Im Osten was Neues

Im Osten was Neues


Überall auf dem Campus wird gebaggert, gebohrt, gesägt und gehämmert. Es sind viele verschiedene Bau- und Sanierungsmaßnahmen, die derzeit laufen. Eine der größten Baustellen der vergangenen Jahre war das neue Gebäudetrio der Bioinformatik im Stuhlsatzenhausweg im Osten des Campus.

Das Ensemble, bestehend aus einem Institutsgebäude, einem Hörsaalgebäude und einer Bibliothek, wurde seit November 2006 gebaut und Mitte November 2009 zur Nutzung freigegeben. Im Institutsgebäude werden Forscherinnen und Forscher der Informatik und der Bioinformatik Platz finden. Außerdem kommen hier einige Wissenschaftler des Intel Visual Computing Institutes unter, das der Chiphersteller im Sommer 2009 eingerichtet hat. Die Bibliothek vereint die Literatur der Uni-Fachrichtungen Informatik und Mathematik, des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz sowie der Max-Planck-Institute für Informatik und Softwaresysteme. Über vier Regalkilometer Literatur haben hier Platz. Der Hörsaal ist mit 454 Plätzen der drittgrößte auf dem Saarbrücker Campus. Größer sind nur das Audimax (836 Plätze) und der Physik-Hörsaal (knapp 500 Plätze). Der Raum eignet sich daher auch für gut besuchte Vorlesungen wie zum Beispiel die der Wirtschaftswissenschaftler. Insgesamt 3.800 Quadratmeter Nutzfläche verteilen sich auf die drei Neubauten, 1.700 davon auf das Institutsgebäude, 1.600 auf die Bibliothek, 500 auf das Hörsaalgebäude.

Bevor die Baufirmen die ersten Löcher gegraben und die Fundamente gelegt haben, gingen fünf Jahre ins Land. Zuvor galt es, den Raumbedarf festzulegen, einen europaweiten Architektenwettbewerb auszuschreiben und den Bau genehmigen zu lassen. Den überzeugendsten Beitrag lieferte das Architektenbüro AV1 aus Kaiserslautern. Es hat sich mit seinem Entwurf gegen 42 Konkurrenten durchgesetzt. Das Büro war eines von wenigen, das auf gleich drei Gebäude gesetzt hat. »Eine Projektphase von rund zehn Jahren ist durchaus üblich bei einem Vorhaben dieser Größe«, sagt Architekt Boris Dujmovic von AV1. »Es sind anspruchsvolle Gebäude mit einem hohen Anteil an Haustechnik.«

Das Thema Energiesparen wurde bei der Planung und Umsetzung der Gebäude groß geschrieben. So sind beispielsweise unterhalb der Betonbodenplatten so genannte Erdkollektoren verbaut. Dieses insgesamt 16 Kilometer umfassende Rohrgitter dient als Wärmetauscher mit dem Erdreich, der unter anderem dabei hilft, das Gebäude zu kühlen. Denn die großflächigen Glasfassaden sorgen zwar für einen leichten, transparenten Gesamteindruck, gleichzeitig heizen sich die Bauten durch Sonneneinstrahlung aber auch auf. Im Winter ein willkommener Effekt. Im Sommer sorgt eine Betonschicht im Deckenbereich für die Kühlung. Über das Rohrgitter wird die Kühle der Erde an die Betondecke transportiert. Darüber hinaus verlaufen zwischen den Gebäuden bis zu 2,50 Meter hohe Betonröhren mit 160 Metern Gesamtlänge, welche die Belüftungsanlage versorgen. Durch diese Betonröhren wird frische Waldluft geleitet, die so im Winter vorgewärmt und im Sommer abgekühlt wird. Diese bautechnischen Kniffe sind das Ergebnis einer so genannten thermischen Gebäudesimulation, mit deren Hilfe die Baufachleute ermitteln konnten, wie das Gebäude am besten zu heizen und zu kühlen ist. »Diese Maßnahmen sind auf längere Sicht ein großer finanzieller Gewinn für die Nutzung der Gebäude«, sagt Projektleiter Reinhold Rödel vom Landesamt für Zentrale Dienste. Letzten Endes haben die drei Gebäude knapp über 20 Millionen Euro gekostet.

Ein weiterer markanter Neubau entsteht mit dem Campus-Center in der Mitte des Unigeländes. Dieses Gebäude soll ab dem Sommer zentrale Anlaufstelle für Studenten sein. Hier werden beispielsweise die Studienberatung, das Zentrum für Schlüsselkompetenzen, das Akademische Auslandsamt, ein Kulturraum des Asta, eine Bankfiliale, der ITService, das Kartenbüro sowie eine Infozentrale entstehen, die erste Hilfestellung bei Problemen bieten soll. Ebenfalls neu gebaut wird der Lesesaal der Universitäts- und Landesbibliothek. Anfang 2011 soll der Trakt bezogen werden. Das Verfügungsgebäude, in dem der Lesesaal seit Anfang 2009 provisorisch untergebracht war, steht dann für den Hochschulsport zur Verfügung. Bezogen wurde vor kurzem auch das Gebäude des Informatik-Exzellenzclusters im Stuhlsatzenhausweg. Rund 100 Wissenschaftler des Forscherverbundes, der im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert wird, forschen hier im Cluster »Multimodal Computing and Interaction« an der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine.

Weiter geplant sind ein Verfügungsgebäude für die Ingenieurwissenschaften (hinter dem Physikturm Richtung Waldrand; Bau ab Frühsommer) und ein Praktikumsgebäude für die Anorganische Chemie auf dem Chemikalienlager (C4 4; Baubeginn Mitte des Jahres). Darüber hinaus läuft bis Ende 2010 der letzte Bauabschnitt der Sanierung des Audimax-Gebäudes (B4 1). Seit November 2006 wurden hier die Hörsäle, die Fassade und zwei Bibliotheksbereiche saniert sowie ein modernes Brandschutzkonzept umgesetzt.

_Thorsten Mohr