Von Klassik bis KI

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Im kommenden Wintersemester werden vier neue Master-Studiengänge an der Universität des Saarlandes starten. Altertumswissenschaften, Human- und Molekularbiologie sowie Psychologie bauen konsekutiv auf den grundständigen Bachelor-Studiengängen an der Saar-Uni auf. Ganz neu hingegen ist der Master Educational Technology. Hier sollen Absolventen aus Psychologie, Bildungswissenschaften und Informatik lernen, neue Bildungstechnologien zu entwickeln und wissenschaftlich zu untersuchen.

Welchen Wissensstand die Studenten haben und wie sich die eigene Vorlesung optimieren lässt, kann ein Hochschuldozent mittels neuer Technologien künftig schon während der Veranstaltung erfahren: Über so genannte Backchannel stellen die Zuhörer direkt Fragen zum vorgetragenen Stoff, die nicht nur der Dozent, sondern auch die übrigen Studenten mitverfolgen und kommentieren können. Dies ist nur ein Beispiel für mögliche neue Technologien im Bereich Bildung und Weiterbildung, deren Entwicklung und Erforschung Armin Weinberger an der Universität des Saarlandes vorantreibt. Der Professor für Bildungstechnologie und Wissensmanagement bietet ab dem Herbst den neuen Master-Studiengang Educational Technology an, der Informatik, Pädagogik und Psychologie miteinander verbindet.

Experten für Bildungstechnologie untersuchen, wie Menschen – beispielsweise im Klassenzimmer oder in sozialen Netzwerken – mithilfe neuer Technologien Wissen konstruieren, kommunizieren und anwenden. Dabei verwenden die Wissenschaftler Methoden, die zwischen den Computerwissenschaften und den Bildungswissenschaften angesiedelt sind. »Sie entwickeln zum Beispiel neue Lernumgebungen, unterstützen die Personalplanung oder helfen, große Wissensdatenbanken zu verwalten. Damit sind sie heute in vielen Unternehmen, Verbänden oder auch in Museen und Bibliotheken gefragt«, erklärt Armin Weinberger. Bisher fehlten dort häufig Experten, die den technischen Hintergrund verstehen, aber gleichzeitig auch über pädagogische Fähigkeiten verfügen. »Für die Akzeptanz der neuen Medien ist es außerdem wichtig, dass man über pädagogische und psychologische Kenntnisse verfügt. Denn alle gut gemeinten Bildungstechnologien können Wissenskonstruktion und -kommunikation nur so weit fördern, wie sie pädagogisch-psychologisch fundiert sind«, meint der Wissenschaftler.

Im neuen Master-Studiengang Educational Technology können die Studenten neben den Kernthemen aus Computer- und Bildungswissenschaften auch Inhalte aus einem vielfältigen Wahlbereich belegen, zum Beispiel Künstliche Intelligenz und Lehr-Lerntheorien. Das Master-Programm wendet sich an Absolventen aus Psychologie, Pädagogik und Informatik. Für den Studiengang, der zunächst 20 Master- Plätze bereitstellt, arbeiten die Uni-Fachrichtungen Bildungswissenschaften und Informatik sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und die Hochschule für Technik und Wirtschaft zusammen. Er wird in deutscher und englischer Sprache gelehrt und erfordert daher sehr gute Kenntnisse beider Sprachen.

Die frühe Geschichte und Kultur Europas steht im Mittelpunkt des neuen Master-Studiengangs Altertumswissenschaften. Das Master-Programm bietet wie der gleichnamige Bachelor das Studium von vier Disziplinen an: Alte Geschichte, Klassische Archäologie, Klassische Philologie sowie Vor- und Frühgeschichte. »Master-Studenten wählen  eines dieser Fächer als erweitertes Hauptfach«, erläutert der Professor für Klassische Philologie Peter Riemer. »In dem Zwei-Fächer-Studiengang wird das Hauptfach zusammen mit einem weiteren Fach, vornehmlich aus den Philosophischen Fakultäten, studiert.« Möglich und sicherlich sinnvoll sei es aber, mit dem Hauptfach ein altertumswissenschaftliches Nebenfach zu kombinieren, zum Beispiel Klassische Archäologie mit Alter Geschichte.

Die Altertumswissenschaften umfassen alle großen Disziplinen der Erforschung der europäischen Frühzeit und Antike. Während im Fach Alte Geschichte die schriftlichen Quellen zur griechischen und römischen Antike interpretiert werden, erforscht die Klassische Archäologie Kunst und Kultur sowie Zivilisation und Alltag der griechischen und römischen Welt anhand von materiellen Zeugnissen. Mit der literarischen Überlieferung der griechisch-römischen Antike ist die Klassische Philologie befasst, und die älteste Vergangenheit Europas untersucht die Vor- und Frühgeschichte anhand von Bodenfunden und Schriftquellen. »Der Master-Studiengang ermöglicht einerseits eine individuelle Profilbildung, andererseits studieren die jungen Leute im Umfeld der benachbarten Fächer. Dadurch können sie ihr Fachstudium je nach Interesse auf Master- Ebene erweitern«, betont Peter Riemer. Ermöglicht wird dies durch die Bereitstellung interdisziplinärer Module im Erweiterten Hauptfach: Aus einem breiten Angebot können Hauptfach-Studenten Kolloquien, Vorlesungen und Seminare anderer Fächer jenseits des eigentlichen Haupt- und Nebenfachs belegen – was einer Erweiterung ihrer Kompetenzen zugute kommt. »Beispielsweise kann ein Student der Klassischen Philologie ein archäologisches Oberseminar besuchen – und zwar auch ohne fundierte Archäologie-Kenntnisse«, so Riemer.

