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Französische Chansons für Lehre und Forschung 




Eine Bibliothek mit 20.000 Titeln? Da erwartet man hohe Räume mit langen Regalen. Fast enttäuscht blickt man im Chansonarchiv der Saar-Uni auf nur eine Regalwand mit einigen hundert CD-Hüllen. Doch diese Musikbibliothek birgt einen wahren Schatz, der darauf wartet, von Studenten, Wissenschaftlern und Lehrern gehoben zu werden. »Das Archiv bildet die Chansongeschichte ab, im Wesentlichen von 1950 bis heute. Von Klassikern wie Piaf, Brassens, Trenet reicht es über die großen 80er-Jahre Stars wie Cabrel oder Goldman bis hin zu aktuellen Stars wie Benabar, La Grande Sophie oder ZAZ – und gibt so ein getreues Hörbild des unglaublichen Reichtums der frankophonen Popmusik«, erklärt Gerd Heger. Der Journalist vom Saarländischen Rundfunk, der auch unter dem Namen »Monsieur Chanson« bekannt ist, hat seine große CD-Sammlung vor einem Jahr der Saar-Uni als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Das Chansonarchiv, das in der Bibliothek der Musikwissenschaft untergebracht wurde, enthält den zweitgrößten Bestand an französischsprachigen Liedern in Deutschland. Größer ist nur die Sammlung des Saarländischen Rundfunks, die noch tiefer in die Vergangenheit zurückreicht. 

»Das Chanson-Archiv wurde von Gerd Heger seit Anfang der 90er Jahre aufgebaut. Es deckt nicht nur alle bedeutenden französischen Musiker ab, sondern enthält auch viele Interpretationen von belgischen, afrikanischen und schweizerischen Künstlern«, erläutert Rainer Kleinertz, Professor für Musikwissenschaft, der das Archiv an der Saar-Uni betreut. Finanziert aus Kompensationsmitteln hat seine Mitarbeiterin Brigitte Wojtyniak über Monate hinweg den gesamten Bestand digitalisiert. Für jedes der rund 20.000 Musikstücke hat sie Interpret, Titel und Booklet erfasst, jede CD-Hülle im Regal fein säuberlich beschriftet. »Damit können wir jetzt das Archiv einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, damit jeder Interessierte die Chansons für wissenschaftliche Studien oder auch für den Unterricht nutzen kann«, sagt Kleinertz. 

Auf der Webseite des Chansonarchivs sind alle Alben alphabetisch nach Interpret erfasst. Klickt man auf das abgebildete Booklet, kann man alle Chanson-Titel einer CD erkennen. »In der Bibliothek selbst hat man Zugriff auf eine Datenbank, die eine detaillierte Suche nach einzelnen Stükken und Themen wie etwa Liebe oder Verrat ermöglicht«, erläutert Wojtyniak. Die Chansons können dann vor Ort auch angehört und ausgewertet werden. »Dies macht das Archiv auch für Französisch-Lehrer im Saarland attraktiv, die mit Chansons ihren Unterricht lebendiger gestalten möchten«, meint Rainer Kleinertz, der auf die großzügigen Öffnungszeiten der musikwissenschaftlichen Bibliothek verweist. Der Professor hofft aber auch, dass die Studentinnen und Studenten das Chansonarchiv entdecken, um zum Beispiel über afrikanische Künstler oder die französische Chansonkultur im Vergleich zu deutscher Schlagermusik eine Seminararbeit zu schreiben. »Der große Musikbestand zu einem Genre bietet nicht nur Studenten der Musikwissenschaft reizvolle Fragestellungen. Auch für Romanisten dürfte es spannend sein, politische und gesellschaftliche Entwicklungen anhand der Chansons nachzuspüren «, meint Kleinertz. In Zukunft sollen dazu auch Seminare und Vorträge sowie Veranstaltungen für eine breitere Öffentlichkeit wie etwa Chansonabende auf dem Uni-Campus angeboten werden. 

_Friederike Meyer zu Tittingdorf 

Das Chanson-Archiv in der Musikwissenschaftlichen Bibliothek (Geb. C 5.2) ist montags bis donnerstags von 10 bis 20 Uhr, freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. 

Weitere Informationen: www.uni-saarland.de/fak3/chansonarchiv