Uni-Bibliothek erstrahlt in neuem Glanz

Uni-Bibliothek erstrahlt in neuem Glanz


Nach zwölfjähriger Bauzeit ist im Mai die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) wieder eröffnet worden. In verschiedenen Bauphasen wurden zunächst die Bücher in ein unterirdisches Magazin verlegt, dann zog die Verwaltung in den früheren Bücherturm um. Nun gibt es auch im modernisierten und erweiterten Benutzungsbereich eine Menge neuer Service-Angebote. Als Landesbibliothek ist die größte saarländische Bibliothek nicht nur für Studenten da – alle Saarländer können sie nutzen.

Im Schatten des bizarren Trompetenbaums vor dem Haupteingang haben es sich ein paar Studenten mit ihren Kaffeebechern bequem gemacht. Das ist neu und sieht einladend aus. Durch die gläsernen Schwingtüren mit ihren aufpolierten Messinggriffen aus den fünfziger Jahren geht es in die Eingangshalle. Sanftes Licht fällt durch die erleuchteten Lichtkuppeln auf den neuen, hellen Natursteinboden. Sofort fällt auf: Die große Ausleihtheke, die vor dem Umbau die zentrale Halle beherrschte, ist verschwunden. Stattdessen wurden hier Terminals eingerichtet, an denen Abholung und Rückgabe der Bücher voll automatisch ablaufen. »Die Rückgabestation funktioniert wie ein Flaschenautomat«, sagt Anne Schäpermeier, die Baureferentin der Universitäts- und Landesbibliothek (SULB). Richtig, nur gibt es hier kein störendes Rumpeln, sondern höchstens ein leises Surren, wenn sich das Fließband in Bewegung setzt, und die eingelegten Bücher wegtransportiert. Wer Literatur ausleihen will, muss sie wie bisher über den elektronischen Benutzerkatalog (OPAC) bestellen. »Die Bücher werden dann auf den Regalen in der Halle bereit gelegt«, erklärt Anne Schäpermeier, die auch die Benutzungsabteilung leitet, und demonstriert den Ausleihvorgang an einer der drei Selbstverbuchungsstationen. Das funktioniere inzwischen reibungslos und blitzschnell: Buch und Benutzerausweis werden auf einen Kartenleser aufgelegt und durch eine einzige Berührung des Monitors eingelesen. Weiterer Vorteil für die Nutzer: »Abholung und Rückgabe funktionieren somit auch in den Randöffnungszeiten, wenn kein bibliothekarisches Fachpersonal da ist.

« Zwölf Jahre haben Umbau und Sanierung der Uni- Bibliothek gedauert, bevor die größte Bibliothek des Landes im Mai dieses Jahres wieder eröffnet wurde. Verwirklicht wurde dabei ein Entwurf der Saarbrücker Architekten Professor Focht und Partner, die den Bau als moderne Bibliothek in das Baukonzept der fünfziger Jahre einpassten. Das war notwendig, weil das aus den fünfziger Jahren stammende Gebäudeensemble des Stuttgarter Architekten Richard Döcker im Jahr 1997 unter Denkmalschutz gestellt worden war. Warum das Mammutprojekt, das in drei Bauphasen ablief, Ende der neunziger Jahre in Angriff genommen wurde, erläutert Christine Hohnschopp, die mit der Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek betraut ist: »Das Büchermagazin und der Lesesaal hatten damals endgültig ihre Kapazitätsgrenzen erreicht, und der Verwaltungsbereich musste dringend modernisiert werden.« Also wurde in einem ersten Schritt ein neues unterirdisches Magazin  gebaut, in das 2003 der gesamte Bücherbestand umzog, der bis dahin im markanten »Bücherturm« untergebracht war. Das frei gewordene Hochhaus konnte somit für die Verwaltung umgebaut werden. Heute bieten die neuen Büros im zehnstöckigen Gebäude eine fabelhafte Aussicht über den Botanischen Garten und einen Teil des Campus. Im Jahr 2010 wurde der dritte Bauabschnitt in Angriff genommen: die Sanierung des ehemaligen Verwaltungstrakts und der Lesesäle in den vorderen Bereichen des Hauptgebäudes. »Unser Hauptziel war, den Benutzungsbereich zu erweitern «, sagt Christine Hohnschopp. »Allerdings mussten zuerst Teile der Bausubstanz, die marode waren, abgerissen und neu gebaut werden – unter Beachtung der Bestimmungen des Denkmalschutzes.«

