Automaten der Antike: Noch heute für manch Studenten ein Rätsel

Wer glaubt, dass Automaten erst seit der Moderne existieren, irrt gewaltig. Bereits die Technik der Antike kannte Automaten, die mit einfachsten Hilfsmitteln komplexe Bewegungen ausführen konnten. Noch heute sorgen diese beim Betrachter für Erstaunen, obwohl Automaten längst in vielfältiger Form Einzug in unseren Alltag gefunden haben.

Drei Walzen einer Slot Machine mit gleichen Symbolen

Moderne Glücksspielautomaten gehen auf Erfindungen der Antike zurück. Bildquelle: charles taylor – 602936408 / Shutterstock.com

Automaten sind aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Entsprechend der Wortherkunft (abgeleitet vom griechischen automatos, dt. „von selbst geschehend“) handelt es sich dabei um Maschinen oder technische Anwendungen, die Vorgänge einem bestimmten Ablaufplan folgend durchführen. Ob es sich dabei um sehr einfache oder komplexe Abläufe handelt, ist zunächst unerheblich. Zu den Automaten, die heute von den meisten Menschen genutzt werden, zählen beispielswiese die folgenden:


•    Fahrkartenautomaten
•    Parkscheinautomaten
•    Getränkeautomaten
•    Kaffeeautomaten
•    Zigarettenautomaten
•    Glücksspielautomaten
•    Fototautomaten
•    Geldwechselautomaten


Antike Automaten: ein geschichtlicher Überblick

Da dies Beispiele aus unserer heutigen Zeit sind, wird oft vergessen, dass die Geschichte der Automaten schon vor tausenden Jahren begann. Zahlreiche heutige Automaten aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen sind auf historische Automaten zurückzuführen. Daher ist es interessant, sich die Entstehungsgeschichte näher anzuschauen.

Erfindungen der Antike sind oft auf Errungenschaften griechischer Gelehrter zurückzuführen. So verhält es sich auch bei den Automaten, bereits einige Jahrhunderte vor der Geburt Jesu Christi war das antike Alexandria hierfür weitbekannt. Hier kamen zahlreiche Menschen für Studien in unterschiedlichen Fachbereichen zusammen. Zu den berühmtesten Erfindern antiker Automaten zählen zweifelsohne Archimedes, Euklid, Pythagoras oder Heron von Alexandria. Letzterer trug den Beinahmen „Mechanicus“, den ihm die Erfindung zahlreicher automatischer Geräte einbrachte. Entwürfe dieser Geräte sind in seinen Werken Automata („Buch der Maschinen) und Pneumatika („Buch der Pneumatik und Hydraulik“) zu finden.

Hierin beschreibt er beispielsweise die sich automatisch öffnenden Tempeltüren. Dazu muss ein Feuer neben dem Tempel entfacht werden, welches die Luft in einem unterirdischen System aus mit Wasser gefüllten Gefäßen und Schläuchen erhitzt. Durch die Ausdehnung der Luft wird Wasser aus einem Gefäß in das nächste verdrängt, wodurch ein Mechanismus aus Ketten und Rollen in Gang gesetzt wird. Dieser ist mit den Türen des Tempels verbunden, die sich kurz nach Entfachen des Feuers „wie von Geisterhand“ öffnen. Besuchern des Tempels ist dieses unterirdische System nicht bekannt, sie gewinnen den Eindruck, dass ihr Gott die Türen nach Darbringung eines Feueropfers für sie öffnet. Nur die Baumeister kennen die wahren Hintergründe.

Die Entwicklung des Automatenbaus in den folgenden Jahrhunderten

In den der Antike nachfolgenden Jahrhunderten ging der praktische Nutzen der Automaten weitestgehend verloren. Ein Grund hierfür war unter anderem, dass zahlreiche Schriftstücke durch den Niedergang des Römischen Reiches unwiederbringlich verloren gingen – und damit auch das Wissen der antiken Erfinder. Erst als sich zum Ende des späten Mittelalters hin Gelehrte an europäischen Klöstern mit den verbliebenen antiken Schriften auseinandersetzen, konnte ein Teil dieses Wissens wiedererlangt werden.

Der praktische Nutzen der Automaten stand in der Folgezeit aber weit weniger im Vordergrund wie die Belustigung des Anwenders oder Betrachters. So gab es neben unterschiedlichen automatischen Spielzeugen auch große Anlagen, in denen sich Figuren über hydraulische Antriebssysteme bewegten oder sogar musizierten.

