Vorhang auf in den Laboren

Vorhang auf in den Laboren


Tausende Besucher kommen zum Tag der offenen Tür im Juni 
 

Plötzlich ein greller Feuerblitz. Die Menge schaut ungläubig, als sich die gut drei Meter hohe Feuersäule zu verselbstständigen scheint, überall ihre Feuerzungen hervorschießen und die ohnehin dicke Luft zum Glühen bringt. Was ist hier los? Zirkus? Gar Krieg? Nein. An der Universität findet gerade eine Galashow im großen Hörsaal der Physik statt. »Die Physikanten«, eine Truppe Naturwissenschaftler und Schauspieler aus Dortmund, touren mit ihrer Aufsehen erregenden Show durch Deutschland. Auch an der Saar-Uni machten sie Halt, und zwar beim Tag der offenen Tür am 26. Juni. Die Galashow ist an diesem Tag nur eine von rund 200 Veranstaltungen auf dem Campusgelände.

So erklärt Doktorand Mohammed Molayem ein Gebäude weiter am Beispiel von Schokolade, wie man den Brennwert von Nahrungsmitteln in Kalorien messen kann. »Wir nehmen die Schokolade und legen sie in ein geschlossenes Gefäß. Darin befindet sich ein Zündmechanismus. Der Behälter kommt wiederum in ein Wasserbad. Dann wird die Schokolade verbrannt, so dass sich die Temperatur kurzzeitig verändert. Die Temperaturänderung innerhalb des Gefäßes vor und nach der Verbrennung ergibt den Brennwert.« Und der ist höher, als das so mancher Zuschauer wahrscheinlich gern hätte. Molayem erklärt: »Wenn wir zu viele Kalorien zu uns nehmen, kann der Körper die Energie nicht mehr verwerten und setzt sie als Fett an.«

Wen das nicht schreckt: Essen gibt’s nebenan in der Physik. Und das wird eher ungewöhnlich zubereitet: Ein junger Mann schüttet flüssigen Stickstoff in einen großen Kübel voller Johannisbeeren, während ein anderer mit dem Rührbesen zu Werke geht. Doch das seltsame Schauspiel hat einen simplen Zweck: die Produktion von leckerem Johannisbeereis. Das Eis schmeckt gut, doch für die Industrie ist die Methode nicht »unbedingt geeignet«, befinden die Studenten Dominik Jourdain, Carsten Arend und Sabrina Scherer einhellig mit einem Grinsen im Gesicht. Stickstoff wäre zur Eisherstellung in großen Mengen nötig und ist viel zu teuer. Ein Stück weiter nördlich auf dem Campus beschäftigt man sich währenddessen mit einem anderen Freizeitvergnügen.

»Grünes LCD Fernsehen« hat sich die Arbeitsgruppe rund um Professor Chihao Xu auf die Fahnen geschrieben. Sogenannte LCDs sind Flüssigkristallbildschirme von Fernsehern, Computern und Handys. Die Forscher präsentieren ein neues System für die Bildschirmbeleuchtung solcher LCDs. Mehrere Lichtquellen scheinen den Bildinhalt aus dem Hintergrund an. »Normalerweise wird dort nichts gedimmt. Unser System erkennt Kristalle, die gerade nicht in voller Stärke gebraucht werden und dimmt diese herunter«, sagen Marc Albrecht und Ayetullah Günel vom Lehrstuhl für Mikroelektronik. Für das menschliche Auge ist die Veränderung unsichtbar. Allerdings verbraucht die grüne LCD-Technik 30 Prozent weniger Strom als herkömmliche LCDs.»Dabei kann es passieren, dass die Bildqualität durch die erhöhten Kontraste sogar besser wird.« Egal ob Physikshow, Eis oder Fernsehen: Bis zum kommenden Jahr wird es wohl auf allen Gebieten wieder Neues geben. Und ganz sicher werden die spannendsten Projekte wieder beim Tag der offenen Tür 2011 vorgestellt.

_Vincent Woldt