Brückenbauer in ein suchtfreies Leben

Brückenbauer in ein suchtfreies Leben


Suchterkrankungen verhindern und Betroffenen helfen, das ist das Ziel von Bernhard Blank. Er ist Vorstandsmitglied im Personalrat des Verwaltungs und Technischen Personals an der Universität des Saarlandes und seit dem vergangenen Jahr als Sucht- und Präventionsbeauftragter tätig. Dabei berät er auch Uni-Mitarbeiter, die psychisch erkrankt sind.

Ich kann nicht mehr«, denkt die Uni-Mitarbeiterin. Im Frühjahr hat sie einen neuen Chef bekommen, er hat ihr gleich eine schwierige Aufgabe gegeben, die sie nicht bewältigen kann. In ihrer Ehe klappt es auch schon seit Jahren nicht mehr. Nun hat ihr Mann angekündigt, sich scheiden zu lassen. Sie greift zum Alkohol, um ihren Kummer zu vergessen. Bald fängt sie auch an, während der Arbeitszeit zu trinken. Einer ihrer Kollegenmacht sich Sorgen und sucht Hilfe, die bekommt er seit dem vergangenen Jahr direkt auf dem Campus.

»In der Hälfte der Fälle sind es die Kollegen, die zu mir kommen. Weitere 45 Prozent, die Rat suchen, sind die Chefs und ganz selten bittet ein Süchtiger selbst um Hilfe«, sagt Bernhard Blank. Er ist seit dem vergangenen Jahr Sucht- und Präventionsbeauftragter an der Universität des Saarlandes und wird in Fällen wie dem mit der fiktiven Uni-Mitarbeiterin aktiv. »Ursachen für Sucht oder Auslöser für psychische Krankheiten sind oft Stress, neue Aufgaben, Umstrukturierungen, aber auch familiäre Probleme«, so Bernhard Blank. In persönlichen Gesprächen mit den Betroffenen nimmt er sich Zeit.»Eine Sucht ist eine Krankheit. Ich mache eine Therapieberatung und empfehle den Betroffenen oft, sich behandeln zu lassen. Dabei ist es wichtig, dem betroffenen Menschen Wertschätzung entgegenzubringen und die Atmosphäre des ersten Gespräches so angenehm wie möglich zu gestalten«,betont Bernhard Blank. Er hält enge Kontakte zu Selbsthilfegruppen, Ärzten und Kliniken und vermittelt kranke Mitarbeiter dorthin. Mit seiner Arbeit will er verhindern, dass es für den Betroffenen aufgrund schlechter Leistungen zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen wie Abmahnung oder sogar der Kündigung kommt. Dann sucht er, wenn es der Betroffene will, gemeinsam mit der Personalabteilung eine Lösung. In den meisten Fällen gelingt ihm das.

Bernhard Blank führt zunehmend auch Beratungsgespräche mit Mitarbeitern, die psychische Probleme haben. Zurzeit absolviert er berufsbegleitend noch ein Studium zum Gesprächstherapeuten, um besser herausfinden zu können, welches Krankheitsbild vorliegt und die Betroffenen noch gezielter an passende Einrichtungen vermitteln zu können. Er ist mit Herzblut Berater und geht ganz in seiner Arbeit auf, obwohl die oft nicht einfach ist. »Für mich ist es ein großer Teilerfolg, wenn jemand trocken aus einer Therapie an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt«, sagt er. Bernhard Blank unterstützt in diesem Fall den Mitarbeiter auch bei der Wiedereingliederung und berät seine Vorgesetzten.

Der Sucht- und Präventionsbeauftragte will in diesem Jahr spezielle Schulungen für Vorgesetzte anbieten und plant gemeinsam mit der Personalabteilung eine Informationsveranstaltung über den Umgang mit abhängigen Menschen. Ein weiteres großes Ziel von Bernhard Blank ist es nämlich, dass Mitarbeiter erst gar nicht erkranken. Hier arbeitet er eng mit universitären Einrichtungen wie dem Hochschulsport, dem Amt für Arbeits- und Umweltschutz, den Personalräten, der Personalabteilung und dem betriebsärztlichen Dienst zusammen. »Die Uni macht viel für Gesundheit und Prävention, deshalb möchte ich im Jahr 2013 die Tagung Betriebliche Suchtprävention und Gesundheitsförderung an Hochschulen und Universitätskliniken hierher holen«, betont er.

Persönlich hat Bernhard Blank, wie er mehrfach betont, seinen Traumjob gefunden, ermuss aber auch selbst verkraften, was ihm die Betroffenen in der Beratung erzählen. Neben einem intakten Familienleben und seinem Hobby, der Jagd, macht er regelmäßig eine sogenannte Supervision: »Ich arbeite im Gespräch mit einem Psychologen die Dinge ab und leere wie bei einem Computer meine Festplatte, danach gehe ich auf Neustart. Mit meinen Hilfsangeboten baue ich den Betroffenen eine Brücke, über die sie in ein suchtfreies Leben gehen können.«

_Irina Urig

E-Mail:
b.blank(at)mx.uni-saarland.de