Zu Hause wohnen - im Ausland studieren

Zu Hause wohnen - im Ausland studieren


Die grellgrünen Stofftaschen stechen hervor. Einige Studenten und Mitarbeiter der Saar-Uni haben sie jetzt öfters auf dem Campus umgehängt. In Sitzungen und Vorlesungen machen sie sich mit den passenden grünen Kugelschreibern Notizen. Das helle Apfelgrün ist die Farbe der »Universität der Großregion« (UGR).

Das Projekt möchte in den nächsten zwei Jahren einen grenzüberschreitenden Universitätsverbund schaffen. Dieser Hochschulraum soll es den Studenten ermöglichen, grenzüberschreitend zu studieren, Sprachen zu lernen, die unterschiedlichen Kulturen im Vierländereck kennenzulernen und am Ende einen grenzüberschreitenden Hochschulabschluss zu erlangen. Das Interreg-Projekt hat ein Volumen von rund sechs Millionen Euro und wird von der Europäischen Union, den Regionen und den Partnerunis getragen. Beteiligt sind außer der Saar-Uni die Universitäten Lüttich, Luxemburg, Nancy und Metz. Die Universitäten Kaiserslautern und Trier sind als strategische Partner eingebunden. In den letzten Monaten hat die Universität der Großregion nicht nur durch die grüne Signalfarbe auf sich aufmerksam gemacht, es wurden auch viele wichtige Schritte unternommen, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Um die einzelnen Bereiche kümmern sich grenzüberschreitende Expertenkomitees, die konkrete Maßnahmen umsetzen sollen.

Anfang Dezember 2009 wurde in Metz ein Studentenbeirat für das Projekt gegründet. Er besteht aus je drei studentischen Vertreterinnen und Vertretern der sieben Partnerunis und wird künftig an allen Expertenausschüssen des Projekts teilnehmen. An der Gründungsveranstaltung beteiligten sich rund 150 Studenten aus der Großregion und führten eine lebhafte Diskussion mit dem neuen Studentenbeirat. Dabei waren ihnen vor allem praktische Anliegen wichtig: In der Großregion sollen die Lehrveranstaltungen gegenseitig anerkannt werden. Außerdem wollen die Studenten schnell und problemlos die verschiedenen Einrichtungen der Partnerunis, wie beispielsweise die Bibliotheken, nutzen können. Daran arbeitet auch das UGR-Team an der Saar-Uni. Dazu gehören die Vizepräsidentin für Europa und Kultur, Patricia Oster-Stierle, Projektleiter Wolfgang Lorenz, Projektkoordinatorin Sonja Karb, Kristina Weich-Hondrila (Bereich Lehre und Mobilität), Nadja Ickert (Bereich Forschung) und Tina Schöpfer (Bereich Marketing und Presse).

»Bald gibt es neue UdS-Cards. Auf diese Karten soll auch das Logo der UGR gedruckt werden. Wenn Studierende diese Karte an den Partnerunis vorzeigen, sollen sie beispielsweise Zugang zu den Bibliotheken, den Parkplätzen und auch Essen in den Mensen bekommen«, erklärt Sonja Karb. Wichtig war den Studenten auch, dass es gute und günstige Verkehrsverbindungen zwischen den Universitäten gibt. Hier lotet das UGR-Team aus, welche Zuschussmöglichkeiten im öffentlichen Nahverkehr bestehen, damit die Studenten in der Großregion pendeln können. »Das Ziel der ›Universität der Großregion‹ ist nicht, dass die Studenten umziehen. Sie sollen zwar an den Partnerunis Kurse belegen, aber trotzdem zu Hause wohnen können. Dafür sind natürlich gute Anbindungen im öffentlichen Nahverkehr unerlässlich«, erklärt Patricia Oster-Stierle.

Auch in puncto Studienabschlüsse gibt es Ideen. So können sich die Partner vorstellen, dass die Studenten zusätzlich zu dem Abschluss, den sie an der eigenen Universität erwerben, ein Zusatzdiplom der »Universität der Großregion« erhalten. Außerdem sollen neue grenzüberschreitende Studiengänge eingerichtet werden. Derzeit prüfen die Partneruniversitäten über 50 konkrete Vorschläge aus allen Fachrichtungen. »Besonders am Herzen liegt uns auch die Zusammenarbeit zwischen Professoren und Wissenschaftlern verschiedener Fachbereiche. Hier sind schon spannende grenzüberschreitende Kooperationsprojekte in Planung«, sagt Projektleiter Wolfgang Lorenz. Ein weiteres wichtiges Projekt für die nächsten Monate ist das gemeinsame Internetportal der »Universität der Großregion «, dazu wird die bestehende vorläufige Seite www.uni-gr.eu komplett neu aufgebaut. Das neue Portal soll im Frühjahr online gehen. So wird die grellgrüne Farbe in Zukunft auch auf Computerbildschirmen besser sichtbar.

_Irina Urig