Die Uni unter Not-Strom

Die Uni unter Not-Strom


Die Trafo-Station der Saar-Universität hat vier Jahrzehnte lang störungsfrei ihren Dienst getan. Jetzt muss sie ausgetauscht werden, um den wachsenden Strombedarf auf dem Campus auch in Zukunft zu decken. Vom 23. bis 25. September wird dafür die Stromversorgung der Universität so stark gedrosselt, dass sie nur der Nachtstrommenge entspricht. Dem Wissenschaftsbetrieb muss vorübergehend der Schlafmodus verordnet werden.

Ein unscheinbares Gebäude auf dem Uni-Campus wird im September alle Blicke auf sich ziehen. Es befindet sich am hinteren Ende des langgestreckten Gebäudes C5 2. An grünen Stahltüren lassen die Schilder »Hochspannung. Vorsicht! Lebensgefahr « nur erahnen, dass hier im Trafo-Gebäude quasi das Herz der Universität schlägt. Über eine von zwei 35.000- Volt-Leitungen zwischen Dudweiler und dem Eschberg kommt fast die gesamte Elektrizität für den Uni-Campus hier an. Die Hochspannung wird im Trafo-Gebäude zuerst in 10.000-Volt-Spannung umgewandelt und auf zwei Stromkreisläufe und elf kleinere Trafostationen auf dem Campus verteilt.

Für den Austausch des Haupt-Trafos werden im September nur 46 Stunden zur Verfügung stehen. »Im Wettlauf mit der Zeit müssen die Techniker den alten Trafo aus dem Gebäude hieven und das Fundament für den 23 Tonnen schweren neuen Trafo verstärken, diesen einbauen und dann alle Schaltkästen austauschen und neu verkabeln«,erläutert Alois Etringer, Leiter des Facility Mangements der Saar-Uni. Gemeinsam mit den Stadtwerken, dem Amt für Bau und Liegenschaften und mehreren Firmen werden die Uni-Mitarbeiter den Ablauf minutiös planen und nichts dem Zufall überlassen. Die größte Herausforderung wird sein, die Notstromversorgung in dieser Zeit sicherzustellen. Die Stadtwerke Saarbrücken werden maximal ein Viertel der üblichen Stromleistung liefern können. Das entspricht ungefähr der Menge, die sonst während der Nacht auf dem Campus verbraucht wird. Rund um die Uhr hängen zum Beispiel die Server in den Rechenzentren, die Kühlräume in der Mensa oder empfindliche Geräte in den Laboren am Netz. »Für diese absolut notwendigen Verbraucher werden wir auch während des Trafo-Austausches Strom liefern. Alle anderen Geräte müssen vom Netz, damit die Noteinspeisung nicht zusammenbricht «, sagt Etringer.

Seine Mitarbeiter haben zu allen Wissenschaftlern und Instituten Kontakt aufgenommen, um herauszufinden, welche Anlagen auf keinen Fall ohne Strom sein dürfen. Mit einer umfangreichen Kampagne und eigener Webseite werden alle Uni-Mitarbeiter laufend über den Trafo-Austausch informiert, denn bereits im August müssen einzelne Gebäude zeitweise vom Netz. Der Leiter des Facility Managements sieht in der Modernisierung der Stromversorgung, die insgesamt 7,5Millionen Euro kosten wird, vieleVorteile. So wird die Leistung der bisherigen Anlage mit 6,3
Megavoltampere (MVA) durch den neuen 12,3 MVA-Trafo fast verdoppelt. Allein dieser Trafoaustausch schlägt mit 1,3 Millionen Euro zu Buche und soll für weitere Neubauten ausreichen. Die zwei Stromkreisläufe auf dem Campus werden zudem um einen dritten erweitert. »Dies macht die Stromversorgung deutlich sicherer, da im Störfall dann nur einzelne Bereiche der Uni betroffen sind«, erklärt Etringer. Außerdem soll der alte Trafo an anderer Stelle wieder aufgebaut werden, damit man ihn im Notfall und bei Wartungsarbeiten zuschalten kann.

_Friederike Meyer zu Tittingdorf

Weitere Informationen:www.uni-saarland.de/stromausfall