Wie Frauen in Führungspositionen gelangen und dauerhaft erfolgreich bleiben

Erfolgreich im Beruf führen - nicht ausschließlich eine männliche Angelegenheit. Zwar sind die hohen Positionen in börsennotierten Unternehmen überwiegend mit Männern besetzt, doch streben immer mehr Frauen eine hohe unternehmerische Position an. Das weibliche Geschlecht hat es nicht leicht, Spitzenpositionen in der Chefetage einzunehmen – und diese zu behalten. Ein allgemeines Erfolgsrezept für Frauen, es auf der Karriereleiter nach oben zu schaffen, gibt es nicht. Es reicht für die Damen nicht aus, die männlichen Verhaltensweisen zu kopieren. Vielmehr sind Frauen wirklich erfolgreich, wenn sie neben ihrer Qualifikation authentisch bleiben – und es ihnen nicht darauf ankommt, von jedem gemocht zu werden.

Warum der Weg in die Chefetage für Frauen so schwer ist

Studien zufolge haben Frauen in der Berufswelt den Wunsch, im Laufe ihrer beruflichen Karriere eine höhere Position einzunehmen. Rund 36 Prozent der befragten Frauen, die an einer Studie der „Initiative Chefsache“ teilnahmen, sprachen sich für die ambitionierten Ziele aus. Rund 38 Prozent der weiblichen Teilnehmer, die sich für eine Karriere in gehobenen Positionen interessieren, zeigen sich zuversichtlich, ihr Vorhaben umsetzen zu können. Doch nicht weniger Frauen lehnen es strikt ab, eine herausragende Position in einem Unternehmen innezuhaben. Entweder fürchten sie, sich dem Fachlichen zu entfremden oder den Balanceakt zwischen familiären Bedürfnissen und beruflichen Verpflichtungen nicht zu schaffen.

Den Machtspielen der männlichen Kollegen fühlen sie sich ebenfalls nicht gewachsen. Hinzukommen laut einer Studie der DGFP unter anderem die allgemeinen Vorurteile von einigen männlichen Führungskräften und die unzureichenden Netzwerke, die Frauen auf ihrem Weg ins (Top-) Management unterstützen. Unternehmen sollten, unabhängig von der gesetzlichen Frauenquote, ein berechtigtes Interesse daran haben, Männer und Frauen in leitenden Positionen zu beschäftigen. Studien und Arbeitsergebnisse verdeutlichen in regelmäßigen Abständen den hohen wirtschaftlichen Erfolg von „gemischten“ Teams, die innovativer und effizienter arbeiten.

Studien zufolge arbeiten Männer und Frauen in gemischten Teams effizienter und erfolgreicher.

Wie sich eine (weibliche) Führungskraft definiert

Führungspersönlichkeiten bringen zunächst spezielle berufliche Kompetenzen mit, die den Schlüssel zum Erfolg bilden. Sie haben ihr Fachwissen für gewöhnlich in einer Berufsausbildung, besser in einem Hochschulstudium erworben und nahmen nach dem erfolgreichen Berufsabschluss an Weiterbildungen in Form von modernen Fernkursen, die sich speziell an Führungskräfte richten, teil. Anschließend lernen sie die wirtschaftliche Entwicklung ihres Arbeitsbereichs besser kennen, informieren sich über die aktuelle Situation am Markt und analysieren die Schritte der Konkurrenz.

Mit diesem erworbenen Wissen entwickeln die (weiblichen) Führungspersönlichkeiten Visionen für die Zukunft und schaffen Leitmotive, um ihre Mitarbeiter zu motivieren. Neben den fachlichen Fähigkeiten sind soziale Kompetenzen im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern sowie die eigene Persönlichkeit von großer Bedeutung. Menschen, die ein Unternehmen führen, tun dies aus einer Art innerer Überzeugung heraus. Sie hegen keine Zweifel, haben ein positives Verhältnis zur Macht, die sie weder fürchten noch fokussieren. Sie legen es nicht darauf an, bei jedem beliebt zu sein und machen sich unabhängig von Harmonie und Disharmonie. Führungskräfte weisen oftmals ein gesundes Selbstbewusstsein auf und haben keine Probleme mit Kritikern. Sie wissen, welche Strategien helfen, Probleme im Unternehmen lösbar zu machen.