Professor Bernd Hagenau, Direktor der sulb, freut sich über die großzügigen Räumlichkeiten im neuen Bibliotheksgebäude. »Bibliotheken werden heute verstärkt als Lernräume genutzt. Neben modernster Technik müssen sie daher eine freundliche Atmosphäre bieten, in der man sich gerne aufhält«, ist er überzeugt. Schon im Eingangsbereich wird deutlich, was er meint: Rechter Hand gibt es nun erstmals einen eigenen mit Vitrinen ausgestatteten Raum für Ausstellungen. Links, vorbei an der großen Infotheke, schließen sich die Fotostelle und auf zwei Etagen neue helle Infosäle für die Literaturrecherche an. Insgesamt 65 PC-Arbeitsplätze stehen jetzt zur Verfügung. Komplett saniert wurde auch der große Lesesaal, das Herzstück der alten wie der neuen Bibliothek. Hier herrscht konzentrierte Ruhe, der blaugraue Teppich dämpft alle Schritte. Wer durch die große Fensterfront ins Grüne schaut, denkt wohl kaum darüber nach, dass sich im Boden unter der Wiese das neue zweigeschossige Magazin der Uni-Bibliothek mit seinen fast 1,6 Millionen Büchern verbirgt. Mehr Platz im Lesesaal wurde durch eine neue Galerie geschaffen, die über die gesamte Länge des Raumes eingezogen wurde. Vor allem die geländernahen Tische scheinen bei den Studenten beliebt zu sein: Bei bester Aussicht über den Lesesaal sind hier an diesem Vormittag besonders viele Arbeitsplätze belegt. Von der Galerie aus erreicht man auch den neu eingerichteten Landeskundlichen Lesesaal in der ersten Etage des »Turms«: Wo in den frühen Jahren der Bibliothek einmal ein Kino untergebracht war, wird in Kürze eine markante Auswahl der Saarland-Literatur zur Verfügung stehen. Denn die sulb ist auch Landesbibliothek. »Wir sammeln einen Großteil der Literatur, die über das Saarland geschrieben wird, sowie die im Saarland verlegte Literatur «, erklärt Anne Schäpermeier. »Und: ›Landesbibliothek‹ bedeutet auch, dass alle Bewohner des Saarlandes die gesamte Bibliothek nutzen dürfen.«

Die Baureferentin erläutert darüber hinaus, dass der Nutzungsbereich jetzt in leise und etwas »aufgelockerte« Zonen gegliedert ist: »In den Lesesälen soll es ruhig sein, in den Info- oder Recherchesälen wird das nicht so streng gesehen, da kann man auch mal in der Gruppe etwas besprechen. « Vom großen Lesesaal aus erreicht man mehrere kleinere Lesesäle – und zwei Zonen, die explizit dem Entspannen gewidmet sind. So kann man im neuen Zeitungslesebereich in hellgrünen, geschwungenen Sesseln im Look der fünfziger Jahre versinken und bequem verschiedene Tageszeitungen studieren. Noch ein wenig ausladender und bequemer sind die Sessel im so genannten Lounge-Bereich genau eine Etage darüber: Korallenrot, mit ebensolchen Beinschemeln laden sie zum Füße-Hochlegen vor der großen Fensterfront ein.

