit zu konzipieren. Studierende erwerben dadurch nicht nur theoretische Kenntnisse über umwelt- und sozialpsychologische Aspekte des Klimawandels, sondern erleben durch das praxisorientierte Training direkt, wie wichtig ihr Psychologie-Wissen für die Klimaschutzarbeit ist. Zuletzt wird das Projektkonsortium ein digitales „Toolkit“ erstellen, das die Klimaschutzgruppen und NGOs auch als Selbsthilfewerkzeug in ihrer Arbeit und Organisation nutzen können. 

Das Projekt „Psychology and Climate Change – Digital Education“ (PSYCLIC) wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms „Erasmus+ Kapazitätsaufbau im Hochschulbereich“ mit circa 300.000 Euro bis mindestens Anfang 2023 gefördert und von der Universität des Saarlandes geleitet. 

Die Projektpartner sind: Die Universität des Saarlandes, die Reichsuniversität Groningen, die Universität Barcelona und das litauische Start-Up UAB LearnKey. 

Link zur Projektwebseite: www.psyclic.eu
Link zum Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie: www.uni-saarland.de/ao

Fragen beantwortet:
Dr. Nida Bajwa
Projektleitung PSYCLIC
Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie von Prof. Dr. Cornelius König
Tel.: 0681 302-4760
E-Mail: n.bajwa@mx.uni-saarland.de
www.uni-saarland.de/lehrstuhl/koenig/personen/nida-bajwa.html