Studenten aus aller Welt zieht es in die Saarbrücker Materialforschung

Studenten aus aller Welt zieht es in die Saarbrücker Materialforschung


Die europäische Schule für Materialforschung der Saar-Uni (Eusmat) ebnet Studenten aus der ganzen Welt den Weg nach Europa. Viele Absolventen finden später in europäischen Unternehmen hochqualifizierte Jobs. Die Mexikanerin Isabella Schramm hat sich erst nach einem Studienjahr in Barcelona ins Saarland getraut und will jetzt sogar ihre Doktorarbeit hier schreiben.

Wie der Name von Isabella Schramm vermuten lässt, stammt ihr Vater aus Deutschland, die Mutter ist Mexikanerin. Während ihrer Kindheit im mexikanischen San Luis Potosí spricht sie nur Spanisch, auch ihr Bachelor-Studium der Physik absolviert sie in der Landessprache. Danach informiert sie sich auf einer Bildungsmesse in Mexico City über Master-Programme auf der ganzen Welt. »Ich suchte nach einem interdiszplinären Studiengang, in dem ich mit internationalen Teams zusammenarbeiten kann«, erzählt Isabella. Da stieß sie auf das amase-Master-Programm, das die Materialwissenschaft der Saar-Uni mit den Universitäten in Barcelona, Nancy und dem schwedischen Luleå vernetzt. Der Studiengang ist eines von vier internationalen Programmen, die von der Europäischen Schule für Materialforschung der Saar-Uni betreut und vermarktet werden. Bei amase muss jeder Master-Student an zwei der vier Unis mindestens ein Semester verbringen und dort auch die Landessprache lernen. »Für mich war es eine große Hürde, zum Studium ins ferne Europa zu gehen. Da wollte ich nicht gleich noch eine Fremdsprache lernen und wählte daher als erste Station Barcelona«, sagt die heute 25-Jährige.

Von Vorteil war für sie auch, dass das Master-Studium der Materialwissenschaft von der Europäischen Union gefördert wird, um außereuropäische Studenten nach Europa zu locken, die sonst eher in die usa gehen würden. Das eu- Stipendium ersparte ihr die erheblichen Studiengebühren, die im Amase-Programm normalerweise von Nicht-Europäern erhoben werden. »In Barcelona war ich anfangs ganz euphorisch. Die Menschen waren nett, die Materialwissenschaft machte mir Spaß und es war toll, mit Studenten aus anderen Kontinenten zusammenzuarbeiten«, sagt Isabella Schramm im Rückblick. Doch bald folgte die Ernüchterung, erste Zweifel kamen auf und das Gefühl, fremd und unverstanden zu sein. Sie biss sich durch und nahm ihr zweites Studienjahr in Saarbrücken auf. »Erst dort erfuhr ich in einem interkulturellen Training, dass fasst jeder Student im Ausland mit so unterschiedlichen Gefühlen kämpfen muss. Wir haben uns dann in der Gruppe enorm unterstützt und gegenseitig motiviert«, erzählt die Studentin.

Hierbei habe sie zu schätzen gelernt, dass im amase- Programm die Teilnehmer eines Studienjahrs als ein internationales Team zusammengefasst werden und auch viele Kurse gemeinsam belegen. Sie werden dabei von dem Programmkoordinator Flavio Soldera intensiv betreut und das nicht nur in allen Studienfragen, sondern auch bei Visaanträgen, der Wohnungssuche und vielen Dingen rund ums tägliche Leben. »In meiner Gruppe kommen die Studenten zum Beispiel aus Kolumbien, Libyen, China und Südkorea, rund die Hälfte davon sind Frauen. Wir haben viel über die anderen Kulturen erfahren und sind dabei alle offener und toleranter geworden. Auch haben wir gut Deutsch sprechen gelernt«, schwärmt Isabella. Zur Hochzeit einer Studentin sei die Gruppe sogar gemeinsam in die Türkei gereist.

Die Mexikanerin hat jetzt ihre Master-Arbeit am Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe von Professor Frank Mücklich abgelegt, der das amase-Master-Programm vor sechs Jahren gegründet hat und seitdem leitet. Bei ihm möchte sie über die 3-D-Mikrostrukturierung von Aluminium promovieren und dafür die neue Atomsonde nutzen (siehe Foto). Unterstützung bekommt sie jetzt aus dem Docmase- Programm der Saarbrücker Materialforschung, das auch von der Europäischen Union finanziert wird. »Ich habe das Gefühl, dass mir nach diesen Erfahrungen die Welt offen steht und ich mich überall einleben könnte. Etwas Wehmut ist aber schon dabei, wenn man darüber nachdenkt, dass man möglicherweise nicht in sein Heimatland zurückkehren wird«, meint Isabella.

_Friederike Meyer zu Tittingdorf


Die Europäische Schule für Materialforschung an der Saar-Uni


Das Master-Programm »Advanced Materials Science and Engineering« (AMASE) wurde mit den zwei weiteren internationalen Studiengängen der Saarbrücker Materialwissenschaft, Atlantis und EEIGM, in der europäischen Schule für Materialforschung (EUSMAT) zusammengefasst. Diese betreut außerdem das ebenfalls von der Europäischen Union geförderte Doktorandenprogramm Docmase. Die europäische Schule für Materialforschung wird von Professor Frank Mücklich geleitet, die Programmkoordination hat der promovierte Materialforscher Flavio Soldera übernommen.
Für den AMASE-Studiengang haben sich drei Universitäten in Spanien, Frankreich und Schweden mit der Saar-Uni zusammengeschlossen. Das Programm hat seit 2005 mehr als fünf Millionen Euro Fördermittel erhalten. Erst vor kurzem erhielt es im Rahmen des Erasmus-Mundus-Programms der Europäischen Union den Zuschlag für weitere rund drei Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre. Dabei wurden nur 30 Anträge von rund 180 Bewerbern bewilligt. Durch das AMASE-Programm haben bisher 130 Absolventen aus 31 Ländern einen binationalen Abschluss in der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik erhalten.