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Bildung und Forschung sind ein unerlässliches Standbein einer Wissensgesellschaft. Doch in Zeiten klammer Staatskassen fehlen Gelder für Lehrpersonal und Forschungsmittel an Universitäten an allen Ecken und Enden. Wo dem Staat zunehmend das Geld ausgeht, werden Privatleute, Unternehmen, Verbände und Stiftungen immer wichtiger. Sie stellen finanzielle Mittel für Forschung und Lehre bereit. Eine bedeutende Rolle dabei spielen Stiftungsprofessuren, von denen es in Deutschland derzeit etwa 1.000 gibt – mit steigender Tendenz. Drei Stiftungsprofessoren an der Universität des Saarlandes stellt campus in dieser Ausgabe näher vor. 



Olaf Kühne ist seit Oktober 2010 Professur für Nachhaltigkeitswissenschaft an der Saar-Uni. Seine Professur wird von der Europäischen Akademie Otzenhausen, der Stiftung Forum für Verantwortung und der Asko-Stiftung fünf Jahre getragen. »Ziel dieser Professur ist es, die Idee der nachhaltigen Entwicklung ins Denken und Handeln künftiger Akademiker zu verankern«, erklärt Kühne. Die Nachhaltigkeitswissenschaft sei ein breit aufgestellter Studiengang, bei dem Themen aus verschiedenen Blickwinkeln und Zusammenhänge aus Bereichen wie Ökologie, Ökonomie, Politik und Soziologie näher betrachtet werden. Die Studenten sollen zum Beispiel lernen, welche Rolle der Klimawandel bei künftigen Stadtplanungen spiele oder verantwortungsvoll mit den Ressourcen der Erde umzugehen. Insgesamt werde der Studiengang sehr gut angenommen. »Die Studenten kommen beispielsweise aus der Physik, der Philosophie oder den Materialwissenschaften«, berichtet der Professor. Dies ermögliche unterschiedliche Perspektiven, was in den Seminaren oft zu spannenden Diskussionen führe. »Wir versuchen generell zu verstehen, welche Eigenlogik hinter ökologischen, ökonomischen, sozialen oder politischen Gegebenheiten steht«, erklärt er. So sei es möglich, Konzepte mit einer nachhaltigen Perspektive zu entwickeln. Der Nachhaltigkeitsforscher und sein Team untersuchen unter anderem die saarländische Gesellschaft und die Folgen des demographischen Wandels. Das Saarland könne hier eine Vorreiterrolle in der Nachhaltigkeit einnehmen. Der demographische Wandel erhöhe an der Saar deutlich den Forschungsdruck, da zunehmend Fragen, etwa in der Raumgestaltung oder im Gesundheitswesen, aufkämen und geklärt werden müssten. 

Darüber hinaus hat der promovierte Geograph und Soziologe gerade ein Buch zur Stadtentwicklung von Los Angeles fertig gestellt, in dem er die kalifornische Megametropole kritisch beleuchtet. »Los Angeles ist ein geeignetes Negativ-Beispiel für nachhaltige Entwicklung, das zeigt, wie man es nicht macht«, erläutert Kühne. Nachhaltig zu leben, habe jeder selbst in der Hand. Und er gibt zu bedenken: »Konsumenten können mit ihren Kaufentscheidungen Einfluss auf Firmen nehmen.« Viele Unternehmen fragen den 38-Jährigen mittlerweile um Rat, wenn es darum geht, einen nachhaltigen Weg bei der Produktion oder Dienstleistung einzuschlagen. Außerdem nehme die soziale Nachhaltigkeit, wie der Umgang mit Angestellten, eine zunehmend wichtigere Stellung in vielen Betrieben ein, weiß Kühne. Kühne selbst bemüht sich, möglichst nachhaltig zu leben, wie der bekennende VfL Bochum-Fan erzählt: »Ich wohne zentral in Saarbrücken und versuche zu Fuß zu gehen, öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad zu nehmen. « Zudem nutze er, wenn möglich, moderne Telekommunikationsmittel anstatt zu Besprechungen zu reisen. 

Saarbrücken Informatik studierte und promovierte, befasst sich mit der künstlichen Intelligenz im Handel. Der Professor, der am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (dfki) forscht, nutzt dazu auch Räumlichkeiten in der Zentrale der Globus Warenhauskette in St. Wendel. »Das dfki hat hier auf einer Fläche von 500 Quadratmetern Labore und einen Versuchssupermarkt«, erzählt er. Krüger und sein Team sind mehrfach in der Woche in St. Wendel, um sich mit den Fachabteilungen auszutauschen. »In unserer Forschung können wir den Blick aufs Wesentliche richten, da wir mit realen Problemen aus dem Handel konfrontiert werden«, berichtet der Informatiker. Mitarbeiter des Warenhauses können Entwicklungen bewerten und nützliche Tipps geben. Die Forscher des dfki wiederum können sich in den Globus-Supermärkten vor Ort ein Bild machen. »Die vergangenen Jahre sind im Handel durch den Preisdruck geprägt worden«, erklärt er. Raum für Investitionen habe es kaum gegeben. Dieser Investitionsstau löse sich nun, sodass die Saar-Forscher spannenden Fragen nachgehen können – wie zum Beispiel: Wie kann man Smartphones im Einkaufsalltag sinnvoll nutzen? »Vorstellbar ist etwa ein Produktgedächtnis, das die komplette Lieferkette verfolgt und dem Konsumenten wichtige Informationen liefert«, sagt Krüger. Bei einer Nussallergie könne man etwa einen Schokoriegel mit dem Handy scannen, um zu erfahren, ob er Nüsse enthalte. Der Kunde erspare sich das mühsame Lesen der Zutatenliste. 

