Flapfreies Augenlasern: Neues minimalinvasives Verfahren soll den Durchblick bringen

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Augenlasern ist nicht gerade ein neues Phänomen im augenmedizinischen Bereich. Der Grundstein für diese Technologie legte Theodore Maiman bereits 1960. Für seine Beschreibung des ersten Lasers (der Begriff steht für „light amplification by stimulated emission of radiation“) im Fachmagazin Nature wurde der Physiker weltbekannt. Für die weiterentwickelte Version der CPA-Technologie (Chirped Pulse Amplification) erhielten der Franzose Gérard Mourou und die Kanadierin Donna Strickland noch im selben Jahr sogar den Nobelpreis für Physik. Seitdem hat die Technologie auf Laserbasis viele wissenschaftliche Bereiche erreicht, und nicht zuletzt auch den medizinischen Fachbereich der Augenheilkunde. Jetzt soll ein neues Verfahren mit minimalinvasiver Technologie das Augenlasern revolutionieren.

Allein in Deutschland kann jeder zweite Bürger nicht ideal sehen. Kurz- und Weitsichtigkeit sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Bei vielen Betroffenen ist die Sehschwäche sogar so stark ausgeprägt, dass sie im Alltag ständig eine Korrekturhilfe in Form einer Brille oder von Kontaktlinsen tragen müssen. Rund 125.000 bis 150.000 Deutsche entscheiden sich jedes Jahr für eine laserbasierte Behandlung zur Korrektur ihrer Sehschwäche. LASIK und Femtolasik heißen die beiden Verfahren in der Augenlasertechnik, die bislang weltweit am häufigsten durchgeführt werden. Die Korrektur einer Sehschwäche per Augenlaser kostet derzeit in Deutschland zwischen 1.000 und 3.000 Euro je Auge.

Die Behandlung ist immer ein operativer Eingriff, der in den meisten Fällen allerdings ambulant durchgeführt werden kann. Pro Auge veranschlagen Chirurgen derzeit eine Behandlungsdauer von 4 bis 8 Minuten. Ziel des laserchirurgischen Eingriffs ist es, Patienten wieder zu einer Sehkraft von 100 Prozent, oder sogar deutlich darüber hinaus, zu ermöglichen und dass man mindestens so gut sieht wie mit Brille oder Kontaktlinsen.
Die Technologien, die diesem medizinischen Fachbereich zugrunde liegen, werden stetig weiterentwickelt.

ReLEx SMILE heißt das Verfahren, das seit ein paar Jahren immer häufiger im Bereich von Augenkorrekturen eingesetzt wird. SMILE steht dabei für Small Incision Lenticule Extraction. Bereits 2007 wurde die erste Augenkorrektur mittels des ReLEx Smile Verfahrens durchgeführt.

Seit 2011 ist das Verfahren in Deutschland offiziell zugelassen und vom TÜV Süd zertifiziert. Erst 2016 zog auch das amerikanische Gesundheitsministerium FDA (Food and Drug Administration) nach und genehmigte die neue Möglichkeit, um Sehschwächen zu korrigieren.

Es mag wenig überraschen, dass die Technologie mit dem Visumax Femtosekundenlaser durch das deutsche Traditionsunternehmen Carl Zeisss Meditec AG Jena in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Marcus Blum und Pro. Dr. Walter Sekundo entwickelt wurde. Inzwischen hat das zunächst vorsichtig betrachtete Verfahren viele überzeugte Anhänger gefunden.

Weltweit führen mittlerweile in mehr als 70 Ländern über 1.800 Chirurgen die ReLEx SMILE Methode durch. Bislang sind über 2 Millionen Patienten mit ReLEx SMILE behandelt worden. Erfahrung ist hier das Schlüsselwort, denn vor allem im medizinischen Bereich kann professionelle Erfahrung sich stark auf Behandlungsergebnisse auswirken. Weltweit durchgeführte Langzeitstudien haben nachgewiesen, dass die Qualität der zu erwartenden Ergebnisse unabhängig von regionalen Faktoren mit der Erfahrung einer chirurgischen Klinik und der behandelnden Ärzte signifikant steigt. Das betrifft nicht nur das reine Operationsergebnis, sondern auch die möglichen Komplikationen, die in der Nachbehandlung auftauchen können.

Einsatzbereiche verschiedener Augenlasermethoden im Vergleich

Sehstörungen können äußerst unterschiedlich ausgeprägt sein. Mit dem Schweregrad der Sehschwäche steigt meist auch der Leidensdruck der Betroffenen. Eine Augenoperation ist in den meisten Fällen zwar nicht medizinisch notwendig, aber gewünscht. Augenoperationen gehören heute zu den am häufigsten durchgeführten Operationen und die Technologie in diesem sensiblen Bereich ist nach 30 Jahren Erfahrung vor allem in renommierten Kliniken und bei höchster technologischer Ausstattung sehr sicher geworden.
Die Augenheilkunde hat inzwischen verschiedene laserchirurgische Verfahren entwickelt, die Patienten ihr Sehvermögen zurückgeben können. Die zu erwartenden Ergebnisse und die empfohlenen Behandlungsmethoden hängen zum Teil auch vom Schweregrad der Sehstörung ab.

