Fit für Studium und Büro

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Das brandneue Fitnesszentrum »Uni-Fit« hat seit Kurzem geöffnet – Studenten und Uni-Mitarbeiter können an über 50 Geräten trainieren

Es ist ein Elend mit der Motivation. Die Laufschuhe stehen frisch geputzt im Schuhregal, der Heimtrainer verstaubt in einer finsteren Kellerecke. »Morgen Mittag aber«, sagen sich unzählige vermeintliche Hobbysportler. Und scheitern meist an sich selbst. Die Laufschuhe blinken auch »Morgen Mittag« und an den darauffolgenden Tagen unbenutzt im Regal. Und der Staubteppich auf dem Heimtrainer zeigt weiterhin keine Abdrücke von Hintern und Händen, sondern liegt da wie frisch gefallener Schnee auf dem Acker. Vielleicht sollten sich Zeitgenossen mit Motivationsschwierigkeiten, die solche Szenen kennen, einmal mit Rolf Schlicher unterhalten. Wenn der Leiter des Hochschulsports an der Saar-Uni vom neu eingerichteten »Uni-Fit« erzählt, weiß man, dass er bis in die Haarspitzen motiviert ist. »Da steckt eine Menge Hirnschmalz drin«, sagt er beim Rundgang durchs gerade eröffnete Fitnesszentrum neben der Uni- und Landesbibliothek. Bis vor Kurzem, während die Bibliothek noch saniert wurde, war in diesem Gebäude noch die Ausleihe untergebracht. Jetzt stehen die Bücher wieder an ihrem angestammten Ort. Stattdessen stehen nun über 50 Fitness-Geräte auf dem schicken und belastbaren Industrieparkett. Alles riecht noch ganz neu, gerade so, als ob die Trainingsgeräte vor fünf Minuten aus der Verpackung genestelt worden seien und die Parkettverleger eben erst den letzten Handgriff getan hätten.

Rolf Schlicher und sein Team haben sich für die Gestaltung des 240 Quadratmeter großen Fitnessraumes Hochschulsport-Zentren in ganz Deutschland angeschaut und so ihr Konzept entwickelt. »Wir haben uns vergleichbar große Unis ausgesucht, die eine ähnliche finanzielle Ausstattung haben wie wir und eine Campusuni sind.« So sollte aus den Erfahrungen an anderen Hochschulen ein für den Bedarf der Saar-Uni optimales Fitness-Angebot entstehen.

Das Konzept geht auf. Für die kostenpflichtigen Angebote des Hochschulsports haben sich in diesem Wintersemester erstmals über 2.000 Studenten und Mitarbeiter der Saar-Uni angemeldet. Das ist insbesondere auf den ebenfalls im Gebäude liegenden Multifunktionsraum zurückzuführen. Darin werden Entspannungsübungen, Yoga und Tanzsport gelehrt, erklärt Rolf Schlicher. »Für das Programm ›Uni in Bewegung‹ für die Bediensteten der Uni haben sich bereits jetzt 260 Leute angemeldet, die vor allem Kurse im Multifunktionsraum belegen. Vorher waren es etwa 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Angebot genutzt haben«, erklärt der Leiter des Hochschulsports. Insgesamt besuchen rund 950Teilnehmer pro Woche die Angebote im Multifunktionsraum. »Gerechnet haben wir mit 600«, sagt Schlicher. Im Wesentlichen sei dies das Verdienst von Pamela Wittfoth, die das Kursangebot neu konzipiert hat.»Ihr Engagement sowie die neue Raumausstattung und -größe haben dazu geführt, dass nun fast alles, was heutzutage unter ›Group-Fitness‹ angesagt ist, auch an der Uni abgeboten wird«, lobt der Chef des Hochschulsports ihr Engagement. Im Uni-Fit selbst ist noch nicht so viel los. Erst am 29. Oktober hat das Fitnesszentrum den Betrieb aufgenommen. Die offizielle Eröffnung steht in Kürze bevor. Der Andrang wird spätestens dann allerdings wohl größer sein, erwartet Rolf Schlicher. Denn Studenten sind schon ab 18 Euro im Monat dabei, Uni-Mitarbeiter können ab 22 Euro im Monat die Geräte nutzen.

Und die haben es buchstäblich in sich. »Alle Geräte sind miteinander vernetzt«, erklärt Rolf Schlicher. »Wenn ich mich am Eingang mit meiner UdS-Card anmelde, weiß das Computerprogramm, dass ich da bin. Setze ich mich dann an ein Kraftgerät, um zum Beispiel die Oberschenkel zu trainieren, zeigt mit das Programm auf dem Display genau an, welche Gewichte ich einstellen muss«, demonstriert Rolf Schlicher. Der Clou: Auf dem Display läuft dabei eine Art Videospiel ab. Der Nutzer des Gerätes muss versuchen, einen Punkt in der Bildmitte immer auf einer Straße zu halten, die sich auf- und absteigend durchs Bild schlängelt. »Damit wird die Bewegungsreichweite und die Geschwindigkeit vorgegeben, mit der ich die Übung im Optimalfall absolvieren soll«,sagt Schlicher.»Ist eine Übung absolviert, sagt mir das Gerät dann: ›Gehe jetzt zu diesem oder jenem Gerät und mache weiter mit einer anderen Übung‹. Per Laserabtastung wird automatisch auch kontrolliert ,ob mit der richtigen Last und Intensität trainiert wird.«

