Saarländische Fließgewässer im Visier der Forschung

Saarländische Fließgewässer im Visier der Forschung


Bis zum Jahr 2015 sollen viele Flüsse und Bäche im Saarland in einem guten Zustand sein. So schreibt es die Europäische Wasserrahmenrichtlinie vor. Daher müssen Wasserverschmutzungen vermindert und Gewässerstrukturen verbessert werden. Wie man dies effektiv und kostengünstig erreichen kann, untersuchen zurzeit Chemiker und Geographen der Universität des Saarlandes in einem Modellprojekt.

Der Edelstahlbottich – groß wie ein Aquarium – steht ganz hinten an der Wand des Messcontainers. Hier gurgelt und rauscht es, denn durch den Behälter wird permanent Wasser geleitet. »Das ist Wasser aus der Theel, das von der Tauchpumpe draußen im Fluss über einen Schlauch hier herein gefördert wird«, erklärt Angelika Meyer. Die Geographin prüft, ob die Messinstrumente, die in den 300-Liter-Probentopf eingetaucht sind, richtig arbeiten. »Diese Sonden messen automatisch im Fünf-Minuten-Takt die Wassertemperatur, den Sauerstoffgehalt, die Leitfähigkeit, den pH-Wert sowie Trübung und Nitratgehalt des Wassers.« Hinzu kommen die Parameter, die von drei Fotometern erfasst werden: Ammonium, Phosphat und Kohlenstoffverbindungen. Die hoch spezialisierte Messstation, die von außen wie ein fensterloser Wohnwagen aussieht, ist nur einer von mehreren mobilen Containern, die seit März an der Theel und ihren Zuflüssen im Einsatz sind. Wie hier an der Knorscheider Mühle wollen Wissenschaftler um Horst Philipp Beck, Professor für Anorganische und Analytische Chemie, herausfinden, woher die Belastungen im Fluss stammen. Daher werden die automatisch aufgezeichneten Messwerte direkt an einen Computer an der Universität übermittelt. Angelika Meyer und die promovierte Chemikerin Christina Klein werten die Messdaten aus. »Bisher wurden die Gewässer im Saarland immer nur in Stichproben untersucht. Jetzt messen wir aber an jedem Standort kontinuierlich ein Jahr lang und interpretieren die Daten vor dem Hintergrund meteorologischer, geographischer und hydrologischer Informationen«, sagt Christina Klein. So können die Wissenschaftler genau feststellen, wo die Probleme im Einzugsgebiet des Fließgewässers liegen.

Das Gewässer-Überwachungs-Programm ist Teil eines Forschungsprojektes zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Diese wurde im Jahr 2000 verabschiedet und schreibt vor, dass die europäischen Bäche und Flüsse bis 2015 in guter Verfassung sein müssen. Dazu gehört ein guter chemischer und ein guter ökologischer Zustand. Wissenschaftler der Physischen Geographie unter der Leitung von Professor Jochen Kubiniok haben den ökologischen Part des Modellprojekts übernommen. Insbesondere haben sie die Gewässersohle und die Ufer als wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere im Blick. »Unser Ziel ist es, strukturreiche Gewässer zu entwickeln, indem wir ihre Eigendynamik ausnutzen«, erläutert der Geograph Christof Kinsinger. Dabei soll erforscht werden, wie sich ein guter Zustand möglichst wirkungsvoll und zugleich kostengünstig herstellen lässt. Die Forscher wollen hierbei mit »wissenschaftlichem Pragmatismus« vorgehen. »Es kann durchaus genügen, an einigen Stellen eine Verbauung zu entfernen, dann können sich dort schon erste Gehölze entwickeln und der Bach eigendynamisch Lebensräume bilden«, sagt der Fließgewässer-Experte. Welche Maßnahmen die Wissenschaftler für die Gewässer im Einzugsgebiet der Theel für sinnvoll halten, legen sie derzeit fest. Dabei arbeiten sie eng mit dem Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr und dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz zusammen. Mit der Umsetzung geeigneter Maßnahmen will man bereits im kommenden Jahr beginnen. Danach werden die Geographen genau dokumentieren, wie sich die Struktur und die Dynamik der Bäche ändert. »Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse haben Modellcharakter; sie sollen auch an anderen Fließgewässern in die Praxis der Gewässerunterhaltung und -pflege einfließen«, sagt Christof Kinsinger.

Finanziert wird das Projekt zu 90 Prozent mit Geldern aus dem Landeshaushalt. Den Rest tragen sechs Gemeinden an der Theel und der Ill. Sie haben einen Kooperationsvertrag zur Durchführung des Modellprojekts mit den Saarbrücker Wissenschaftlern abgeschlossen.

_Gerhild Sieber