Beim Spagat zwischen Kind und Karriere werden auch Väter unterstützt

Beim Spagat zwischen Kind und Karriere werden auch Väter unterstützt


Kind und Karriere unter einen Hut bringen – das wünschen sich auch immer mehr Väter. Die Universität will sie dabei unterstützen und eine väterfreundliche Unternehmenskultur aufbauen. In verschiedenen Workshops wurden unter anderem Ideen und Wünsche von Männern und Vätern an der Uni zusammengetragen. Campus stellt zwei Väter und ihre Familien vor.

Um 8:25 Uhr parkt Peter Tischer sein Auto unterhalb der Mensa und hebt Maxime aus seinem himmel blauen Kindersitz. Der will heute nicht laufen, also nimmt der Papa seinen blond gelockten Zweijährigen auf den Arm. Auf dem letzten Wegstück zur Kita schaut Maxime wie jeden Morgen in die großen Büro-Fenster im Mensa-Untergeschoss. Er winkt den Mitarbeitern des Studentenwerks zu und murmelt ein »Hallo« mit seinem Schnullermund. In der Kindertagesstätte hängen aus buntem Pappkarton ausgeschnittene Ostereier von der Decke. Vater Tischer zieht seinem Sohn weiche Hausschuhe an und verstaut das gelbe Kapuzenmäntelchen in Maximes Holzspind. Im nächsten Augenblick schon hat der Kleine seinen Schnuller beiseite gelegt und trabt auf einen Tisch im Kinderzimmer zu – seinen Lieblings-Fruchtjoghurt fest umklammert. Kindergärtnerin Christine empfängt ihn mit einem weißen Lätzchen, und Freund Benjamin ist auch schon zur Stelle. Papa bekommt keinen Abschiedsgruß mehr, dafür ist Maxime in diesem Augenblick viel zu beschäftigt.

»So, das wäre geschafft«, freut sich Peter Tischer, der auf dem Weg zur Uni auch schon seinen ältesten Sohn, den vierjährigen Mathieu, in der französischen Vorschule in der Halbergstraße abgeliefert hat. Wie jeden Morgen besorgt er sich jetzt in der Mensa-Cafeteria zwei Croissants fürs Frühstück im Büro. Spätestens um 8:45 Uhr will Tischer, der das Sprachenzentrum an der Uni leitet, an seinem Arbeitsplatz sein. Von der Haustür in St. Arnual bis zu seinem Schreibtisch braucht er rund eine Stunde, um seine Söhne für den Vormittag unterzubringen. Ab der Mittagszeit übernimmt seine Frau Maha die Kinder. »Wir haben eine eher klassische Rollenverteilung, bei der meine Frau die Hauptlast der Kinderbetreuung trägt«, räumt Tischer ein. Maha Tischer ist freiberufliche Dozentin für Französisch und Arabisch an der Saar-Uni – »wegen der Kinder mit reduzierter Arbeitszeit«.

Peter Tischer gehört zu den Beschäftigten der Saar-Uni, die ihre Rolle als Vater ganz bewusst mit den Anforderungen, die der Berufsalltag an sie stellt, vereinbaren wollen. Seit einiger Zeit werden sie hierbei von der Universität unterstützt, die seit 2004 Jahren das Zertifikat familiengerechte Hochschule besitzt. »Im vergangenen Jahr sind wir von der berufundfamilie gGmbH als familienfreundliche Hochschule erneut erfolgreich reauditiert worden. In diesem Zusammenhang haben wir uns vorgenommen, die Gruppe der Männer und Väter genauer in den Fokus zu nehmen«, berichtet Sybille Jung. Die promovierte Sozialwissenschaftlerin leitet die Stabsstelle Chancengleichheit, zu der das audit familiengerechte hochschule gehört.

»Workshops für Väter und die es werden wollen« werden bereits seit 2006 angeboten. Peter Tischer, der mit seinen Söhnen das Campus-Titelbild ziert, hat schon an drei »Väter- Workshops« teilgenommen. Beim ersten Mal war er noch kinderlos. »Ich wollte mich informieren, was auf mich zukommt«, meint er schmunzelnd. »Väter-Workshops an Hochschulen waren etwas völlig Neues. Das Konzept dazu habe ich gemeinsam mit den Referenten entwickelt und die Umsetzung von Anfang begleitet«, erzählt Sybille Jung. »Dabei zeigte sich, dass Familienfreundlichkeit ein wichtiges Thema für Männer ist.« Trotzdem nähmen Männer noch viel seltener als Frauen Angebote in Anspruch, mit denen sie Job und Kinder besser unter einen Hut bringen können.

 


Einer, der von den gesetzlichen Regelungen für Väter bald Gebrauch machen will, ist Thorsten Bornträger (Bild oben). Der Geschäftsführer des Dekanats der Philosophischen Fakultät II ist Vater der neun Monate alten Emely. Für den Sommer plant er eine zweimonatige Elternzeit. »Ich will unbedingt Zeit mit meinem Kind verbringen«, freut sich der junge Vater. Rein verwaltungstechnisch sei die Elternzeit überhaupt kein Problem, und die Beratung durch die Personalabteilung sei kompetent und unkompliziert.» Allerdings hätte ich mir gewünscht, bei der Suche nach einer Vertretung während der Elternzeit unterstützt zu werden«, bedauert er. Daher bedeutet die Organisation seiner Auszeit jede Menge Aufwand für ihn und sein Arbeitsumfeld. Sorechnet Thorsten Bornträger auch während der Elternzeit mit zehn bis 15 Arbeitsstunden pro Woche und regelmäßigen Präsenztagen an der Uni, um Chaos an seinem Arbeitsplatz zu vermeiden.