Ebenfalls eine große Bandbreite bietet der Master- Studiengang Psychologie für Absolventen eines Bachelor- Studiengangs Psychologie. Neben einem Pflichtbereich, in dem die Studenten vor allem eine vertiefende methodischdiagnostische und wissenschaftliche Ausbildung erhalten, wählen sie aus sieben psychologischen Wahlpflichtfächern drei aus, auf die sie sich spezialisieren möchten: Klinische Psychologie und Psychotherapie, Klinische Neuro- und Rehabilitationspsychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie, Angewandte Sozialpsychologie, Kognitive Psychologie, Kognitive Neuropsychologie sowie Angewandte und Kognitive Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie.

Damit deckt die Saarbrücker Psychologie eine Profilbildung sowohl in den aktuellen Forschungsfeldern als auch in den klassischen Berufsfeldern ab: Die Ausbildung in Klinischer Psychologie und Klinischer Neuropsychologie als Voraussetzung für eine spätere Tätigkeit zum Beispiel als Psychologischer Psychotherapeut, die Arbeits- und Organisationspsychologie beispielsweise für künftige Leiter von Personalabteilungen und das Fach Kognition, Lernen und  Entwicklung unter anderem für eine Tätigkeit als Schulpsychologe. »Unser Master-Programm ist eng vernetzt mit der Fachrichtung Bildungswissenschaften und Pädagogische Psychologie. Darüber hinaus bestehen enge Verbindungen zur Informatik, zur Computerlinguistik und zum Neurozentrum und der Humangenetik am Universitätsklinikum in Homburg«, erklärt der Studiengangsbeauftragte, Privatdozent Markus Pospeschill.

Absolventen können damit in leitende und selbständige Tätigkeiten mit psychologischem Bezug im Gesundheitsund Sozialwesen, in Wissenschaft und Forschung, im Bildungswesen, in Verwaltung, Wirtschaft sowie im Rechtswesen einsteigen. Der Abschluss ist außerdem eine Voraussetzung für eine Promotion oder die Ausbildung zum approbierten Psychotherapeuten. »Wir leisten mit dem Master-Programm die Primärausbildung von angehenden Psychotherapeuten, um den regionalen Nachwuchsbedarf an psychologischen Psychotherapeuten zu befriedigen«, sagt der Studiengangsbeauftragte.

Der neue Master-Studiengang Human- und Molekularbiologie ist an der Schnittstelle von Medizin und Biowissenschaften angesiedelt. Im Unterschied zu klassisch biologischen Studiengängen stehen molekulare und pathophysiologische Aspekte menschlicher Erkrankungen in seinem Mittelpunkt. Das forschungsbasierte Master-Programm findet zu gleichen Teilen an der medizinischen und der naturwissenschaftlich-technischen Fakultät der Saar- Uni statt und wird vom Zentrum für Human- und Molekularbiologie (ZHMB) getragen. »Die Master-Studenten vertiefen ihr Wissen in vier biomedizinischen und molekularbiologischen Schwerpunktmodulen, die jeweils eng an die Forschungsschwerpunkte der Saar-Uni angelehnt sind«, erläutert der Leiter des ZHMB, Professor Manfred Schmitt. »Das sind die Bereiche Infektionsbiologie, Tumor- und Epigenetik, Signalleitung und Transport sowie Hormone, Stress und Gedächtnis.« Zur theoretischen Erarbeitung eines Forschungsvorhabens samt Forschungsantrag in den beiden ersten Semestern kommt im zweiten Studienjahr ein mehrmonatiges Laborpraktikum hinzu, das den Grundstein für die experimentelle Master-Arbeit legt. »Unseren besten Studenten bieten wir darüber hinaus die Option eines ›Fast- Track-PhD‹, bei dem die Kandidaten bereits nach dem ersten Master-Jahr in die Promotionsphase eintreten können «, erklärt Manfred Schmitt. Hierauf aufbauend werde zurzeit auch an der Konzeption eines deutsch-französischen Master- beziehungsweise PhD-Programms gearbeitet. Dieses soll gemeinsam mit der Universität Straßburg nach dem Vorbild des erfolgreichen binationalen Bachelor-Studiengangs Molekularbiologie realisiert werden und ebenfalls unter dem Dach der Deutsch-Französischen Hochschule angeboten werden.

_Gerhild Sieber/Thorsten Mohr


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