Die Saar-Uni bewegt sich

Die Saar-Uni bewegt sich


Was machen Studenten an einer Universität am meisten? Ganz einfach: sitzen. Im Hörsaal, in der Bibliothek oder zwischen den Vorlesungen beim Plausch. Auch die Angestellten der Uni verbringen die meiste Zeit sitzend vor Bildschirmen oder bei Besprechungen. Damit sich das nicht negativ auf die Gesundheit auswirkt, bietet das Hochschulsportzentrum an der Universität des Saarlandes ein breites Angebot an Kursen für seine Mitarbeiter und Studenten.

Mitarbeiter, die keine Zeit für sportliche Höchstleistungen haben, aber trotzdem etwas für ihre Gesundheit tun möchten, finden dazu Gelegenheit bei einer so genannten aktiven Mittagspause. Im Rahmen von »Uni in Bewegung« wurden das so genannte präventive Krafttraining und die präventive Ausgleichsgymnastik eingeführt. Bei Wirbelsäulentraining oder Ausdauertraining an Kardiogeräten zum Beispiel kann man sich gemeinsam gegen die ungeliebten Folgen der Büroarbeit wehren und die Muskeln kräftigen. »Mitarbeiterkurse sind ein Steckenpferd von uns«, sagt Rolf Schlicher, Akademischer Direktor des Hochschulsportzentrums. »Zwölf Kurse gibt es durchgehend im Jahr. Diese sind nicht an die Semesterstruktur gebunden.« So können die Mitarbeiter auch in der vorlesungsfreien Zeit Sport machen und etwas für ihren Körper tun. Das gesundheitsorientierte Training wird zum Teil sogar von den Krankenkassen unterstützt. 24 Kurse sind bereits für die Bezuschussung anerkannt, darunter alle zwölf der aktiven Mittagspause.

Insgesamt kann man derzeit rund 180 Kurse am Saarbrücker und Homburger Campus besuchen. Etwa die Hälfte des Sportprogramms ist kosten- und anmeldefrei. Wer weder Student noch Mitarbeiter ist, hat die Möglichkeit, für 24 Euro pro Semester eine Gästekarte zu kaufen. Rolf Schlicher beschreibt den Hochschulsport als eine soziale Anlaufstelle. »Nach der Mensa sind wir die größte soziale Einrichtung an der Universität.« Die Zahlen geben ihm recht – zwischen 3500 und 4000 Studenten und Mitarbeiter bewegen sich zurzeit wöchentlich beim Unisport. »Es besteht keine Anwesenheitspflicht. Deshalb ist die Hemmschwelle, es einfach auszuprobieren, sehr gering.«

Neben dem Angebot vieler bekannter Sportarten ist der Hochschulsport vor allem eine Schmiede für Trendsport. So entwickelte ein saarländischer Sportstudent das Headis, eine Art Kopfball-Tischtennis, wofür es mittlerweile bereits nationale Turniere gibt. Der allgemeine Erfolg des saarländischen Hochschulsports lässt sich anschaulich in Zahlen messen. Seit mehreren Jahren befragt das Centrum für Hochschulentwicklung in einem Ranking die Studenten zum Sportangebot an den Hochschulen. Regelmäßig ist der saarländische Hochschulsport hier in der Spitzengruppe vertreten. So vergaben die Studenten beispielsweise im Jahr 2008 die Gesamtnote sehr gut (1,6). Die neuen Studentengenerationen reagieren auf die positive Bewertung und strömen ebenfalls zunehmend zum Hochschulsport. Um einen Platz im gewünschten Kurs sollte man sich daher frühzeitig kümmern. »Besonders Ausländer nehmen das Sportangebot als sozialintegratives Medium sehr gut an. Und der ein oder andere Sportler hat im Kurs auch schon seinen Partner fürs Leben kennen gelernt«, freut sich Rolf Schlicher. Im Moment sind Tanzsportarten und Klettern sehr beliebt.

Sport an der Hochschule ist zum Sammelbecken geworden für alle, die Spaß an Sport und Bewegung haben und Gleichgesinnte treffen möchten. Ein krasser Unterschied zum Hochschulsport in seinen Anfängen. Der Hochschulsport war früher noch sehr stark geprägt vom Wettkampfgedanken zwischen den Universitäten. Seit etwa 25 Jahren entwickelt sich der Hochschulsport aber »in die Unis hinein«, sagt Rolf Schlicher. Damit meint er, dass der Fokus sich vom Wettkampf zum Breitensport und zu gesundheitsorientierten Angeboten verschiebt. Was nicht heißen soll, dass es keinen Wettkampf mehr gibt. Im Gegenteil: 2008 war der saarländische Hochschulsport im bundesweiten Hochschulvergleich mit dem neunten Platz weit vorne.

Die Universität als Partnerhochschule des Spitzensports bietet neben dem Sportangebot für Studenten und Mitarbeiter auch besondere Möglichkeiten für die Sportelite. »Wir versuchen, den Spitzensportlern an der Universität des Saarlandes die Vereinbarung von Sport und Studium durch Flexibilisierungen zu ermöglichen«, erklärt Rolf Schlicher. Ziel ist es, die Spitzensportler durch individuelle Lösungen so zu unterstützen, dass sie ihren Sport trotz Studiums weiter ausüben können. Beispielsweise wurden schon mehrfach Kompromisse geschlossen, bei denen sich Sportler und Professoren darauf geeinigt haben, dass der Sportler fehlende Anwesenheitsstunden des Wintersemesters kompakt im Sommersemester nachholen konnte. »Es ist uns und den Sportlern aber wichtig klarzustellen, dass den Athleten im Studium nichts geschenkt wird«, bekräftigt Schlicher. »Die Studienleistungen werden lediglich anders verteilt, Lehrstoff und Prüfungen sind dieselben.«

_Vincent Woldt