Beratungsunternehmen: Geschäftsmodell Wissen

Bildquelle: fotolia.de

In immer komplexeren Wirtschaftsabläufen wächst der Bedarf an Orientierung: Goldgräberstimmung für Beratungsunternehmen. Für Hochschulabsolventen entstehen hier viele Optionen für eine spannende Karriere.

Selten war die Wirtschaft in einem so grundlegenden Wandel begriffen wie heute. Globalisierung und Digitalisierung markieren nur zwei Pole, zwischen denen sich viele Kraftfelder umstrukturieren und neue interne Abläufe erfordern. Dazu braucht es neben Fachwissen kreative Kompetenzen und Mut zur Innovation. Doch das sind Qualifikationen, die in den Unternehmen selbst oft nicht vorhanden sind.

Externes Wissen nötig

Die Herausforderung ist nicht neu: Als sich in vielen Unternehmen in den Siebzigerjahren ein Mangel an theoretischem Wissen offenbarte, das aber für eine erfolgreiche Betriebs- und Geschäftsführung unabdingbar wichtig wurde, erlebten Beratungsunternehmen im Bereich der Wirtschaft einen ersten Boom. Spätestens Inhaberwechsel gaben in kleinen und mittelständischen Unternehmen Anlass, Abläufe und Strukturen neu zu justieren und zu modernisieren, was in einen großen Beratungsbedarf mündete. Hinzu kam die kontinuierliche Weiterentwicklung von DIN-Normen, die über Materialien oder technische Geräte hinaus auch Arbeitsabläufe und das Qualitätsmanagement betrafen. Das nun in den Firmen benötigte Wissen wurde vielfach eingekauft.

In jüngerer Zeit sind viele Branchen erneut mit weitrechenden Veränderungen konfrontiert. Der Aufstieg der erneuerbaren Energien zeigt im Energiesektor beispielhaft, wie hunderttausende von teils völlig neuartigen Jobs im gesamten Praxisspektrum von Handwerk bis Hochschule entstehen können. Statt überkommenem Wissen sind neue Kompetenzen nötig. Auch die aufkommende E-Mobilität wird neue Berufsbilder erfordern. Und – jedenfalls zu Anfang – auch Beratungsbedarf wecken.

Neue Regeln, neue Dynamiken – neue Chancen

Wenn sich bestehende Systeme wandeln und neue Berufsbilder und sogar Branchen entstehen, bietet das immer große Chancen für gut ausgebildete, innovative und risikofreudige Newcomer. Für Hochschulabsolventen, die ihre Karriere planen, sind das beste Voraussetzungen. Wer heute einen qualifizierten Abschluss erwirbt, hat einen riesigen Startvorteil: Er verfügt – sofern er die Gestaltungsspielräume der Studienordnungen und -gänge clever genutzt hat – über eine sofort aktivierbare Wissensbasis, die ihm beim Einstieg ins Berufsleben einen enormen Vorteil gegenüber jenen Menschen gibt, die hier schon jahrelang aktiv sind.

Die Nachfrage nach externer Expertise dürfte in den kommenden Jahren noch wachsen: Verbunden mit dem Stichwort Wirtschaft 4.0 sind Unternehmen erneut mit Entwicklungen konfrontiert, die sie zwingen, interne Abläufe auf den Prüfstand zu stellen. Die Forderung nach Transparenz und staatlicher Regulierung – Stichwort: Haftung – macht es unabdingbar, Lieferketten oder Produktionsabläufe zu überprüfen, was vielfach Standardisierung und Zertifizierung erfordert. Wer sich hier schnell orientieren will oder muss, wendet sich an ein spezialisiertes Beratungsunternehmen. Das bindet keine eigenen Mitarbeiterressourcen, garantiert aber den Zugang zu aktuellem Fachwissen.

Vor allem die Digitalisierung erweist sich für viele Branchen als herausfordernde Zukunftsaufgabe: Sie erfordert die schnelle Entwicklung und Einführung neuer Systeme und Verfahren in sehr vielen Berufsfeldern – und somit neues Wissen und neue Kompetenzen. Allein durch Fort- und Weiterbildung ist die sich abzeichnende Kompetenzlücke nicht zu schließen, denn in vielen Branchen wird Weiterbildung bei weitem nicht so intensiv praktiziert, wie es notwendig wäre.

Top-Ausbildung und Flexibilität

Und so ist der Beratungsbedarf in Branchen mit hohem Innovationsdruck besonders groß. Beispiel Finanzsektor, der unter anderem aus seiner jüngsten Geschichte heraus starke Umwälzungen erlebt: In Folge der Bankenkrise ab 2008 entstand eine starke Regulatorik, um Prozesse zu ordnen und abzusichern – im Interesse der Institute wie der Kunden. Die hierdurch forcierte Notwendigkeit zur Digitalisierung der Endkundenbeziehungen und gesamten innerbetrieblichen Abläufe erfordert Fachkenntnisse, die nur selten hausintern vorhanden sind, ergo von spezialisierten Beratungsunternehmen zugekauft werden. Und dort wächst der Personalbedarf.

Aber können Hochschulabsolventen so ohne weiteres in Beratungsunternehmen Beschäftigung finden? Das zu beobachtende intensive Recruiting lässt diesen Schluss zu. Natürlich ist in einer Beratungstätigkeit eine angemessene Portion Praxiserfahrung ein wichtiges Qualifizierungsmerkmal. Wichtiger jedoch, als alles schon mehrfach selber richtig gemacht zu haben, ist das Wissen, wie Dinge richtig gemacht werden müssen.

Wer für ein Wirtschaftsberatungsunternehmen arbeitet, muss nicht selbst bereits CEO einer Firma gewesen sein, um Probleme in der Arbeitsorganisation oder dem Finanzbereich zu erkennen – er braucht theoretisches Wissen, analytische Kompetenz und Daten aus der Praxis. Das lässt sich auf die benötigten Qualifikationen im Bereich Digitalisierung der Banken übertragen. Daher sind Hochschulabsolventen durchaus potenzielle Mitarbeiter von Beratungsunternehmen. Happy Career!