Die Kanzlerin als Dopingmittel

Die Kanzlerin als Dopingmittel


Professor Tim Meyer, Arzt der Fußballnationalmannschaft und Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Saar-Uni, war während der WM zuständig für die sportmedizinische Versorgung.

Ein tolles Fußballfest, viele Tore, eine super Leistung und am Ende Platz drei – das ist die Bilanz der deutschen Fußballnationalmannschaft. Bei der WM in Südafrika hat sie nicht nur viele Fans in Deutschland begeistert, sondern mit ihrer Leistung und ihrem Teamgeist auch für Anerkennung in der ganzen Welt gesorgt. Auch ein Professor der Saar-Uni hat zu diesem Erfolg beigetragen: Tim Meyer, seit 2001 Arzt der Fußballnationalmannschaft, sorgte während der WM dafür, dass kranke Spieler und Betreuer wieder fit wurden.

»Die meisten gesundheitlichen Probleme, mit denen ich zu tun hatte, waren Infektionen und Magen-Darm-Probleme. Am häufigsten habe ich Lutschtabletten für den Hals und Grippemedikamente verteilt«, sagt Tim Meyer. Die bekam zu Beginn der WM auch Bastian Schweinsteiger, weil er an einer Halsentzündung litt. »Er wurde konsequent behandelt und oft von mir untersucht, um den Verlauf der Erkrankung gut verfolgen und bei Veränderungen schnell reagieren zu können. Auch die Laborwerte eines Spielers sollten in so einem Fall überprüft werden, um die Trainings- und Wettkampffähigkeit engmaschig zu beurteilen«, erklärt der Mannschaftsarzt. Spieler und Betreuer wurden immer wieder von kleineren Erkältungen erwischt, wie zuletzt auch Bundestrainer Joachim Löw und Mannschaftskapitän Philipp Lahm. »Das war bei den häufigen Reisen zwischen unterschiedlichen Klimabereichen und teilweise sehr trockener Luft in der Höhe oder in klimatisierten Räumen nicht zu vermeiden«, sagt Tim Meyer. Behandeln musste er während der WM auch allergische Beschwerden, Haut- und Augenerkrankungen und ein paar Verletzungen von Betreuern. »Es waren viele Kleinigkeiten dabei, die keinen großen Einfluss auf die Trainings- und Spielfähigkeiten hatten, aber viel Arbeit für mich bedeuteten. Zum Glück sind die Spieler aber insgesamt recht gesund geblieben«, meint der Mannschaftsarzt. Seine Sprechstunde war in der Regel bis etwa 23 Uhr abends geöffnet. Für Notfälle war Tim Meyer rund um die Uhr in Bereitschaft. Noch stärker waren allerdings die Physiotherapeuten gefordert.

Während der Spiele saß der Professor der Saar-Uni gemeinsam mit Bundestrainer Joachim Löw und einem Teil des Betreuerstabs auf der Trainerbank. Dabei versorgte er die Spieler unter anderem mit Getränken. »Auf der Bank ein Spiel mitzumachen, ist etwas ganz Besonderes. Man erlebt die Begegnung viel intensiver und emotionaler«, sagt der Ärztliche Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin. Die Trainerbank musste er zwischendurch immer mal wieder verlassen, da er während der Partien an der Auslosung für die Dopingkontrolle in der Halbzeit und wieder an der Bekanntgabe der Ergebnisse in der 75. Minute teilnehmen musste. Eine Erfahrung mit einem Doping-Kontrolleur hat dabei sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel gemacht. »Der Kontrolleur wollte der Kanzlerin verbieten, den ausgelosten Spielern im Dopingkontrollraum die Hand zu drücken. Das entspricht zwar den Regeln, aber manche Dinge haben vielleicht doch eine größere Bedeutung, als die penible Durchführung von Dopingkontrollen, zumal durch einen Händedruck der Kanzlerin die Probe gewiss nicht verändert wird«, schmunzelt Tim Meyer.

Für den Mannschaftsarzt war es bereits die dritte und wohl auch schönste Weltmeisterschaft. Mit dem Ergebnis ist er auch sehr zufrieden: »Mit dieser jungen Nationalelf ist das ein Riesenerfolg! Der Teamgeist war so gut, wie ich es noch nie erlebt habe. Trainer und Betreuer haben an einem Strang gezogen, die Auswahl der Quartiere hat gepasst. Das Turnier war alles in allem gelungen«, so das Fazit des Mannschaftsarztes. Das schönste Erlebnis war für ihn eindeutig der Sieg der deutschen Nationalelf gegen Argentinien im Viertelfinale. Das historische 4:0 gegen die Mannschaft von Trainer Diego Maradona wird auch den Fans in Deutschland und auf der ganzen Welt noch lange in Erinnerung bleiben.

 

 _Irina Urig