Kampf dem Vergessen

Kampf dem Vergessen


Ein Forscherteam am Uniklinikum Homburg untersucht Methoden zur Vorbeugung von Demenz   

Ständig vergisst du alles – du hast doch Alzheimer!« Ein  Satz, der im Scherz schnell dahergesagt ist. Doch damit  ist oft nicht zu spaßen: In Deutschland leiden über zwei Millionen  Menschen an Alzheimer und ähnlichen unheilbaren  Formen der Demenz. 

Der Mensch muss sein Leben lang mit einer bestimmten  Anzahl an Nervenzellen auskommen. Verkümmern diese  Zellen, hat das beispielsweise zur Folge, dass das Kurzzeit-  Gedächtnis versagt – man spricht von Demenz. Ausgelöst  wird die Krankheit durch ein Übermaß eines bestimmten Moleküls. Zum Ausbruch der Krankheit tragen Risikofaktoren  wie ein hohes Alter, ein hoher Cholesterin-Spiegel, Bluthochdruck,  ungesunde Ernährung, Depressionen und zu  wenig geistige und körperliche Aktivität bei. Eine Demenz-  Erkrankung ist ein schleichender Prozess. Der Ausbruch der  Krankheit kann bis zu 30 Jahre dauern. Heutzutage wird Demenz mit Medikamenten behandelt, allerdings mit mäßigem Erfolg: Maximal ein Drittel der Patienten profitiert zumindest  eine Zeit lang von den Medikamenten, die zur Zeit für die  Behandlung der Alzheimer-Krankheit zur Verfügung stehen.  Neben Alzheimer gehört auch Parkinson zu den bekannten  Formen von Demenz.

Wissenschaftler der Saar-Uni beschäftigen sich schon seit  längerem mit dieser Krankheit. Vor einem Jahr wurde am  Universitätsklinikum in Homburg das Deutsche Institut für  Demenz-Prävention (DIDP) eröffnet. Tobias Hartmann, Professor  für Neurodegeneration und Neurobiologie, und sein  Forscherteam am DIDP wollen herausfinden, wie man die  Hirnleistung im Alter erhalten kann. »Das Gehirn kann nicht  alles speichern. Gedächtnis bedeutet, man muss vergessen  können. Dann muss die Grenze zwischen ›gesundem‹ Vergessen  und Krankheit gezogen werden.«, so Hartmann. Er  und sein Team forschen an dieser Grenze, wo das Vergessen  zur Erkrankung wird. 

Das Augenmerk des Teams richtet sich besonders auf die  Alzheimer-Krankheit. Diese Form von Demenz tritt am häufigsten  auf. Weltweit leiden etwa 24 Millionen Menschen an  Alzheimer. In Deutschland werden über 200.000 Demenz -Neuerkrankungen pro Jahr verzeichnet. Bis jetzt ist es zwar  nicht möglich, Alzheimer zu heilen. Wird die Krankheit aber  rechtzeitig entdeckt, können die Betroffenen besser versorgt werden. Daher testet das Forscherteam am DIDP neue Methoden,  mit denen Alzheimer früher erkannt werden soll.  Dabei wird dem Menschen Hirnwasser entnommen, in dem  Eiweißfragmente, sogenannte »molekulare Marker«, enthalten sind. Hiermit lässt sich besser erkennen, ob der Mensch von der Krankheit betroffen ist. Eine andere Möglichkeit, eine Diagnose zu erstellen, ist beispielsweise eine Kernspintomographie.  Neben Diagnoseverfahren untersuchen die  Forscher um Tobias Hartmann außerdem im Projekt »Lipi- DiDiet«, ob die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fette einer  Alzheimer-Erkrankung vorbeugen können. 

Natürlich wäre es auch den Wissenschaftlern lieber, wenn die Menschen erst gar nicht an Alzheimer erkrankten. Sie setzen  daher auf Prävention. »Gesunde Ernährung sowie die  körperliche und geistige Fitness auch im fortgeschrittenen Lebensalter sind wichtig, um der Krankheit vorzubeugen«, betont  Professor Hartmann. Auch Patienten, bei denen eine  Demenz im frühen Stadium erkannt wurde, könnten vermutlich  den Krankheitsverlauf hinauszögern, wenn sie Risikofaktoren  wie Übergewicht oder Bluthochdruck rechtzeitig  bekämpften. 

_Jana Burnikel 

Hintergrund:

Das Deutsche Institut für Demenz-Prävention wurde erst jüngst zu  einem der 365 Orte im »Land der Ideen 2010« ernannt. Finanziert wird  das DIDP vom Land, der Universität des Saarlandes und aus Drittmitteln.  Mittlerweile ist das Institut für Demenzforschung bundes- und weltweit  vernetzt: Als federführendes Institut der größten europäischen Alzheimerstudie  erhält es Fördergelder aus der EU. Insgesamt arbeitet das  Institut mit 18 Partnern aus der ganzen Welt zusammen.