Auch fürs konzentrierte Arbeiten sind neue Räume hinzugekommen – unter anderem drei Gruppenarbeitsräume am Ende der Infosäle. Außerdem soll es im Landeskundlichen Lesesaal bald 16 Einzelarbeitsplätze in ab-  schließbaren Glaskabinen, so genannten Carrels, geben. Sie sind für Studenten gedacht, die kurz vor dem Abschluss stehen. In den Carrels können sie ihre Arbeitsmaterialien lagern. Zugang zu allen Datenbanken der sulb und zum Internet haben die Nutzer im gesamten Gebäude auch über ihre eigenen Laptops. Eine weitere Neuerung ist der so genannte Freihandbereich im Souterrain, wo man sich die Bücher vor dem Ausleihen auch anschauen kann. Hier werden künftig alle Literatur-Neuanschaffungen der jeweils letzten zwei bis drei Jahrgänge aufgestellt.

Für Mütter und Väter, die ihren Nachwuchs zum Arbeiten in die Uni-Bibliothek mitbringen, wurde im ersten Obergeschoss ein neuer Eltern-Kind-Arbeitsraum eingerichtet. Neben einem Schreibtisch mit Recherchecomputer gibt es hier auch einen Kindertisch, Bücher und Spielzeug. »Die Möglichkeit, in einem abgeschlossenen Raum zu arbeiten und gleichzeitig eines oder mehrere Kinder zu beaufsichtigen, kommt bei jungen Eltern sehr gut an. Abgesehen von der Tatsache, dass viele überrascht sind, dass auch Spielsachen da sind«, berichtet Christine Hohnschopp.

Großer Beliebtheit sowohl zum Plaudern und Ausspannen als auch zum Arbeiten erfreut sich das neue Café »Starbooks« im ersten Obergeschoss, das man vom Eingang aus direkt über eine Treppe erreicht. Knallrote und blaue Sitzmöbel setzen hier farbenfrohe Akzente in dem ansonsten von Gelb- und Orangetönen dominierten Raum. Zu den kleinen, wohlüberlegten Einrichtungsdetails gehören die Lampen in Buchform über den Tischen.

Um viel mehr als Details geht es bei der künstlerischen Ausgestaltung der Bibliothek, die der Saarbrücker Maler Lukas Kramer verwirklicht hat. Seit 1976 arbeitet er in verschiedenen Projekten mit dem Architekten Bernhard Focht zusammen. »Unser gemeinsames Ziel ist es, integrierte Kunst im Architektur-Raum zu schaffen«, erläutert Kramer. Dazu gehöre es unter anderem, Farbgestaltung und Materialien aufeinander abzustimmen. So hat der Künstler beispielsweise in die holzvertäfelten Stirnseiten des großen Lesesaals, auf Höhe des Galeriebodens, in einer horizontalen Linie farbige Glasflächen eingesetzt, die den stufenlosen Hell-Dunkel-Verlauf von Lichtwellen zeigen. Die leuchtenden Farbbänder sollen die rustikal wirkenden Holzflächen beleben und gleichzeitig das Grundprinzip der seriellen Anordnung in der Bibliothek widerspiegeln. Die Strenge dieser Anordnung löst Kramer dann bei der Wandgestaltung neben dem Treppenaufgang zur Galerie auf: durch Farbbänder, die wie Mikadostäbe in unterschiedliche Richtungen aufsteigen.

_Gerhild Sieber


Die Universitätsbibliothek wurde 1954 in Betrieb genommen. Sie war der erste Bibliotheksneubau nach dem Krieg in Deutschland (wobei das Saarland erst seit 1957 wieder zu Deutschland gehört) und die erste Erweiterung des Saarbrücker Unicampus über das Ensemble der Below-Kaserne hinaus. Realisiert wurde ein Entwurf des Stuttgarter Architekten Professor Richard Döcker, der eine klare Dreiteilung in Magazin-, Verwaltungs- und Benutzungsbereich vorsah. Die SULB wurde 1997 als typische Repräsentantin des Baustils der 1950er Jahre unter Denkmalschutz gestellt.

Umbau und technische Erneuerung:
Von April 2000 bis Mai 2012 nach einem Entwurf des Saarbrücker Architekturbüros Professor Focht und Partner; es hatte bereits 1997 den Architektenwettbewerb gewonnen. Das ursprüngliche Bauwerk sollte weitgehend unverändert erhalten bleiben. Die Summe der Baukosten beläuft sich auf knapp 30 Millionen Euro.