Ein Schädling lässt grüßen oder auf der Wanzenstraße wirst du ohne Profi schnell dein Geld los

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Es war mal wieder einer der Nachmittage an denen so gar nichts los war. Lustlos saßen Maik, Lennard und Rocko zusammen auf der Couch. Tim müsste schon längst da sein, war es aber nicht. Er wollte nach sein Trip zum Mad Cool Festival in Madrid direkt in die WG kommen, um ihnen zu berichten.

Wenn er kommt, würde sich das gähnende Abwarten schnell in Aktion verwandeln. Getränke auf den Tisch, die Playlist mit den Bands vom Festival angeschmissen, würden sie den Abend am WG Tisch verbringen. Wilde Geschichten, lautes Gelächter warteten auf sie.  

Rocko ging zum Kühlschrank, als die Tür aufschlug. Vollgepackt kam Tim hereingestolpert. die Zeltschnur um seine Füße gewickelt. „Hey Jungs, macht mal den Tisch frei.“, rief er als er auf die Couch zusteuerte. Die offene Reisetasche knallte er neben sich.
Die ganze Nacht verbrachten Sie lachend, feiernd im Wohnzimmer bis wirklich jede Geschichte erzählt war. Morgens, zwei von ihnen waren schon am Tisch eingeschlafen, begann Tim sich heftig zu kratzen. „Was hast denn du da am Nacken?, fragte Rocko. „Das sieht ja aus wie...“. Er stockte: „Wurdest du gestochen? Was sind denn das für Quaddeln?“

Tim verzog sein Gesicht und kratzte jetzt noch viel heftiger. Den ganzen Rücken runter tat es schrecklich weh. Als er sein Shirt auszog erschraken beide. Eine lange Reihe roter Flecken zog sich über seinen Rücken. Verdammt was hatte er sich denn da eingefangen?

Rocko machte winzig kleine Bisspuren aus und dachte als erstes an Flöhe. Aber so viele? Flöhe die einen so höllischen Juckreiz verursachen? Tim konnte ja kaum noch stillsitzen.
Dann fiel es ihm ein. Verdammt, Tim hatte Bettwanzen aus seinen Unterkünften mitgebracht, die sich jetzt auch aus seiner Reisetasche über das Sofa ausbreiteten, aber Tim bereits befallen hatten. Rocko griff direkt zum Laptop, von der reiselustigen Melly wusste er, dass es teuer werden kann, nicht direkt etwas gegen die Schädlinge zu unternehmen. Einmal aus dem Urlaub eingeschleppt, verbreiten sich Bettwanzen schnell in jeder Ritze, auf jeder Matratze, in der Wäsche, einfach überall. Eine Katastrophe für ihre WG.

Auf der Seite eines Schädlingsbekämpfers fand er direkt mehr Infos. Bettwanzen Bisse verursachen quälenden Juckreiz, Rötungen, mehrere Bissspuren werden Wanzenstraße genannt, gegen eine Reaktion helfen Antihistaminikum und kühlende Gels, die Hautreaktionen treten einige Tage später auf, die Symptome halten bis zu 10 Tage an. Das alles las sich überhaupt nicht gut.

„Bist du sicher?“, fragte Tim, „wie kannst du sie denn erkennen?“. Rocko las vor: „Bettwanzen können 6 mm lang werden, sie sind länglich, rotbraun bis schwarz und extrem flach, haben 6 Beine, igitt, die Eier sind weißlich und ca. 2,5 mm lang. Wow, die legen auch noch Eier.“

Von der Hektik wachten jetzt auch Lennard und Maik auf. „Was ist los?“. „Tim hat Bettwanzen mitgebracht.“ Maik sprang auf und kam mit dem Staubsauger und einem Insektenspray zurück. „Hilft nicht, das Schädlingsproblem bekommst du nur mit einem Kammerjäger in den Griff. Der muss die Raumtemperatur bis auf 50 Grad erhitzen und großflächig mit Insektenmittel und einem Heißluftgerät daran gehen. Wie wollen wir die Bettwanzen denn selbst bekämpfen?“. Rocko lachte, als er sich sie vier als Ghostbusters im Kampf gegen die Insekten vorstellte. Aber eigentlich war es gar nicht zum Lachen. Sollte jeder eine neue Matratze brauchen, sie etliche Male zum Waschsalon laufen, während aus den Eiern immer neue Bettwanzen schlüpften? Es würde in jedem Fall verdammt teuer.

Mittlerweile waren alle hell wach und warteten bis 9:00 Uhr, um die Profis in der Schädlingsbekämpfung in der Nähe anzurufen. Zum Glück ging der auch direkt ran.

Der Mann blieb ruhig. Profi eben. Im Gegensatz zu den Vier, die zwischenzeitlich unter die Dusche gesprungen waren und Tims Wäsche in einer Tüte verstaut hatten, die schnell im Waschsalon gekocht werden sollte.
Der Fachmann am Telefon stellte seine Fragen, um den Bettwanzen Befall zu erkennen:
„Bemerkt ihr einen fiesen-süßlichen Geruch?“ „Nein noch nicht.“
„Habt ihr dunkelrote-schwarze, kleine Punkte auf dem Sofa entdeckt? Hierbei handelt es sich um die Kotspuren der Bettwanzen.“ „Ja, haben wir.“

Tim, hast du lebende oder tote Bettwanzen in deinem Gepäck, auf deiner Matratze oder Bettwäsche entdeckt.“ „Ja, ich glaube, da etwas in dem Hostel gesehen zu haben.“ „Und du juckst dich großflächig und siehst Bissspuren an deiner Haut?“ „Ja, ja, das ist heftig.“

„Was kostet denn das?“, rief Maik aus dem Hintergrund, ein wenig in Sorge, ob es nicht doch besser wäre den Biestern in Eigenregie auf den Leib zu rücken.

Doch was stand auf der Webseite? Mit Wiederholungskäufen von Insektenmitteln schmeißen sie schnell ihr Geld zum Fenster raus. Immer wieder krabbeln die Schädlinge aus den hintersten Ritzen in denen sie sich tagsüber versteckt haben? Irgendetwas in der Art.

„Ich komme gleich vorbei und schaue mir das Problem an, dann reden wir über die Kosten. So pauschal lässt sich das nicht bestimmen.“, sagte der Profi am Telefon. „Aber wie es klingt, können sich die Bettwanzen noch nicht in jedem Raum ausgebreitet haben. Achtet darauf, dass ihr euch nicht in derselben Kleidung aufs Bett legt. Sobald ich bei euch bin, erkläre ich euch mehr.“

„Was für ein Stress!“, sagte Tim. „Das kannst du glauben!“, antwortet Rocko, „Melly, sagte, einmal und nie wieder.“

Tim kratze sich immer noch, als es eine Stunde endlich an der Tür klingelte. Der Kammerjäger. Er sah gar nicht aus wie ein Ghostbuster. Aber das war ihnen egal. Jetzt ging es den Bettwanzen endlich an den Kragen.