Zertifikatsstudium mit Abschluss als Mediator (Univ.)

Wo es Streit gibt, gilt es, diesen konstruktiv zu schlichten. Dieser Grundsatz passt zu jedem Lebensbereich: Im Privaten gibt es Streit, in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen gibt es Streit und auch in der Arbeit gibt es Streit. Egal wo der Streit auch stattfindet, kann dieser direkt entweder zwischen den zwei zerstrittenen Parteien geregelt werden oder es braucht einen Mediator. Er begleitet den ausgelebten Konflikt, leitet ihn in konstruktive Bahnen und sorgt so dafür, dass der Streit bald beigelegt werden kann. Das Ziel einer jeden Meditation ist es, einen Kompromiss anzustreben, der von beiden Seiten tragbar ist. Mehr zum Zertifikatsstudium und zu den möglichen Praxisanwendungen verrät dieser Beitrag.

Abbildung 1: Streit und Auseinandersetzungen sind ein allgegenwärtiges Problem: Sie durchziehen das Privatleben ebenso wie die Berufswelt und unterstreichen den Ruf nach professionellen Mediatoren.

Das klassische Zertifikatsstudium mit Abschluss als Mediator wir nur selten angeboten
Die Uni Saarland gehört nicht zu den Universitäten, die das Zertifikatsstudium mit Abschluss als Mediator anbieten. Diese Aufstellung zeigt, dass der Masterstudiengang lediglich an der Europa Universität Frankfurt (Oder) und an der FernUniversität Hagen angeboten wird. Die universitäre Weiterbildung wird hingegen deutschlandweit angeboten. Für die Studenten der Uni Saarland muss das fehlende Angebot vor Ort allerdings noch lange kein K.O.-Kriterium für die Zertifizierung als Mediator sein, denn: Auch sie haben die Möglichkeit, ein Fernstudium zu absolvieren oder als Externe an einer anderen Universität, oder dem Europäischen Hochschulverband ein Zertifikat zu erwerben.

So sieht die Ausbildung zum Mediator inhaltlich aus

Grundlagen der Mediation, Konflikterfassung, Methoden und Strategien, Psychologie, Kommunikation sowie Sonderthemen wie Macht, Mediation und Recht sind Themen, die regelmäßig auf dem Stundenplan derjenigen stehen, die die Ausbildung zum Mediator machen. Spezialthemen können hier auch das Erbrecht, der Businessbereich oder die Familie sein. Um eine Weiterbildung zu belegen, ist es wichtig und nötig, die Voraussetzungen des jeweiligen Lehrgangsanbieters vorweisen zu können.
Wer sich auf einen Master-Studiengang stürzt, der kann diesen nur belegen, wenn das Bachelorzeugnis oder eine vergleichbare Qualifikation nachgewiesen werden können. Im Studium wird der inhaltliche Bogen deutlich größer gespannt. Betriebswirtschaftliche Themen wie Buchhaltung, Bilanzierung, BWL, IT und Marketing sind hier ebenso Thema wie Inhalte, die aus dem Bereich der Kommunikationswissenschaften bereits bekannt sind (Kommunikation, Interaktion, Konfliktmanagement, Rhetorik, Verhandeln u.a.).

So valide ist die Ausbildung zum und die Ausbildung als Mediator

Nur wer professionell ausgebildet ist, kann später auch professionelle Mediation anbieten. Umso wichtiger ist dieser Grundsatz mit Blick auf die Tatsache, dass der Begriff und die Jobbezeichnung als Mediator im Grunde nicht geschützt sind. Der Bundesverband Mediation stellt diese brandaktuellen Ausbildungsrichtlinien vor, die ab dem Jahr 2018 Anwendung finden sollen.

Praktische Einsatzbereiche der Mediation

Mediation hat ganz vielfältige Einsatzbereiche, die im Folgenden schlaglichtartig beleuchtet werden sollen. Dabei wird eine Zweiteilung in private und berufliche Konflikte deutlich werden. Für beide Ansätze gibt es echte Profis der Mediation.


Abbildung 2: Ein zertifizierter Mediator kann in ganz unterschiedlichen Bereichen aktiv werden - nämlich immer dann, wenn aus Interaktion ein Streit entfachen könnte.

Erziehung und Bildung.

In Betreuungs- und Bildungseinrichtungen geraten nicht selten Fachpersonal und Eltern aneinander. Unterschiedliche Erziehungsstile aber auch Kulturen sorgen im Bereich Erziehung und Bildung für Zündstoff – und für Einsatzmöglichkeiten für den Mediator.
Familie und Partnerschaft. Der Partner, die Partnerin und die Kinder sind der engste private Kreis, den es in unserer Gesellschaftsstruktur gibt. Durch die Nähe der unterschiedlichen Akteure gibt es mächtig viel Konfliktstoff. Aufgaben, bei denen ein Mediator helfend zur Seite stehen könnte sind: bei Streitigkeiten zwischen Familienmitgliedern, zwischen Generationen, wegen der Nachfolge im Familienbetrieb, bei Auseinandersetzungen in Wohn- und Lebensgemeinschaften und bei schwierigen Lebensverhältnissen (durch Scheidung, Adoption, Patchwork-Familien, etc.).

Gemeinwesen.
Im Gemeinwesen werden geschulte Mediatoren immer häufiger gesucht. Sie springen dann ein, wenn der Streit um Müllgebühren oder die Spielplatznutzung zu eskalieren droht.

Gesundheitswesen.
Mediatoren im Gesundheitsweisen sind häufig Vermittler zwischen medizinischem Fachpersonal und den Angehörigen oder den Patienten selbst. Auch innerhalb des Krankenhauses gibt es Konfliktpotential – zwischen der kaufmännisch agierenden Verwaltung und der pflegerisch tätigen Schaar an Krankenschwestern und -pflegern.

Interkulturell.
Im Rahmen der Flüchtlings- und Asyldebatten werden Mediatoren im interkulturellen Bereich immer wichtiger. Unterschiedliche Sprachen, Bräuche, Sitten und Traditionen können für Zündstoff sorgen – und Mediatoren nötig machen.

Organisation und Wirtschaft.
In Betrieben gibt es nicht weniger Konfliktpotential. Das kann sich in der Interaktion mit Kunden, Lieferanten, Kollegen und Vorgesetzen zeigen. Auch hier gibt es spezielle Themenbereiche – zum Beispiel Fusionen und Umstrukturierungen – die den Einsatz eines Mediators nötig machen können.

Planen und Bauen.
Planung und Bau eines Eigenheims sind mit vielen schlaflosen Nächten verbunden – ganz ohne, dass etwas unklar ist. Zum Einsatz kommt der Mediator, wenn Vereinbarungen nicht gehalten werden. Wenn es um Baumängel, Ansprüche und Schadensersatzforderungen sowie um nachhaltige Schäden geht, schlüpft der Mediator nicht selten in sein Baustellenoutfit.

Täter-Opfer-Ausgleich.
Der Täter-Opfer-Ausgleich setzt an der Stelle an, wenn Täter und Opfer keine Unbekannten füreinander sind. So kann außergerichtlich eine Beratung, Schlichtung und Wiedergutmachung erfolgen. 

 

Abbildung 3: Der Mediator begleitet die Konfliktparteien bis sie gemeinsam eine Lösung finden.


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Abbildung 3: pixabay.com © xxx (Creative Commons CC0)