Diese Anwendungsbereiche können für die drei Hauptverfahren im Bereich des Augenlaserns angenommen werden:

LASIK und Femto-LASIK:
Weitsichtigkeit bis + 7 dpt, Kurzsichtigleit bis -12 dpt, Astigmatismus bis 5 (6) dpt

PRK / Trans-PRK / LASEK
Kurzsichtigkeit bis– 4 dpt, Astigmatismus bis 2,50 dpt

ReLEX SMILE
Kurzsichtigkeit bis - 10 dpt, Astigmatismus bis –5 dpt

Das relativ junge ReLEX SMILE Verfahren deckt demnach ein besonders breites Spektrum an Sehstörungen ab und könnte künftig für viele Betroffene der gangbarste Weg sein, um auch einer schweren Sehstörung medizinisch zu begegnen.

Was ist das Besondere an ReLEx SMILE?

Das neue Verfahren hat das Augenlasern natürlich nicht neu erfunden, allerdings deutlich an verschiedenen Stellschrauben gedreht und bereits bestehende Verfahren damit verfeinert.
Herzstück des neuen Laserverfahrens ist der Femtosekundenlaser VisuMax der Firma Carl Zeiss, der mit 500 Hz. zu den schnellsten Laser-Geräten im Bereich des medizinischen Augenlaserns zählt. Der zweite wesentliche Punkt, der das ReLEx SMILE Verfahren von bereits etablierten Augenlasermethoden unterscheiden soll, ist der minimalinvasive operative Eingriff, mit dem die Korrektur der Sehstörung vorgenommen wird.

„Bei den herkömmlichen Augenlaser-Methoden LASIK und Femto LASIK wird eine hauchdünne Hornhautoberfläche (Flap - Hornhautdeckel) geöffnet. Dafür wird ein kreisförmiger Schnitt auf der Hornhautoberfläche durchgeführt. Dieser Flap-Schnitt ist ca. 20 mm. Die ReLex SMILE-Augenlaser Methode geht einen Schritt weiter und führt die Augenlaser-Korrektur OHNE einen Flap (Hornhautdeckel) wie bei Femto-LASIK und LASIK Augenlaser-Methoden durch. Somit ist Relex Smile 3D die innovativste und neueste Augenlaserbehandlung und ist eine „Schlüsselloch-Technologie“ bei der refraktiven Chirurgie.“
(Quelle: https://www.sehhilfe-weg.de/relex-smile/)

Die Behandlung per ReLEx SMILE Verfahren erfolgt in drei Schritten:

1.    Die Präparation des Lentikels
Der Femtosekundenlaser nimmt im Inneren der Hornhaut einen 3D Laserschnitt vor, um ein Lentikel (eine dreidimensional geschnittene Hornhautlamelle) in der Struktur der Hornhaut für die weitere Behandlung zu präparieren. Während dieses Behandlungsschrittes ist ein Abbruch jederzeit möglich.

2.    Der Laserschnitt für die Öffnung (Cap) wird vorgenommen
Der Femtsekundenlaser nimmt einen Schnitt auf der Oberfläche der Hornhaut vor, der ungefähr 2 bis 3 mm lang ist.

3.    Das Lentikel wird herausgezogen
Über den Laserschnitt, in der Augenmedizin auch Cap genannt, wird mittels einer chirurgischen Pinzette das bereits präparierte Lentikel vorsichtig aus dem Innenbereich der Hornhaut gelöst und durch das Cap herausgezogen.

Durch die Extraktion des Lentikels wird die Brechung des Lichtes im Auge wieder fehlerfrei gewährleistet und die Patienten erhalten im besten Falle ihre Sehkraft zu 100 Prozent oder sogar darüber hinaus zurück.
Die neue Augenlasertechnik erfolgt minimalinvasiv und schmerzfrei und soll für Patienten deshalb eine besonders angenehme und effiziente Möglichkeit sein, um wieder in den Genuss einer ungestörten Sehkraft zu kommen.

Der größte Vorteil besteht wohl darin, dass durch den chirurgischen Eingriff kein Flap entsteht und damit auch die mit dem Flap einhergehenden Risiken ausgeschlossen werden können.
Außerdem soll durch das neue Laserverfahren kein erhöhter Augendruck entstehen und auch die Tränenfilmproduktion des Auges soll deutlich weniger gestört werden als bei bereits bekannten Verfahren. Deshalb kann das ReLEx SMILE Verfahren vor allem für Patienten mit trockenen Augen oder einer Kontaktlinsen-Unverträglichkeit eine gute Alternative zu den gängigen Augenlaserverfahren sein.