Darüber hinaus sei ein intelligentes System denkbar, das die Lebensmittel im Einkaufswagen erkennt und den Preis ermittelt, ohne dass die Ware auf ein Band gelegt werden müsse. Eine Anwendung, die Krügers Team bereits entwickelt hat, ist der Artikelfinder in der Globus-Filiale in Saarbrücken-Güdingen, der zum Beispiel hilft Mehl, Whiskey oder Ketchup im richtigen Regal zu finden. 

Das Einkaufsverhalten hat sich in den letzten Jahren durch das Internet enorm verändert. Krüger ist sich sicher, dass der Onlinemarkt weiter wachsen werde und neue Wege beim Einkaufen erschlossen werden: »Eine Technologie, die Einkaufslisten individuell nach Bedarf zusammenstellt und weiß, wann ein Käse oder die Schokocreme aufgebraucht ist, ist durchaus möglich.« Der Supermarkt werde künftig für den Kunden wohl eher zum Einkaufserlebnis, bei dem der Frische-Aspekt bei Waren wie Käse eine wichtige Rolle spielen dürfte, schätzt der 44-Jährige. Zunehmend rücke auch die Transparenz bei der Herstellung von Lebensmitteln in den Fokus, was der ehec- und der Dioxin-Skandal belegten. »Intelligente Technologien könnten Klärung bieten und ein Produkt von der Herstellung bis zur Auslieferung im Handel begleiten«, ergänzt Krüger. 

Eine weitere Stiftungsprofessur widmet sich der experimentellen Orthopädie und der Arthroseforschung. Henning Madry ist seit 2009 Lehrstuhlinhaber für Experimentelle Orthopädie am Uniklinikum in Homburg – bundesweit der einzige Lehrstuhl seiner Art, der von der Deutschen Arthrose-Hilfe e. V. für fünf Jahre gefördert wird. »Die Uni war bei der Einrichtung dieser Professur sehr innovativ «, sagt Madry. Obwohl es sich primär um eine Forschungsprofessur handle, sei er durch seine Sprechstunde für Rekonstruktive Knorpelchirugie in den Klinikalltag eingebunden. Er fungiere daher als Mittler zwischen Grundlagenforschung und klinischen Fragestellungen. Er behandelt vor allem junge Patienten mit komplexen Knorpelproblemen, die zum Teil aus dem ganzen Bundesgebiet anreisen. »Die Erfahrungen aus dem direkten Patientenkontakt kommen mir in der Forschung zugute«, erklärt der Professor, der mit seinem Team neue Therapieansätze für Knorpeldefekte entwickelt. »Arthrose ist eine chronische Volkskrankheit«, weiß er. »20 bis 30 Prozent aller 60-Jährigen haben radiologisch sichtbare Arthrose.« Einen Ansatz, den die Forscher verfolgen, basiert auf Erkenntnissen der Genforschung. »Bei der Arthrose sind bestimmte Substanzen, beispielsweise Wachstumsfaktoren, im Knorpel nur in geringem Maße vorhanden«, erläutert Madry. Injiziert man Patienten diese Faktoren in das betroffene Gewebe, hat das keinen lang anhaltenden Effekt, da die Substanzen schnell abgebaut werden. Schleust man aber bestimmte Gene in die geschädigten Knorpelzellen ein, können die Zellen die Faktoren selber wieder produzieren und zur Heilung des Gewebes beitragen. Madrys Team entwickelt Transportsysteme, die das Einschleusen der Gene in diese Zellen ermöglichen. Einen effektiven Ansatz hat Madrys Ehefrau, Privatdozentin Magali Madry, die ebenfalls am Uniklinikum als Molekularbiologin auf dem Gebiet der Arthrose forscht, entwickelt: Ein spezielles Vehikel, ein so genannter viraler Vektor, transportiert die Gene in die Zellen. Derzeit steckt diese Forschung noch im Anfangsstadium – erste Versuche im Tiermodell sind aber vielversprechend. »Bis das Ganze am Menschen erprobt werden kann, wird es mindestens zehn Jahre dauern«, schätzt Madry. 

Für die Behandlung seiner Patienten greift er bereits heutzutage auf Knorpelzellen zurück, die im Labor gezüchtet werden. »Bei einem Knorpelschaden entnehmen wir dem Patienten eine Knorpel-Gewebeprobe und züchten daraus in einer Art Inkubator Zellen in einer Trägersubstanz, die die Zellen zusammenhält«, erläutert der 43- Jährige. Im Anschluss werde dem Patienten das Loch im Knorpel in einer Operation mit dem gezüchteten Gewebe aufgefüllt. 

Madry, der viele Jahre an der Harvard Universität und am Massachusetts Institute of Technology in den usa gearbeitet hat, ist im Saarland längst heimisch geworden. Aus seiner Zeit in den usa versucht er aber, den Leistungsgedanken zu bewahren und erläutert: »Dort sind die Hierarchien flacher und die eigene Leistung zählt mehr als der Status. Das versuche ich auch bei meiner Arbeit umzusetzen.« 

_Melanie Löw