Bei Störungen im Labor klingelt auch nachts das Handy

Bei Störungen im Labor klingelt auch nachts das Handy


Störmeldezentrale der Saar-Uni kümmert sich um den reibungslosen Betrieb auf 340.000 Quadratmetern 
 

Wenn aus dem Lüftungskanal im Labor plötzlich Knoblauchgestank wabert, ist daran nicht unbedingt die Technik schuld. Manchmal liegt es auch am Forscher, der eine Tür offen stehen lässt und damit das ausgeklügelte Belüftungssystemdurcheinander bringt. Solchen Fehlern spürt die Störmeldezentrale der Universität, die rund um die Uhr besetzt ist, täglich nach. Wenn etwa eine Heizungspumpe versagt oder die Klimaanlage bei großer Hitze in die Knie geht, laufen die Störmeldungen automatisch ein.

Seit 1997 verfügt die Saar- Uni über eine Gebäudeleittechnik, mit der unter anderem die Heizungsanlagen sowie die Lüftungs- und Klimatechnik gesteuert werden. Außerdem kommen in der Störmeldezentrale viele Anrufe von Uni-Mitarbeitern an, die Kleinigkeiten wie etwa tropfende Wasserhähne reklamieren. »Als erster Schritt werden dann die Hausmeister informiert, die kleinere Reparaturen selbst ausführen. Für umfangreichere Arbeiten werden Handwerker beauftragt«, sagt Alois Etringer, Leiter des Facility Managements, das die Uni-Gebäude verwaltet. Bei über 100 Gebäuden in Saarbrücken und weiteren 30 in Homburg haben seine Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. Denn alle Bauten haben zusammen eine Grundfläche von 340.000 Quadratmetern,das entspricht rund 50 Fußballfeldern.

»Während die um 1938 gebauten Kasernen noch vergleichsweise solide sind, bereiten uns heute vor allem die Bauten der 60er und 70er Jahre Probleme«, erläutert Etringer. Rund die Hälfte der Uni-Gebäude stammt aus dieser Zeit, als die Studentenzahlen stark stiegen und man schnell, aber auf billige Weise baute. Einige dieser großen Gebäude wurden oder werden derzeit saniert, so etwa das Audimax, das eine neue Außenhülle erhält. Der Energieverbrauch der Saar-Uni lässt sich an einem größeren Dorf messen. Die Uni verbraucht so viel Wärme wie 2.000 Haushalte und so viel Wasser wie 2.700 Haushalte. Durch neue Armaturen und andere Techniken konnte der Wasserverbrauch schon auf ein Drittel der Menge von 1990 gesenkt werden.

Sorgenkind ist hingegen der Strom, von dem die Uni jedes Jahr so viel wie rund 5.000 Haushalte benötigt, Tendenz steigend. »Das hängt mit der höheren Rechenleistung der Computer zusammen, die selbst viel Wärme abgeben und in Serverräumen gekühlt werden. Aber auch die Forschungslabore stellen die Klimatechnik vor neue Herausforderungen «, erläutert Achim Ohlmann, der das Technische Gebäudemanagement leitet. So werden etwa in der Materialforschung Werkstoffe mit Ionenstrahlen zerlegt und in mehrstündigen Versuchsreihen genau analysiert »Wenn dabei die Raumtemperatur nur um ein Grad schwankt, sind die teuren Messungen nichts mehr wert«, sagt Frank Mücklich, Professor für Funktionswerkstoffe. Seine Mitarbeiter werden von der Störmeldezentrale auch nachts noch per Handy alarmiert, wenn die präzise gesteuerte Klimaanlage fehlerhaft arbeitet.

Wie man Serverräume auf sparsame Weise kühlen kann und auch in den Büros ein gutes Raumklima schafft, macht das neue Bioinformatik-Gebäude deutlich. Dort wurde erstmals vor dem Bau der gesamte Energieverbrauch simuliert und berechnet. In das Gebäude wurde eine ausgefeilte Heiz- und Klimatechnik eingebaut. »Unter der Erde wurde eine große Röhre einmal rund um das Gebäude verlegt. In diese strömt im Sommer kühle Luft aus dem Wald, die als Zuluft in den Hörsaal und in die Bibliothek eingespeist wird, in der Regelohne zusätzliche Kühlung«, erläutert Alois Etringer. Im Winter wird die Luft in der unterirdischen Röhre vorgewärmt. Zusätzlich wurden 16 Kilometer lange Erdkollektoren unter der Bodenplatte vergraben. »Auch die Serverschränke werden mit Wasser gekühlt, was viel effektiver als eine Luftkühlung ist«, betont Etringer. In diesen neuen Techniken sieht er noch viel Potenzial: »Langfristig ließen sich die Energiekosten enorm senken, wenn man auch bei den älteren Gebäuden noch mehr investieren würde.«

 


_Friederike Meyer zu Tittingdorf