Die Übungen selbst sind natürlich nicht aus der Luft gegriffen. Vor Beginn eines Trainings werden Neuankömmlinge in kleinen Gruppen von vier bis sechs Personen von speziell geschulten Trainern eingestellt. »Das unterscheidet uns von kommerziellen Fitnessstudios. Wir bringen den Leuten auch fundierte sportwissenschaftliche Hintergründe näher«, erklärt Rolf Schlicher diesen Schritt. Denn nur wer versteht, was er tut, kann auch mit Sinn und Verstand trainieren. Das Hochschulsport-Zentrum arbeitet für die Inhalte, die es vermittelt, und bei der Trainerausbildung eng mit dem Lehrstuhl für Trainingswissenschaften zusammen, der kürzlich mit Professor Stefan Panzer wieder besetzt wurde.»Das ist natürlich Gold wert«, freut sich Rolf Schlicher über diese Möglichkeit, praktischen Sport mit theoretischem Wissen zu unterfüttern. Ein individuell erstellter Trainingsplan komplettiert die Einführung für Fitness-Neulinge. Bei allem Hightech in den Trainingsgeräten muss jedoch niemand befürchten, alleine gelassen zuwerden.»Es sind immer ein bis zwei Trainer vor Ort, die man hinzuziehen kann, auch wenn man schon einige Wochen im Training steckt«, erklärt Schlicher.

Erfahrene Fitnesssportler haben im hinteren Bereich des Uni-Fits die Möglichkeit, im Freihantelbereich ganz nach ihren eigenen Vorstellungen zu trainieren. »So kommen alle auf ihre Kosten, erfahrene Sportler genauso wie Neulinge, die etwas Gutes für die Gesundheit tun wollen«, sagt Rolf Schlicher. Denn der Gesundheitsaspekt steht beim Uni-Fit im Vordergrund. »Unser Ansatz lautet, dass die Nutzerinnen und Nutzer eine Übung lieber häufiger wiederholen und etwas weniger intensiv trainieren, statt schnell viel Gewicht zu stemmen. Das ist günstiger für die Anpassung der Sehnen und Bänder. Außerdem wollen wir ja keine Zuchtbullen«, sagt Rolf Schlicher mit einem Augenzwinkern.

Dass neben dem Körper auch der Geist gefordert wird, ist ebenfalls eine Besonderheit des Uni-Fits. Auf den Bildschirmen an den Geräten gibt es die Möglichkeit, in den 45-sekündigen Pausen zwischen den Übungen Vokabeln für Fremdsprachen zu lernen.»Dafür arbeiten wir eng mit dem Sprachenzentrum zusammen«, erklärt Hochschulsport- Chef Schlicher. Auch Kooperationen mit Lehrstühlen sind denkbar. »Ein Professor kann Multiple-Choice-Fragen zusammenstellen, die wir dann auf dem Bildschirm zeigen.« So kann beispielsweise ein BWL-Student die Inhalte der nächsten Klausur vorbereiten, während der Historiker am Gerät nebenan die wichtigsten Daten des Mittelalters präsentiert bekommt.

Diese Angebote, die das Uni-Fit bereithält, sind schon für sich genommen eine große Verbesserung der bisherigen Trainingsbedingungen. »Durch den zusätzlichen Platz, den wir mit dem Uni-Fit und dem Multifunktionsraum gewonnen haben, können aber auch neue Angebote in anderen Bereichen des Hochschulsports geschaffen und bestehende verbessert werden«, erklärt Elisabeth Marx aus Schlichers Team.»Die zusätzlichen Kapazitäten wirken sich auch auf das Sportprogramm in der Uni-Sporthalle aus. Wir bieten jetzt beispielsweise Basketball für Frauen an. Das ist ganz neu. In anderen Sportarten konnten wir extrem späte Trainingsstunden auf eine vernünftige Uhrzeit legen. Statt um 22 Uhr beginnen diese dann um 19 oder 20 Uhr«, sagt Elisabeth Marx über diesen Zusammenhang.

Genauso, wie das Training im neuen Gebäude mit Uni- Fit und Multifunktionsraum den Sportlerinnen und Sportlern zugute kommt, wirkt sich das Gebäude selbst also auf das gesamte Programm aus. Über 70 Sportarten hat Rolf Schlichers Team im Portfolio. Es wäre doch gelacht, wenn auch der unmotivierteste Zeitgenosse in diesem reichhaltigen Fundus nicht doch das Passende findet. Viele Angebote sind übrigens komplett kostenlos. Das sollte doch nun Motivation genug sein.

_Thorsten Mohr

 www.uni-saarland.de/hochschulsport