Wie man das Nachmittagstief mit neuen Lehrmethoden austrickst

Wie man das Nachmittagstief mit neuen Lehrmethoden austrickst


Im Zentrum für Schlüsselkompetenzen der Saar-Uni können sich Dozenten und Studenten fortbilden. Angeboten werden Kurse zur Hochschuldidaktik, rund ums wissenschaftliche Arbeiten und den Berufseinstieg sowie zur Weiterentwicklung persönlicher, methodischer und sozialer Kompetenzen. 

Aufstehen, nach vorne gehen und einen Beitrag zum Unterricht leisten – in Lehrveranstaltungen während des Nachmittagstiefs kann das bei Studenten Wunder bewirken. Das hat Nora Luniak im Seminar »Lehren und Lernen in Theorie und Praxis« gelernt und in ihrem eigenen Unterricht gleich umgesetzt. »Bei dieser so genannten Glückstopf- Methode bekommt jeder Student eine Karteikarte mit einem Begriff, mit dem er dazu beiträgt, an der Tafel einen biologischen Vorgang zu rekapitulieren. Auf diese Weise sind alle Studenten beteiligt, ohne dass einer zu sehr exponiert wird«, erklärt die promovierte Naturwissenschaftlerin. Sie hält Lehrveranstaltungen für Bioinformatiker, Biotechnologen und Pharmazeuten, und da sie ihren Unterricht noch besser am Bedarf der Studenten orientieren will, hat sie sich in etlichen Hochschuldidaktik-Workshops im Zentrum für Schlüsselkompetenzen fortgebildet.

Die Hochschullehre mit einem variantenreichen Angebot zur Vermittlung hochschuldidaktischer Kompetenzen weiterzuentwickeln, ist ein Hauptanliegen des 2008 gegründeten Zentrums. »Seit zwei Jahren bieten wir für alle Dozenten der Universität des Saarlandes eine breite Palette von Hochschuldidaktik-Workshops sowie Beratung und Coaching an«, sagt Birgit Roßmanith, die das Zentrum leitet. »Zurzeit haben wir drei Module«, erläutert sie. »In den hochschuldidaktischen Basisworkshops lernen die Teilnehmer beispielsweise aktivierende Lehr-Lern-Methoden sowie Präsentationsmethoden kennen, oder sie üben, wie sie Mimik, Gestik und ihre Stimme besser einsetzen können «. Bei den Vertiefungskursen gehe es dann um Motivationsförderung, die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, von wissenschaftlichem Schreiben, von forschendem Lernen oder um moderne Bildungstechnologien in der Hochschullehre. Rund 70 bis 80 Plätze stehen pro Semester zur Verfügung, und jeder, der sich anmeldet, bekommt mindestens einen Workshop-Platz angeboten, versichert Roßmanith. Wer alle drei Module mit je 40 Unterrichtsstunden erfolgreich abgeschlossen hat, erhält das Hochschuldidaktik- Zertifikat der Universität des Saarlandes. Zu den ersten elf Absolventen, die ihr Zertifikat bei der diesjährigen Tagung des Zentrums im Juli erhielten, gehört auch Nora Luniak. »Die Absolventen können damit professionelle Lehr-Lern-Kompetenzen nachweisen«, sagte Manfred Schmitt, der Vizepräsident für Studium und Lehre, bei der Zertifikatsübergabe.

Dass nicht nur Nachwuchswissenschaftler ihre Lehrveranstaltungen optimieren wollen, sondern auch Professoren daran reges Interesse haben, beweist die Einrichtung von Professoren-Workshops. Die Idee dazu hatte der Chemie- Professor Guido Kickelbick. Im vergangenen Semester wurde sein Vorschlag gleich erfolgreich umgesetzt: Am ersten Workshop im Kloster Hornbach nahmen 14 Professorinnen und Professoren der Saar-Uni und der Hochschule für Technik und Wirtschaft teil. »Ich habe mich intensiv mit den Kollegen ausgetauscht und neue Methoden kennen gelernt, die ich nun auch in meinen Vorlesungen anwende. Toll ist, wenn die dann bei den Studenten gut ankommen«, erzählt Kickelbick, der sich darüber freut, dass im Juli bereits der zweite Workshop stattfand.

Doch auch Studenten können vom Angebot des Zentrums für Schlüsselkompetenzen profitieren: Der so genannte Career Service bietet ihnen Workshops und Mentoring rund um Studium, Bewerbung und Berufsvorbereitung. »Die rund 250 Plätze pro Semester werden intensiv von den Studierenden nachgefragt, um ihre persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen zu erweitern «, sagt Birgit Roßmanith. Zur Auswahl stehen Kurse wie »Schneller lesen – besser verstehen«, »non-verbale Kommunikation«, »Stressmanagement«, »Projektmanagement «, »Voice Coaching« oder »Assessment Center«. Der Student Tobias Liefke hat an fast allen Workshops teilgenommen. »Man nimmt jede Menge Handwerkszeug für den Berufsstart mit«, lobt er das Programm. Ein weiterer Vorteil: Studenten im Bachelor-Optionalbereich der Philosophischen Fakultäten können sich viele der Veranstaltungen als Studienleistung anerkennen lassen.

Seit dem Sommersemester 2011 gibt es außerdem das Teaching- Assistant-Programm, das es auch Studenten ermöglicht, Hochschuldidaktik-Workshops zu belegen, wenn sie zukünftig als studentische Lehrkraft arbeiten wollen. »Die hier erworbenen Lehr-Lern-Kompetenzen können die Studierenden sowohl in der Hochschullehre als auch in anderen beruflichen Feldern, in denen Wissen vermittelt wird, außerhalb der Universität nutzen«, beschreibt Universitätspräsident Volker Linneweber die Vorzüge des Angebots. Zu den derzeit elf Studenten im Programm gehört auch Julia Bettscheider. Die Studentin, die gerade ihren Magister in der Tasche hat und nun eine Promotion anstrebt, hat an einem zweitägigen Basisworkshop zum Thema »Lehren und Lernen« teilgenommen. »Wir haben beispielsweise gelernt, wie man sicherer mit studentischen Gruppen umgehen kann und in die Rolle als Lehrender hineinfindet oder wie man Studenten motivieren kann«, erzählt sie. Der Workshop sei »total gut« und »super geplant« gewesen. Und: »Ganz wichtig war der Austausch mit Studenten aus anderen Bereichen.«

_Gerhild Sieber

Das Zentrum für Schlüsselkompetenzen ist im Rahmen von Einzelprojekten mit vielen Einrichtungen und Fächern der Uni vernetzt. Zudem sind bereits Angebote für weitere Zielgruppen der Universität in Planung.
www.uni-saarland.de/schluesselkompetenzen