Ein Überblick: Alles zur Bafög-Reform im Jahr 2019

Mehr als 500.000 Studierende in Deutschland finanzieren ihr Studium ganz oder teilweise über die staatliche Förderung namens BAföG. Das entspricht in etwa 15 Prozent aller Studentinnen und Studenten in der Bundesrepublik. Jedoch soll es im Jahr 2019 eine Reform dieser Förderung geben. Wie wird diese aussehen?
 

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Das BAföG zur Studienfinanzierung

Das BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) ist eines der häufigsten und wichtigsten Mittel zur Studienfinanzierung in Deutschland. Jedoch ist die Rechtslage komplex und viele Studierende sind sich unsicher, ob sie einen Anspruch auf BAföG haben, in welcher Höhe, inwiefern sie dieses zurückzahlen müssen, wann, und, und, und…

Es stehen also viele Fragen im Raum, wenn es um das Thema BAföG geht. Gerade in der Mittelschicht kommt es immer wieder vor, dass der Bezug von BAföG fälschlicherweise nicht, nicht rechtzeitig oder nicht in der richtigen Höhe bewilligt wird. Nicht selten liegt der Fehler bei den Antragstellern selbst, häufig aber auch bei den Sachbearbeitern. So oder so stellt das Thema für viele Betroffene ein echtes Problem dar. Denn der Bedarf ist angesichts steigender Mietpreise in vielen Städten hoch und längst erhalten nicht alle Studierenden die notwendige finanzielle Unterstützung durch ihre Eltern. Genau diese Probleme sind es, welchen die BAföG-Reform im Herbst 2019 begegnen soll.

Novelle zum BAföG im Herbst 2019 geplant

Zukünftig sollen also mehr Studierende, auch aus der Mittelschicht, BAföG erhalten und zwar in angemessener Höhe. Angesichts der hohen Mietpreise bedeutet das eine drastische Erhöhung der Bedarfssätze und Freibeträge, so der Entschluss des Bildungsministeriums. Wirksam werden sollen diese Änderungen im Herbst 2019. Ein genaues Datum sowie die endgültige Entscheidung über die Neuerungen gibt es bislang jedoch nicht. Dennoch hat das BMBF im November ein Eckpunktepapier als Ausblick auf die Reform veröffentlicht. Was also wird die Studierenden in Deutschland ab Herbst 2019 voraussichtlich erwarten?

Alles anders zum Wintersemester 2019/2020?

Ende Oktober und damit pünktlich zum Wintersemester im Jahr 2019 soll die BAföG-Reform greifen, so die Pläne der großen Koalition. Folgende Maßnahmen werden dafür diskutiert, die endgültige Entscheidung ist aber noch abzuwarten. Im Fokus der Neuerungen steht die Erhöhung des Bedarfssätze, somit dürfte die Novelle für die Studierenden eine gute Nachricht sein. Die Sprache ist von signifikanten Anhebungen, sowohl bei diesen Bedarfssätzen als auch bei den Freibeträgen. Demnach soll es für die BAföG-Bezieher zukünftig möglich sein, ein höheres Vermögen anrechnungsfrei zu besitzen als bisher. Dadurch sollen Existenzängste sowie Ängste vor einer möglichen Überschuldung abgebaut werden, welche bislang als hauptsächliche psychologische Hürden für den BAföG-Antrag gelten. Die Antwort lautet also: Zum Wintersemester 2019/2020 wird zwar nicht alles, aber vieles anders – und zwar besser.

Höhe der BAföG-Bedarfssätze soll steigen

Bislang nutzten viele Studierende spezielle BAföG-Rechner, um ihren Bedarfssatz zu ermitteln. Sobald die konkrete Erhöhung gesetzlich festgeschrieben ist, wird dies auch in Zukunft möglich sein. Bis dahin tappen die Studentinnen und Studenten aber noch im Dunkeln, wie viel höher ihre Förderung ab Herbst 2019 sein wird. Angeblich stellt der Bund dafür rund zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Das Eckpunktepapier des BMBF gibt erste konkrete Anhaltspunkte: Demnach soll im Rahmen der BAföG-Novelle der Höchstsatz für Studierende in zwei Stufen bis zum Jahr 2020 auf 735 Euro (familienversichert) beziehungsweise 850 Euro (selbst kranken- und pflegeversichert) pro Monat steigen. Dabei handelt es sich um eine Anhebung von rund 15 Prozent. Zudem sollen die Einkommensfreibeträge um rund neun Prozent auf 8.200 Euro erhöht werden.

Ängste vor einer Überschuldung sollen abgebaut werden

Zwar muss die Förderung auch bislang nicht in vollständiger Höhe zurückgezahlt werden, dennoch starten BAföG-Bezieher nach ihrem Abschluss erst einmal mit Schulden ins Berufsleben. Die Angst vor einer Überschuldung ist somit ein großes Hemmnis für viele Studierende, sodass sie lieber auf einen Studienkredit verzichten und das Studium beispielsweise durch einen Nebenjob finanzieren. Einige Betroffene schrecken sogar gänzlich vor der akademischen Laufbahn zurück und absolvieren stattdessen eine Ausbildung.

Genau dieses Hemmnis soll deshalb durch die Novelle abgebaut werden, kündigt das Bundesministerium an. Wer seine Schulden aus dem BAföG nach 20 Jahren nicht vollständig tilgen konnte, dem sollen diese in Zukunft erlassen werden. Zwar steigen dafür die Raten zur Rückzahlung geringfügig, da diese jedoch weiterhin am Einkommen orientiert sind, soll die Neuregelung die Angst vor einer Überschuldung endgültig aus dem Weg räumen. Ob die Neuerung tatsächlich diese gewünschte Wirkung zeigt, bleibt ebenfalls noch abzuwarten.

Wohnkosten als essenzielles Thema der BAföG-Reform 2019

Zuletzt soll es auch im Bereich der Wohnkosten drastische Änderungen geben. In vielen deutschen Universitätsstädten herrscht nämlich akute Wohnungsnot und diese führt zu steigenden Mietpreisen – selbst bei Studentenwohnungen oder für Wohngemeinschaften. Die Erhöhung des Wohnkostenzuschlags soll deshalb der Kern der BAföG-Novelle werden, wie im Eckpunktepapier angekündigt. Dennoch soll es nach wie vor keine ortsabhängige Bemessung geben. Zudem wird durch die Pauschalisierung ein Anreiz gesetzt, einen Studienort mit geringeren Wohnkosten zu wählen und dadurch das Problem des Wohnraummangels präventiv zu lindern. In der Theorie lautet die Forderung eine Erhöhung auf mindestens 325 Euro. Das wären etwa 75 Euro pro Monat und Student/in. Auch hier steht aber die endgültige Entscheidung noch aus.

Fazit zur BAföG-Reform 2019

Schlussendlich bedeutet die Novelle im Herbst 2019 für BAföG-Bezieher sowie jene Studierende aus der Mittelschicht, welche bislang noch kein BAföG erhalten, also vor allem positive Neuerungen. Fortan werden voraussichtlich mehr Studentinnen und Studenten BAföG in größerer Höhe erhalten. Viele Betroffene sowie Institutionen wie die Studentenwerke sind aber vielerorts dennoch unzufrieden und halten die Änderungen für nicht ausreichend. Noch bleibt es somit abzuwarten, worauf sich die Entscheider einigen und wie die BAföG-Reform 2019 tatsächlich aussehen wird.