Gut gerüstet zum Doktortitel

Gut gerüstet zum Doktortitel


»GradUS«, das Graduiertenprogramm der Universität des Saarlandes, fördert Doktoranden während ihrer Promotion

Wissenschaftlich schreiben, Forschungsergebnisse verständlich präsentieren und Projekte organisieren, mit diesen Themen beschäftigen sich alle Doktoranden im Laufe ihrer Promotion. Besondere Herausforderungen müssen dabei junge Wissenschaftler aus dem Ausland meistern. »GradUS, das Graduiertenprogramm der Saar-Uni, hat mir sehr geholfen, mich zu integrieren. So habe ich Leute kennengelernt und viele Freunde gefunden«, sagt Carla Sofia Amado. Die 28-jährige Portugiesin arbeitet im Sprachenzentrum und promoviert über Online-Methoden im Fremdsprachenunterricht. Das Graduiertenprogramm bietet den Doktoranden der Saar-Uni Seminare, Workshops und individuelle Coachings für ihre spätere Karriere in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft an. Außerdem erhalten sie Informationen über Förder- und Kontaktmöglichkeiten. In den Workshops lernen sie beispielsweise, wie wissenschaftliche Projektarbeit optimal gestaltet werden kann und wie ein Assessment-Center abläuft. Auch Bioinformatiker Oliver Müller hat im Laufe seiner Promotion mehrere Workshops des Graduiertenprogramms besucht. »Ich promoviere am Institut für Molekulare Zellbiologie in Homburg, da ist man schon ein wenig isoliert«, findet der 32-jährige Neunkircher.

Doktoranden sind in etlichen Disziplinen tatsächlich häufig Einzelkämpfer, die sich eher selten mit anderen Wissenschaftlern austauschen. »Genau das wollen wir ändern, indem wir beispielsweise Treffen, Arbeitsgruppen und Stammtische organisieren. Dabei können sich die Doktoranden untereinander vernetzen«, sagt Theo Jäger. Zusammen mit dem Leiter des Präsidialbüros, Thilo Offergeld, koordiniert er das Programm. Ziel ist es, optimale Promotionsbedingungen für die Doktoranden der Universität zu ermöglichen. Unter anderem unterstützt »GradUS« die Einrichtung von Doktorandenprogrammen in den Fächern. Seit Kurzem betreuen die Koordinatoren sechs neue fachnahe Programme, die seit Beginn des Jahres vom Präsidium gefördert werden, beispielsweise in Volkswirtschaftslehre, Medizin, Sprachwissenschaften und Chemie/Werkstoffwissenschaften.

Durch diese Programme soll das Promotionsverfahren insgesamt strukturierter und transparenter werden. Ein weiterer Vorschlag von »GradUS« ist, dass Doktorand und Betreuer gleich zu Beginn des Promotionsverfahrens eine Vereinbarung über das Ziel der Doktorarbeit und die Ausgestaltung der Betreuung treffen. Außerdem streben die Koordinatoren an, dass der Fortschritt der Einzelpromotionen in regelmäßigen Kurzberichten festgehalten wird. »Dabei wollen wir die Balance zwischen freiwilligen und verpflichtenden Elementen der Promotion halten, auf keinen Fall soll sie verschult oder bürokratisch werden«, betont KoordinatorOffergeld. Möglichst viele Doktorandinnen und Doktoranden sollen außerdem in Zukunft noch besser in die Spitzenforschung eingebunden werden. »Wir wollen den Nachwuchsforschern eine Perspektive auf interdisziplinäre Fragestellungen eröffnen und einen regelmäßigen Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaften fördern«, erklärt Theo Jäger.

Von den derzeit etwa 1.500 Doktoranden beziehen etwa 500 regelmäßig den Newsletter des Graduiertenprogrammes, etwa 400 junge Wissenschaftler nehmen jedes Jahr an den meist kostenpflichtigen Kursen und Workshops teil. Jeder Doktorand der Saar-Uni bekommt ein Qualifikations-Guthaben von 100 Euro pro Jahr, das er für den Besuch der Workshops verwenden kann. Im Sommersemester 2010 gibt es beispielsweise Kurse zu den Themen Projektmanagement, Schreiben in der Wissenschaftssprache Englisch oder Publizieren wissenschaftlicher Arbeiten. Solche Kurse und Kontakte zu anderen Nachwuchswissenschaftlern hätten sich Theo Jäger und Thilo Offergeld auch während ihrer eigenen Doktorandenzeit gewünscht, denn ihre Promotionsprojekte haben sie noch »klassisch und vorwiegend in Einzelarbeit bearbeitet«, sagt Thilo Offergeld. Oliver Müller dagegen hat über das Graduiertenprogramm viele Doktoranden aus anderen Fachbereichen kennengelernt und sich mit ihnen ausgetauscht. »Unter anderem haben sie mir Tipps zum Zusammenschreiben meiner Arbeit gegeben«, sagt er. Die waren offenbar gut: Oliver Müller will seine Doktorarbeit Anfang Mai abgeben.

_Irina Urig