Auf zwei Hektar um die Welt

Auf zwei Hektar um die Welt


Der Botanische Garten der Saar-Uni beherbergt rund 3000 Pflanzenarten aus aller Herren Länder

Fast greifbar wabert drückende Hitze durch die Luft. Große, ledrige Blätter streifen Kopf, Beine und Schultern, die Kleidung wird zur Last. 85 Prozent Luftfeuchtigkeit machen das Atmen schwer, Schweiß bricht aus. Fast erwartet man, das Geschnatter kleiner Äffchen und das Kreischen exotischer Vögel zu hören. Aber es ist ein ganz normaler Frühlingstag hier am Rande des Saarbrücker Campus. Zumindest in den Tropenhäusern des Botanischen Gartens, wo gerade gegossen wird und die Frühjahrssonne den Glasbauten schon ganz gehörig einheizt.

»Zu viel Hitze ist aber auch nicht gut«, erklärt Anna-Lisa Volz. Die Diplombiologin arbeitet seit fünf Jahren im Botanischen Garten und kennt sich mit der komplizierten Pflanzenwelt bestens aus. »Im Regenwald wird es morgens etwa 27 Grad warm, dann kommt der Regen und es kühlt wieder ab auf etwa 20 Grad.« Die Temperatur muss sich also immer in diesen Breiten bewegen, sonst leiden Kakao, Mangroven und Lianen.

Als eigentlich zahme Gesellen entpuppen sich in Saarbrücken übrigens die fleisch- und insektenfressenden Pflanzen aus tropischen Breiten, die besonders Kinder bei den Führungen begeistern. »Gefüttert« werden diese Carnivoren nicht. Denn ihr Hunger auf Fliegen rührt daher, dass die Böden in ihrer Heimat so ausgelaugt sind, dass sie die nötigen Nährstoffe aus den gefangenen Lebewesen gewinnen. In Saarbrücken schlagen sie ihre Wurzeln dagegen in gutes Erdreich. »Eigentlich hätten sie es hier gar nicht nötig, Fliegen zu fangen«, so Anna-Lisa Volz. Sie tun es natürlich trotzdem, wie der Blick in den »Verdauungstrakt« einer abgestorbenen Pflanze beweist, wo sich die Reste toter Fliegen stapeln.

Eine Verschnaufpause bieten die Gewächshäuser für Pflanzen, die in mediterranem Klima und in Wüsten wachsen. Kühl und trocken ist es hier drin. »Mediterranes Klima bezieht sich aber nicht ausschließlich auf die Pflanzenwelt rund ums Mittelmeer«, erklärt Anna-Lisa Volz. Auch Pflanzen aus Chile und Südafrika wachsen in mediterranem Klima. »Dort herrschen heiße, trockene Sommer und feuchte, milde Winter«, erklärt sie.

In den fünf Gewächshäusern des Botanischen Gartens simuliert das Team auf 1.500 Quadratmetern die Klimazonen, in denen die Pflanzen heimisch sind. »In den mediterranen Gebieten beispielsweise regnet es im Frühling viel, daher gießen wir dann entsprechend«, erklärt Diplombiologin Volz. In der Trockenzeit bekommen Zitrusfrüchte, Rosmarin und Johannisbrot dagegen wenig Wasser. Auf weiteren 23.500 Quadratmetern Außenanlagen wachsen Pflanzen, die mit unserem Klima das ganze Jahr über zurechtkommen.

Insgesamt 3.000 Pflanzenarten hegt und pflegt das Team des Botanischen Gartens. Unter der Leitung von Wolfgang Stein sind das neben der Biologin und Gartenpädagogin Volz, die sich vorwiegend um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, noch drei Gärtnerinnen, ein Gärtner, eine Sekretärin, ein Gartenarbeiter sowie, je nach Bedarf, drei bis fünf Honorarkräfte. Sie kommen vor allem bei Führungen von Kindergruppen zum Einsatz.

Rund 150 private Gruppen und Schulklassen besuchen pro Jahr den Botanischen Garten. Diese individuellen Touren kosten zwischen 30 und 40 Euro je Gruppe. Kinder können, zum Beispiel bei Geburtstagsfeiern, im Botanischen Garten auf eine gleichsam spielerische wie lehrreiche »Schatzsuche « gehen. Zwischen März und Oktober bietet das Team sonntags kostenlose Führungen an. Mal stehen Teepflanzen im Mittelpunkt des Geschehens, mal dreht sich bei diesen Führungen alles um die »Inspiration Natur«. Dann erklärt Anna-Lisa Volz, welche Pflanzen als Vorbilder für technische Anwendungen dienen. Natürlich nutzen auch Studenten verschiedener Fachrichtungen den Botanischen Garten.

Wer beim Rundgang durch die Gewächshäuser übrigens das Geschnatter der Äffchen und das Kreischen der Vögel vermisst, sollte seine Phantasie spielen lassen und sich die Geräusche einfach hinzudenken. Das ist hier gar nicht so schwer.

_Thorsten Mohr

 

Info:


Der Botanische Garten der Uni wurde 1967 gegründet. Entstanden ist er aus einer 1952 gegründeten Gewächshausanlage. Heute können hier neben den Studenten auch alle anderen interessierten Erwachsenen und Kinder vieles über Pflanzen erfahren. Dazu bietet das Team des Botanischen Gartens an vielen Sonntagen kostenlose Führungen an. Auf Anfrage können Gruppen auch Erlebnis-Führungen buchen. Im Mai und Juni können Studenten und Unimitarbeiter in einer so genannten Botanischen Mittagspause immer mittwochs um 12.30 Uhr etwa halbstündige Kurzführungen mitmachen. Besuche ohne Führung sind innerhalb der Öffnungszeiten jederzeit möglich. Finanziert wird der Botanische Garten unter anderem vom Förderkreis Botanischer Garten und aus Spenden. Mehr Informationen unter www.uni-saarland.de/fak8/botgarten.