Warum ambitionierte Frauen scheitern - und wie sie dauerhaft erfolgreich bleiben

•    Autorität und fehlendes Selbstvertrauen: Die sozialen Rollenbilder sind seit der Kindheit fest in den Köpfen der Menschen verankert. Frauen gelten in der Gesellschaft als „das schwache Geschlecht“. Sie sind umsichtiger, ziehen den Nachwuchs groß und zeigen Gefühle. Erst langsam entwickelt sich das traditionelle Mann-Frau-Bild, in dem der Mann als die „Autoritätsperson der Familie“ gilt, in eine modernere Richtung. Viele Frauen haben Schwierigkeiten, in gehobene berufliche Positionen zu gelangen, da sie ihre „Macht“ skeptisch sehen und nicht genug Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben. Die innere kritische Stimme ist ein stetiger Begleiter, der Selbstwert leidet im Vergleich zu dem der männlichen Kollegen.
•    Souveränität: Für Frauen ist es oftmals ein schmaler Grat, einfühlsam und nachgiebig, als auch souverän und selbstbestimmt aufzutreten. Frauen, die souverän führen und agieren, gelten schnell als arrogant, hochnäsig oder herrschsüchtig. Angehende Führungspersönlichkeiten sollten dies als Kompliment betrachten. Es lässt den Rückschluss zu, den gängigen Rollenbildern nicht zu entsprechen. Dies ist für Personen in der Chefetage auch nicht notwendig. Besonders beruflich hochgestellte Frauen trennen sich von dem Gedanken, von allen wertgeschätzt und gemocht zu werden.
•    Erfolgreiche Frauen in Führungspositionen machen sich nicht für die Fehler von anderen verantwortlich. Sie wissen, wie und wann sie Aufgaben delegieren und abgeben. Auf diese Weise ermöglichen sie es anderen, sich zu erproben und alternativ, mitunter bessere Idee einzubringen, um Probleme im Unternehmen an der Wurzel zu packen.
•    Für erfolgreiche Frauen ist es wichtig, Kritik anzunehmen und die Leistung von ihrer eigenen Person zu unterscheiden. Sie fühlen sich nicht abgewertet, wenn Mitarbeiter sie kritisieren oder ihre Vorschläge ablehnen.
•    Erfolgreiche Frauen stehen zu ihren Schwächen und schätzen diese als einen Teil ihrer eigenen Person. Sie fokussieren lieber ihre Stärken und Kompetenzen. Aus ihren Begabungen schöpfen sie stetig Kraft und machen sich Tag für Tag bewusst, welche Erfolge sie in ihrem beruflichen Leben seit dem Karrierestart feiern durften.

Frauenquote in den DAX-Aufsichtsräten erstmals über 30 Prozent gestiegen

Erfolgreiche Frauen warten nicht auf eine Chance, sich zu beweisen. Sie agieren selbstbewusst und werden aktiv.

Das Bundesamt für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nimmt neben den politischen Akteuren anlässlich neuer Studienergebnisse die Unternehmen in die Pflicht, sich für die künftigen Entwicklungen verantwortlich zu zeigen. Frauen gelangen nicht über Nacht in Führungspositionen. Vorhandene Widerstände lassen sich durch strukturierte, gut organisierte Netzwerke lösen. Der erste Schritt zu größerer Präsenz der Frauen in den oberen Führungsebenen besteht darin, weiblichen Nachwuchs in die Aufsichts- und Verwaltungsgremien aufzunehmen.

Die vielen Initiativen wie beispielsweise der FidAR e.V., die sich zuletzt für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen stark machten, und das seit 2016 rechtskräftige Gesetz zur Frauenquote tragen erste Früchte: Mitte Mai stieg der Frauenanteil in börsennotierten Unternehmen zum ersten Mal über die gesetzlich vorgeschriebene Quote von 30 Prozent. Zwar hinken diverse DAX-Unternehmen hinterher, welche die Quote nicht erfüllen, allerdings sensibilisieren die Bestrebungen der Politik, gepaart mit verstärkten Impulsen und früher Zusammenarbeit von Universitäten, Unternehmen und Studenten für die Thematik.

Nicht die Politik allein kann und muss auf die Wichtigkeit der Frauen in führenden Positionen pochen. Vielmehr ist das Selbstverständnis der karrierebewussten Frauen der Schlüssel zum Erfolg.

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