Forschung dank Förderung

Forschung dank Förderung


Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt hierzulande die unterschiedlichsten Projekte von Nachwuchswissenschaftlern bis hin zu großen Forschungskooperationen. Die DFG ist die Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft und erhält ihre finanziellen Mittel zum größten Teil von Bund und Ländern. 2011 hat sie beispielsweise 2,7 Milliarden Euro für rund 33.000 Projekte zur Verfügung gestellt. Auch an der Saar-Uni spielt die DFG-Förderung eine wichtige Rolle: So bewilligte sie hier zwischen 2008 und 2011 Gelder in Höhe von 82 Millionen Euro. Gleich fünf Forschungsprojekte werden beispielsweise am Institut für Humangenetik von ihr unterstützt. Hier entwickeln die Wissenschaftler unter anderem neue Bluttests für Krebserkrankungen, arbeiten mit Stammzellen oder erforschen Viren, die sich schon vor Millionen Jahren im menschlichen Erbgut eingenistet haben.

Die Forscherinnen und Forscher am Institut für Humangenetik suchen genetische Ursachen für Tumorerkrankungen und erforschen die Entwicklung des menschlichen Genoms. Um überhaupt forschen zu können, sind sie – wie andere Wissenschaftler auch – darauf angewiesen, genügend Gelder einzuwerben. Diese finanziellen Mittel stellt in erster Linie die öffentliche Hand, wie die DFG, zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützen Stiftungen, Vereine, Unternehmen, aber auch Privatpersonen die Arbeit der Wissenschaftler. »Die DFG fördert unsere Projekte momentan mit fast 1,2 Millionen Euro«, erläutert Professor Eckart Meese, Leiter des Instituts für Humangenetik in Homburg. Darüber hinaus sind die Genetiker noch an zwei Studien beteiligt, für die die Europäische Union Gelder bereitstellt. In einem der Projekte, das die DFG mit knapp 200.000 Euro unterstützt, sucht Meese zusammen mit dem Saarbrücker Bioinformatik-Professor Hans-Peter Lenhof und Professor Norbert Graf von der Homburger Kinderonkologie unter anderem nach neuen Biomarkern für den Wilmstumor. »Diese bösartige Tumorerkrankung der Nieren trifft in der Regel Kinder unter fünf Jahren«, erläutert Meese. »Wir möchten einen Bluttest entwickeln, der die Therapie bei erkrankten Kindern verbessern soll.« Dazu untersuchen die Forscher mit einem relativ neuen Analyseverfahren, dem Next Generation Sequencing, bestimmte Moleküle, die so genannten microRNAs, die im Blut jedes Menschen vorkommen. Sie bestehen, ähnlich wie DNA, aus Nukleinsäure, regulieren Gene und spielen bei Entwicklungsprozessen des Körpers, aber auch bei der Krebsentstehung eine wichtige Rolle. Für die medizinische Diagnostik sind sie von wachsendem Interesse: Im Blut treten sie in spezifischen Signaturen auf, die einer bestimmten Erkrankung zugeordnet werden und die Auskunft über den Verlauf einer Krankheit geben können. »Die ersten Ergebnisse unserer Arbeit zeigen, dass es ein charakteristisches microRNA-Muster für den Wilmstumor gibt«, erklärt Meese. In der Vergangenheit konnten die Homburger Humangenetiker unter anderem bereits charakteristische microRNA-Profile für Hirntumoren und für Multiple Sklerose erstellen.

In einem weiteren DFG-Projekt steht ebenfalls ein Bluttest für die Krebs-Diagnostik im Mittelpunkt: Petra Leidinger untersucht microRNA-Signaturen von Menschen,  die an Lungenkrebs leiden. »Wir konnten in unserer Studie schon zeigen, dass sich die Signaturen der Blutproben von Patienten deutlich von denen gesunder Testpersonen unterscheiden «, berichtet die promovierte Biologin. Zudem konnten die Forscher um Leidinger zeigen, dass es auch Unterschiede bei microRNA-Profilen zwischen Krebs- Patienten und Personen gibt, die etwa eine chronische Lungenerkrankung haben. Leidinger arbeitet bei diesem Projekt mit den SHG-Kliniken Völklingen, dem Klinikum Bremen-Ost sowie der Pneumologie am Uniklinikum in Homburg zusammen. Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, das Blut von Patienten vor und nach einer Operation zu untersuchen. »Auf diese Weise könnte der Therapieerfolg besser kontrolliert werden«, erklärt Leidinger. »Die microRNA-Signatur könnte beispielsweise Aufschluss darüber geben, ob ein Tumor vollständig entfernt wurde oder ob ein Tumor Metastasen gebildet hat.« Für die Arbeit stellt die DFG rund 235.000 Euro zur Verfügung.