So werden Erfindungen der Antike heute genutzt

Ein System, welches auch heute noch in einfachen Automaten zur Anwendung kommt, beschreibt Heron in seinem Buch „Pneumatika“. Es handelt sich dabei um den Weihwasserautomaten, der durch Einwerfen einer Münze aktiviert wird. Die Münze fällt durch den Schlitz direkt auf den längeren Arm eines Hebels, an dessen kürzerem Arm ein Ventil befestigt ist. Das Auftreffen der Münze bewegt diesen Hebel und es werden einige Tropfen Weihwasser freigegeben. Ein vergleichbares Prinzip kann heute bei mechanischen Spielautomaten gefunden werden. Alte Automaten wie diese sind zwar noch in Spielcasinos verbreitet, die Entwicklung geht allerdings vermehrt hin zu Online Casinos wie Spintastic.

Wie auch heute noch waren Forschungen im Bereich der Naturwissenschaften in der Antike weitverbreitet. Der Weihwasser-Spender ist dabei nur eines von vielen Beispielen, in denen antike Automaten durch physikalische oder mechanische Vorgänge eine nützliche Arbeit verrichteten und dadurch als Vorbild für heutige Erfindungen gelten. Ein ähnliches System wird beispielsweise bei der WC-Spülung genutzt. Heron widmete sich unter anderem auch der Entwicklung der Waffentechnik in seinem Werk „Belopoeika“. Als Vorläufer des Maschinengewehrs wird beispielsweise die darin beschriebene Cheirobaliste, ein Katapult für mehrere Pfeile, angesehen.

Erste Dampfmaschinen kamen in Europa Anfang des 18. Jahrhunderts auf und waren maßgeblich für den industriellen Aufschwung dieser Zeit verantwortlich. Dabei bleibt oftmals unerwähnt, dass Heron mit dem Äolsball bereits viele Jahrhunderte zuvor ein ganz ähnliches Prinzip beschrieb. Auch hier wurde mittels Wasserdampf eine Kugel in eine Drehbewegung versetzt. In der Antike sah man für dieses Phänomen allerdings keinen praktischen Nutzen, weswegen diese Wärmekraftmaschine lediglich als Kuriosum angesehen wurde.

Antike Automaten erleben eine Renaissance

Wie bereits das Beispiel der sich automatisch öffnenden Tempeltüren gezeigt hat, können durch nützliche Automaten Prozesse in Gang gesetzt werden, die über das für den Menschen begreifbare hinausgehen. Vorausgesetzt natürlich, er kennt die Technik dahinter nicht. Auch heute noch sorgen Automaten vielerorts für Verwunderung und Begeisterung, obwohl dahinter eine eigentlich simple Technik steckt.

Dies machten sich Automatenbauer vor allem in der Übergangszeit vom 18. zum 19. Jahrhundert zu Nutze, als Automaten eine wahre Hochzeit erfuhren. Im Vordergrund standen hier in erster Linie komplexe Androiden, die den Anschein erwecken sollten, echte Tätigkeiten selbstständig ausführen zu können. Dazu zählten das Spielen eines Musikinstruments oder das Schreiben kurzer Texte. Auch Illusionskünstler bedienten sich vielerorts des Wissens der Automatenbauer und  begeisterten das Publikum mit immer neuen Tricks.

Hier können antike Automaten besichtigt werden

Viele Museen bieten heute eine Reise durch die Geschichte der Automaten. Hier werden nostalgische Automaten aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte präsentiert und vorgestellt. Nachbauten veranschaulichen dabei die Funktionsweise, so dass viele Rätsel der damaligen Zeit heute im Detail erklärt werden können.

Liebhaber historischer Automaten können diese oftmals sogar noch selbst bedienen. Dies gilt zwar nicht unbedingt für Überreste von Automaten aus der Antike, alte Spielautomaten oder historische Münzautomaten aus den letzten Jahrhunderten sind allerdings auch heute oftmals noch funktionsfähig. Solche Automaten sind darüber hinaus auch bei Sammlern sehr beliebt. Wenn sie sich im Originalzustand befinden und auch heute noch funktionieren, erzielen antike Automaten auf Auktionen oftmals hohe Verkaufspreise.