Auch Bornträger hat Anfang dieses Jahres an einem Workshop teilgenommen, zu dem er im Rahmen einer neuen Initiative zum Thema Väter an der Saar-Uni eingeladen war. »Das war sehr interessant, weil viele Gruppen dabei waren, auch Vertreter der Personalabteilung und der Studenten.«Er habe viel über die Situation anderer erfahren.» Da gab es beispielsweise Aussagen von Uni-Mitarbeitern wie: ›Mein Chef interessiert sich nicht für mein Privatleben, die Arbeit muss laufen.‹« Am eigenen Arbeitsplatz hat Bornträger Glück: »Mein Chef, Dekan Erich Steiner, ist sehr verständnisvoll. Ich kann meine Arbeitszeit relativ flexibel gestalten.« Als seine Tochter geboren wurde, konnte er auf der Stelle Urlaub nehmen: »Der Urlaubsschein lag quasi unterschrieben auf meinem Schreibtisch.« Im Gegenzug war er während dieser Zeit auch zu Hause für die Kollegen erreichbar. Ab 1.Oktober wird Emely in der Kindertagesstätte für Bedienstete der Uni betreut. Bornträgers Frau Christina, die ihre Arbeit als Software-Entwicklerin derzeit auf zehn Stunden pro Woche reduziert hat, will dann wieder mehr arbeiten.

Klare Vorgaben für Vorgesetzte ist eines der Ergebnisse, die sich Thorsten Bornträger von der Auseinandersetzung mit dem Thema »Väter« erhofft. Dazu erläutert Sybille Jung: »Zu Jahresanfang haben wir eine neue Initiative gestartet, ein ›Väter-Audit‹. Damit sprechen wir genau diese Zielgruppe der Führungskräfte an – unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Fächerkulturen. « DasVäter-Audit, das in enger Rückkopplung mit der Universitätsleitung und den Fakultätsleitungen durchgeführt wird, werde in diesem Jahr sicherlich noch spannende Ergebnisse und Initiativen hervorbringen, ist sich die Leiterin der Stabsstelle Chancengleichheit sicher. »In einem Workshop mit Führungskräften haben wir Anfang des Jahres erste Schritte getan und überlegt, wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hier an der Uni aussieht – und zwar aus der individuellen Sicht der Väter und aus der Sicht der Vorgesetzten.«

Als Vorgesetzter ist auch Peter Tischer betroffen, denn am Sprachenzentrum arbeiten viele Frauen mit kleinen Kindern: »Es ist ganz klar, dass eine Mitarbeiterin– auch während einer Sitzung – zu einer bestimmten Zeit aufbrechen muss, um zum Beispiel ein Kind abzuholen«, sagt Tischer und fügt hinzu: »Das nutze ich selber jetzt auch.« Er achte auf ein kinderfreundliches Klima in seinem Team – was Männern und Frauen zu Gute kommt. »Für Eltern, die permanent wenig verfügbare Zeit haben und ständig eine Betreuung organisieren müssen, bedeutet dies, dass größtmögliche Flexibilität gewährt wird.« Für spontane Notfälle steht im Institut eine Legokiste bereit – »doch eine organisierte ambulante Kinderbetreuung wäre eine enorme Erleichterung«, findet Tischer. Ein Problem sind für den Leiter des Sprachenzentrums auch Dienstreisen, bei denen er mitunter drei oder vier Tage lang unterwegs ist.» Warum sollte man sein Kind nicht auf die Reise mitnehmen können?«, stellt er in den Raum.

Viele Ideen und Wünsche hätten sich bereits aus der Evaluation der Väter-Workshops ergeben, berichtet Sybille Jung. Ein großes Anliegen der Workshop-Teilnehmer sei, dass das Interesse der Uni an Vätern noch viel sichtbarer werde; außerdem sei die Gründung eines Väternetzwerkes vorgeschlagen worden. »Es gibt reichlich Handlungsbedarf. Einige Dinge lassen sich sicherlich einfach formal regeln, andere werden über Individualfälle erst langsam deutlich«,resümiert sie. »Die Uni will eine Kultur etablieren, die sich von alten Rollenmustern verabschiedet und die es salonfähig macht, Vater zu sein – auch als Führungskraft.« Mit der professionellen Unterstützung der Väter gGmbH aus Hamburg sei geplant, eine » väterfreundliche Unternehmenskultur« an der Universität des Saarlandes aufzubauen, die die Belange von Vätern und Müttern berücksichtigt.»Im Wettbewerb um die besten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen steigert dies sicherlich auch die Attraktivität der Hochschule«, ist Sybille Jung überzeugt.

_Gerhild Sieber

www.uni-saarland.de/auditfamilie