Im Oktober 2012 ist am Institut für Humangenetik ein neues DFG-Projekt an den Start gegangen, das genetische Unterschiede bei bestimmten Hirntumoren, den Meningeomen, aufdecken soll. Diese meist gutartigen Geschwülste können in der Regel in einer Operation vollständig entfernt werden. Bei einigen Patienten kommen die Tumore jedoch wieder. Nicole Ludwig möchte in den nächsten Jahren herausfinden, ob sich diese »wiederkehrenden« Meningeome in ihrem Erbgut oder dessen Ausprägung von den Meningeomen unterscheiden, bei denen der Patient nach der Operation geheilt ist. »Zurzeit gibt es zwar Anhaltspunkte dafür, dass der Verlust genetischen Materials eines bestimmten Chromosoms ein Merkmal ist, das solche wiederkehrenden Meningeome auszeichnet, allerdings ist das nicht in allen Fällen so«, erläutert die promovierte Wissenschaftlerin. »Deshalb ist es notwendig, nach weiteren Merkmalen zu suchen, die diese Unterscheidung erlauben.« Darüber hinaus möchte Ludwig auch untersuchen, ob microRNASignaturen Aussagen über den Verlauf der Erkrankung ermöglichen. Ihre Erkenntnisse könnten dazu beitragen, Krankheitsverläufe besser einzuschätzen und individuelle Therapieformen zu entwickeln. Die Studie wird von der DFG mit über 275.000 Euro für drei Jahre gefördert. Darüber hinaus wird die junge Forscherin von HOMFOR Exzellent, einem Förderprogramm für Nachwuchswissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes, unterstützt. Das Programm richtet sich an Nachwuchswissenschaftler und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Forschungsvorhaben bis zu vier Jahre mit etwa 100.000 Euro zu fördern. Mit der Genetik von neuronalen Stammzellen beschäftigt sich Privatdozentin Ulrike Fischer. Sie will in einem weiteren DFG-Projekt herausfinden, ob es so genannte Genamplifikationen auch in normalen Zellen gibt. Bei diesen Amplifikationen werden Gensequenzen vervielfältigt – ein Gen oder mehrere Gene kommen hierbei als Vielfaches in der Zelle vor. »Bislang ging die Wissenschaft immer davon aus, dass diese Amplifikationen beim Menschen nur in Tumorzellen vorkommen«, erklärt Fischer. »Allerdings ist schon länger bekannt, dass diese genetischen Veränderungen bei der embryonalen Entwicklung von Amphibien und manchen Insekten eine Rolle spielen.« So benötige der Organismus insbesondere in der Entwicklungsphase in kurzer Zeit viele Proteine. Diese könnten unter anderem dadurch in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden, dass die Zelle ihre Gene vervielfältigt und so die Protein-Produktion steigert. Fischer ist es nun erstmals gelungen, diese Amplifikationen in gesunden Zellen bei Mäusen und Menschen nachzuweisen. »Diese Veränderung tritt auf, wenn sich die Stammzellen differenzieren, das heißt, wenn sie sich zu bestimmten Zelltypen spezialisieren.« In diesem Fall bedeutet das beispielsweise, dass sich eine neuronale Stammzelle zur Nervenzelle entwickelt. Die Biologin vermutet daher, dass es sich bei der Genamplifikation um einen Mechanismus handelt, der bei der Entwicklung des Menschen eine entscheidende Rolle spielt und auf den Tumorzellen ebenfalls zurückgreifen. Das Projekt läuft in diesem Jahr aus. Die DFG hat hierfür rund 150.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Auf einem ganz anderen Gebiet forscht Privatdozent Jens Mayer. Der Wissenschaftler beschäftigt sich mit Humanen Endogenen Retroviren (HERV). »Bestimmte Viren können sich in unser Genom einbauen«, erklärt Mayer. »Die Viren, die wir untersuchen, haben sich bereits vor Millionen von Jahren in das Erbgut von Vorfahren des Menschen integriert und werden seitdem weitervererbt.« Auch andere Säugetiere enthalten ähnliche Viren. »Etwa acht Prozent des menschlichen Erbguts sind solche Virussequenzen«, erläutert der Biologe. »Sie haben unser Genom verändert, nehmen Einfluss auf die Funktionen des Erbguts und spielen womöglich bei Krankheiten eine Rolle.« In einer von der DFG geförderten Studie möchte das Team um Jens Mayer in Kooperationen mit der Charité in Berlin und der Dermatologie des Homburger Uniklinikums herausfinden, welche dieser HERV-Sequenzen noch aktiv sind, das heißt, welche zum Beispiel bei Erkrankungen Proteine herstellen. »In unserer Arbeit untersuchen wir Gewebeproben und Zelllinien unter anderem von Melanom-Patienten und von Multiple- Sklerose-Patienten«, sagt Mayer weiter. »Wenn wir wissen, welche der Sequenzen aktiv sind, können wir in weiteren Schritten klären, ob sie auch bei diesen Krankheiten von Bedeutung sind.« So wird bei der Multiplen Sklerose seit Längerem diskutiert, ob ganz bestimmte HERV-Sequenzen an der Entwicklung der Krankheit beteiligt sind. Genauere Aufschlüsse darüber könnten die Ergebnisse dieser Studie liefern. Das Projekt läuft seit knapp zwei Jahren. Die DFG unterstützt es mit rund 256.000 Euro.

_Melanie Löw